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Jobprofil

Den Luftraum immer gut im Blick

Viveka Waechte Fluglotsin Portrait Sonntag Flughafen Wien by Akos Burg
Weil immer wieder neue Konstellationen eintreten, sagt Fluglotsin Viveka Wächter, „bleibt die Arbeit interessant und man ist immer gefordert.“(c) Ákos Burg

Sie sind dafür verantwortlich, dass Flugzeuge sicher abheben, sie regeln „die Kreuzungen in der Luft“ und sorgen dafür, dass Passagiere an ihr Ziel kommen. Fluglotsen wie Viveka Wächter. Sie arbeitet am Tower in Wien-Schwechat.

Die Aussicht von ihrem Arbeitsplatz ist hervorragend. Der Blick reicht bis in die Slowakei und nach Ungarn, und der Schneeberg ist selbstverständlich zu sehen. Der Weitblick aber ist tatsächlich nur ein Nebeneffekt, denn in erster Linie soll Viveka Wächter die Pisten, die Rollwege, das Vorfeld und natürlich den Luftraum darüber im Auge behalten können. Die 37-Jährige ist Fluglotsin, ihr Arbeitsplatz der Tower am Flughafen Wien-Schwechat.

Mit ihren Kollegen am Tower betreute sie im Vorjahr 128.422 Landungen von Flugzeugen und damit den Großteil der insgesamt 204.876 Landungen in Österreich. 2007 kam Wächter zu Austro Control, der Österreichischen Flugsicherung, die für den sicheren Ablauf des Flugverkehrs im österreichischen Luftraum verantwortlich ist.

Drei große Aufgabengebiete

Ursprünglich wollte die gebürtige Deutsche nach ihrem Abitur in Berlin eine kaufmännische Ausbildung absolvieren, ging zu Hapag Lloyd und wurde Servicekauffrau im Luftverkehr. „Nach Stationen in Hamburg und München absolvierte ich letztlich eine Ausbildung zur Fluglotsin bei Austro Control“, erzählt Wächter.

Und sie entschied sich eben ganz bewusst für die Arbeit am Tower. Von hier erhält die Mannschaft im Cockpit – abhängig vom Verkehrsaufkommen – von den Fluglotsen die Erlaubnis, die Triebwerke zu starten, zur Piste zu rollen, die Startgenehmigung und die Anweisung, wie nach dem Start zu fliegen ist.

Beruf: Fluglotse

Anforderungen/Skills

  • Gute Deutsch- und Englischkenntnisse
  • Rasche Reaktionsfähigkeit
  • Sehr gutes Seh- und Hörvermögen
  • Entscheidungsfreude

Ausbildung

Jeweils im April und Oktober starten Grundkurse. Detaillierte Informationen zur dreijährigen Ausbildung und zu den Aufgaben der Fluglotsen gibt es beim Austro Control Recruiting Day am 30. November in Wien. Anmeldung unter www.austrocontrol.at

Gehaltsaussichten

Bereits während der Ausbildung erhalten angehende Fluglotsen 1500 Euro brutto, das Einstiegsgehalt für Fluglotsen liegt bei 5000 Euro brutto monatlich ohne Zulagen. Zudem bieten sich Karrieremöglichkeiten wie Supervisor (Schichtleiter), Trainer etc.

Daneben gibt es zwei weitere Aufgabenfelder für Fluglotsen, für die ebenfalls spezielle Ausbildungen absolvierte werden. Einerseits die An- und Abflugkontrolle (Approach APP), die Piloten in den oberen Luftraum lotst, oder umgekehrt, wenn sie sich einem Flughafen nähern. Dabei kreuzen sich die Flugwege natürlich sehr oft. Die Anflugkontrollstelle sorgt hier für die Sicherheit der an- und abfliegenden Flugzeuge im Nahbereich (rund. 50 Kilometer Umkreis) der sechs österreichischen Flughäfen.

Andererseits die Überflugkontrolle (Area Control Center ACC): Diese Fluglotsen sorgen dafür, dass im österreichischen Luftraum alle „Kreuzungen in der Luft“ sicher beflogen werden können. Und, dass alle Flugzeuge, egal wie hoch oder schnell sie unterwegs sind, auf dem kürzest möglichen Weg dorthin kommen, wohin sie gern möchten und die Freigabe zum Landen erhalten. Bei bis zu 4000 Flugbewegungen pro Tag im österreichischen Luftraum keine gerade einfache Aufgabe.

Doch gerade weil die Aufgaben vielfältig und durchaus anspruchsvoll sind, schätzt Wächter ihren Job. „Es gibt jeden Tag etwas Neues“, sagt sie. „Das ist natürlich zum Teil sehr wetterabhängig. Jetzt im Herbst ist der Nebel ein großes Thema. Mit dem nahenden Winter ist es die Enteisung der Flugzeuge.“ Daneben verlangen regelmäßige Bau- und Instandhaltungsarbeiten auf dem Rollfeld für immer neue Situationen.

Immer wieder neue Konstellationen

Weil immer wieder neue Konstellationen eintreten, „bleibt die Arbeit interessant und man ist immer gefordert“, sagt Wächter. „Es ist wie ein Puzzlespiel“, bei dem letztlich immer alles zusammenpassen und sich eins ins andere fügen müsse. „Es braucht schon viel Konzentration, man wächst hinein und dann ist vieles Routine und mit ihr weiß man auch, was zu tun ist, wenn es richtig zur Sache geht.“

Umgekehrt, sagt Wächter, machen diese Situationen auch richtig stolz: „Wenn viel los ist und es besondere Einschränkungen gibt. Und man sich dann einen Plan zurechtlegt und der aufgeht.“

Dass der Weg dorthin mitunter stressig sei, verhehlt sie nicht. Wenn dann auch noch Unvorhergesehenes passiert, wie etwa Rauch im Cockpit eines Flugzeugs, oder wenn ein medizinischer Notfall an Bord eintritt, im Gebiet des Flughafens Schlechtwetter aufzieht oder sich ein Reh auf die Piste verirrt, dann gelte es ganz ruhig zu bleiben. Aber das, sagt sie, seien Stresssituationen, auf die Fluglotsen in der dreijährigen Ausbildung gut vorbereitet werden.

Konzentriert arbeiten, dann abschalten

Daher sei es wichtig, die Schichtarbeit der 32,5-Stunden-Woche gut einzuteilen. Meist arbeiten Fluglotsen eineinhalb Stunden und machen dann Pause. Die Wochenend- und Nachtdienste, sagt Wächter, hätten den Vorteil, dass man auch während der Woche freie Tage habe. Und sie sagt: „Am Ende der Schicht erkläre ich der Ablöse die Verkehrsbilder – und dann ist die Arbeit aber auch erledigt.“ Anders gesagt, keine E-Mails, keine Telefonate, sie könne dann ganz abschalten vom Job und müsse nichts nach Hause mitnehmen.

Eines noch, sagt Wächter. Man müsse nicht unbedingt flugaffin sein, um bei Austro Control landen zu können: „Es gibt Kollegen, die haben Flugangst. Wieder andere haben den Privatpilotenschein. Für mich hat es einen Reiz, am Flughafen zu arbeiten und zu wissen, ich könnte jederzeit in die weite Welt fliegen.“

EINBLICK

„Zweimal jährlich – im April und Oktober – startet ein Grundkurs für die Fluglotsenausbildung mit jeweils rund 20 Teilnehmern. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Infos dazu gibt es am Recruiting Day am 30. November in Wien (www.austrocontrol.at). Im ersten Jahr stehen Theorie (Meteorologie, Flugtechnik, Flugsicherungstechnik, Verfahren) sowie kleine Simulationen auf dem Programm. Im zweiten Jahr erfolgt die erste Spezialisierung auf die Arbeit im Tower am Flughafen, die An/Abflugkontrolle bzw. die Überflugkontrolle. Im dritten Jahr wartet von erfahrenen Lotsen begleitetes on-the-job-Training. Wer die Abschlussprüfung besteht, der hat dann auch eine Jobgarantie. Voraussetzung für die Ausbildung sind Matura und medizinische Tauglichkeit.“

Florian Kalina, Leiter der Austro Control Ausbildungsakademie

EINBLICK

„Zweimal jährlich – im April und Oktober – startet ein Grundkurs für die Fluglotsenausbildung mit jeweils rund 20 Teilnehmern. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Infos dazu gibt es am Recruiting Day am 30. November in Wien (www.austrocontrol.at). Im ersten Jahr stehen Theorie (Meteorologie, Flugtechnik, Flugsicherungstechnik, Verfahren) sowie kleine Simulationen auf dem Programm. Im zweiten Jahr erfolgt die erste Spezialisierung auf die Arbeit im Tower am Flughafen, die An/Abflugkontrolle bzw. die Überflugkontrolle. Im dritten Jahr wartet von erfahrenen Lotsen begleitetes on-the-job-Training. Wer die Abschlussprüfung besteht, der hat dann auch eine Jobgarantie. Voraussetzung für die Ausbildung sind Matura und medizinische Tauglichkeit.“

Florian Kalina, Leiter der Austro Control Ausbildungsakademie

[PZENX]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2019)