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EM-Qualifikation

Ein Remis bedeutet das EM-Ticket

Keine Schieflage, Österreich und Teamchef Franco Foda sind klar auf EM-Kurs.
Keine Schieflage, Österreich und Teamchef Franco Foda sind klar auf EM-Kurs.(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Philipp Brem)

Ein Punkt gegen Nordmazedonien genügt, dann ist Österreich bei der Euro 2020 dabei. Teamchef Franco Foda glaubt daran, lässt sich vor Abpfiff aber nicht aus der Reserve locken.

Wien. Die ersten beiden Spiele im Rahmen dieser EM-Qualifikation hätten Franco Foda fast schon den Job gekostet. Der Deutsche, im November 2017 von Sturm Graz geholt und als Nachfolger von Marcel Koller bestellt, musste eine bittere Niederlage gegen Polen (0:1) und einen kapitalen Flop in Israel (2:4) erklären. Nicht wenige haben da schon seine Demission erwartet, die Qualifikation für das paneuropäische Event im kommenden Jahr in gleich zwölf verschiedenen Ländern abgehakt und Österreichs Fußball wieder einmal in der „Steinzeit“ wiedergefunden.

Doch jetzt, zwei Spiele vor Abschluss dieser Qualifikation, haben Team und Foda alle Vorteile auf ihrer Seite. Österreich hat sein Fußballschicksal selbst auf dem Fuß: Nur noch ein Punkt fehlt auf den zweiten Platz, der (hinter Polen) zur Teilnahme berechtigt. Gegen Nordmazedonien (Samstag, 20.45 Uhr, Happel-Stadion) haben der ÖFB und Foda sozusagen den ersten Matchball.

 

Wie tickt der Österreicher?

Foda weiß das, will aber partout davon nichts hören, um „bitte nicht zu viel Euphorie im Vorfeld“ loszutreten. Das passe zwar optimal ins Stimmungsbild und die sportliche Wahrnehmung des durchschnittlichen Österreichers, doch ehe dieser Punkt nicht in der Tabelle aufleuchtet, wolle Foda diesen Ball tunlichst flach halten.

„Im Fußball muss man immer auf der Hut sein“, predigt der Deutsche regelrecht und das wolle er den Seinen ab heute auch bei der Zusammenkunft in Bad Tatzmannsdorf vermitteln. „Wir haben eine super Ausgangsposition, die wir uns erarbeitet haben. Die Mannschaft ist hungrig, jeder will zur EM. Trotzdem haben wir noch nichts erreicht.“ Also bitte, in Ruhe und Geduld üben.

Er habe, beteuert Foda, immer an das Team geglaubt. Der Begriff der Jobangst ist ihm fremd, das muss er auch. Beginne ein Trainer an seiner eigenen Arbeit zu zweifeln, könne er Spielern nichts Positives mehr vermitteln. Weil er schon so lange in Österreich lebe, wisse er, wie „ihr hier tickt, dass es oft nur Schwarz oder Weiß gibt“, das Ergebnis vor allem anderen stehe. Also zeigte er den Spielern sein Vertrauen, rotierte nicht alles durcheinander. Selbst „Ausritte“ wie der von Martin Hinteregger – er fehlte gegen Polen wegen einer „Geburtstagsparty“ – konnten Fodas Puls nichts anhaben. Strafe, Entschuldigung – die Mannschaft hielt zusammen. Ohne dass der Teamchef als „Oberlehrer“ auftrat oder die Affäre über Gebühr breitgetreten worden war. Alles lief besonnen, ohne großes Aufsehen ab – diese Einheit ist Franco Fodas wahrer Verdienst.

Zwei Siege gegen Slowenien, ein Remis in Warschau und das 3:1 gegen Israel bestätigten seine Haltung und öffneten das Tor nach Europa. Es wäre Österreichs dritte Teilnahme nach 2008 und 2016 – in beiden Fällen war schon nach der Gruppenphase alles ausgeträumt.

 

Erst der Punkt, dann die Show

Beim ÖFB ist man vorbereitet. 35.000 Karten wurden verkauft, diesmal gab es kein Wehklagen wie noch gegen Israel ob der hohen Preispolitik. Gelingt der Punkt, ist ein musikalischer, rot-weiß-roter Showact nicht ausgeschlossen. „Es wird ein emotionales Highlight“, verspricht Generalsekretär Thomas Hollerer. Es fehlt nur noch ein Punkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2019)

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