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Walk of Häme

Aus. Schluss.

Oder: Warum man auf manches, was in den 10ern Realität wurde, nicht gekommen wäre.

Weil diese Ausgabe Ihrer Sonntagszeitung ja einem Rückblick auf die 2010er-Jahre gewidmet ist, hier eine kurze Frage zur Entwicklung des innenpolitischen Personals in diesem auslaufenden Jahrzehnt: Wer hätte im Jahr 2010 darauf gewettet, dass 2019

– Alexander Van der Bellen Bundespräsident der Republik Österreich ist?

– die ÖVP nicht mehr schwarz sondern türkis ist und plötzlich unangefochten Wahlen gewinnt?

– die SPÖ nicht automatisch den Bundeskanzler stellt?

– Werner Kogler der Bundessprecher der Grünen und Spitzenkandidat von gleich zwei bundesweiten Wahlen hintereinander ist und

– gegen Peter Pilz antritt, der ebenfalls Spitzenkandidat aber einer Nicht-Grünen-Partei ist?

– Johannes Hahn, der just 2010 als EU-Kommissar für Regionalpolitik (sein Chef war damals José Manuel Barroso) begonnen hat, 2019 für weitere fünf Jahre diesmal als Budgetkommissar nominiert wird?

– in der Steiermark Hermann Schützenhöfer überzeugend zum Landeshauptmann gewählt wird, der schon 2010 bereits fünf Jahre lang Landeshauptmannstellvertreter war?

Und obwohl es für einen endgültigen Jahresrückblick noch ein wenig früh ist (es fehlt ja immerhin noch ein ganzes Zwölftel), wäre man für folgende fünf politische Behauptungen noch im Frühjahr dieses Jahres wohl für verrückt erklärt worden:

– die Volkspartei tritt in Koalitionsverhandlungen mit den Grünen ein (zur Erinnerung, die waren noch vor wenigen Wochen gar nicht im Nationalrat vertreten).

– Die SPÖ kündigt Mitarbeiter der Zentrale in der Löwelstraße so, dass sie mit dem Betriebsrat ernste Probleme bekommt.

– Die FPÖ muss sich nur noch auf einen Zeitpunkt einigen, an dem sie Heinz-Christian Strache aus der Partei ausschließt (und Herbert Kickl schießt in der für ihn typischen Schärfe gegen seinen engsten politischen Verbündeten: „Das Wort heißt Ausschluss. Das eine Wort heißt Aus. Das andere Schluss.“).

– Und nicht zuletzt: SPÖ und Neos beschließen einen parlamentarischen U-Ausschuss zu den Postenbesetzungen der türkis-blauen Regierung und die Grünen lassen offen, ob sie da mit dabei sein werden. . .

florian.asamer@diepresse.com [Q001X]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2019)