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Wie Netflix die Kinos austricksen will

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"Marriage Story" feiert im Paris Theater in New York Premiere(c) APA/AFP/GETTY IMAGES/John Lampar (John Lamparski)

Der Streamingdienst hat das Paris Theater in Manhattan langfristig gemietet und will angeblich das Grauman's Egyptian Theatre in Hollywood kaufen.

Das Paris Theater war das letzte verbliebene Kino in New York mit nur einem einzigen Vorführraum. Vor wenigen Monaten wurde es nach rund 70 Jahren geschlossen, doch nun haucht der Streamingdienst Netflix ihm neues Leben ein. Er hat das Kino langfristig gemietet, berichtete die „New York Times" am Mittwoch. 

Netflix hatte es schon vor ein paar Wochen zu Werbezwecken für Noah Baumbachs neuen Film „Marriage Story" genutzt, der nun dort noch länger zu sehen sein soll. Wie es mit dem Paris Theater weitergehen und was genau dort zu sehen sein soll, teilte Netflix zunächst nicht mit.

Die Anmietung dürfte dazu dienen, große Regisseure für hauseigene Produktionen anzulocken. Wenn Netflix Stars wie Martin Scorsese an sich binden will, reicht es nicht, dafür tief in die Taschen zu greifen. Die Produktionen müssen auch Chancen auf große Filmpreise haben und dafür braucht es die Kinos. Denn um nominiert zu werden, muss ein Film für eine bestimmte Zeit im Kino zu sehen sein. Bei den Oscars sind es mindestens sieben Tage im Großraum Los Angeles, im Jahr vor der Verleihung.

Wenige Kinos zeigen Scorseses „The Irishman"

Doch die Kinos haben wenig Freude mit den Netflix-Filmen, wenn diese oft gleichzeitig oder kurz nach Kinostart auf der Streamingplattform veröffentlicht werden. So geschehen etwa mit Scorseses neuem Film „The Irishman“, berichtet das US-Portal TechCrunch. Das Mafia-Drama kam Anfang November ins Kino und ist seit gestern auf Netflix abrufbar.

Der Streamigdienst soll gehofft haben, dass „The Irishman“ von mehr Kinos ins Programm genommen wird. Nun fürchtet man, dass das Drama das gleiche Schicksal erleidet wie Alfonso Cuaróns „Roma“. Zehn Mal für den Oscar nominiert, bekam er nur drei Preise. Eine Enttäuschung für den Regisseur und Netflix.

Netflix macht sich unabhängiger

Wenn der Dienst eigene Kinos betreibt, macht er sich unabhängiger. Angeblich will er auch das Grauman's Egyptian Theatre in Hollywood kaufen. Das 1922 in „ägyptischem Stil“ gebaute Kino hat nur zwei Säle, ist aber prominent am Hollywood Boulevard gelegen. Wie auch das Paris Theater am Südende des Central Parks in Manhattan, direkt neben dem Luxushotel The Plaza.

Filme, die dort laufen, können von der Oscar-Academy kaum übersehen werden. (her)

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Grauman's Egyptian Theatre(c) imago/robertharding (Toms Auzins)

>> Bericht in „TechCrunch"

(APA/dpa)