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Ringen

Keine US-Ringer im Iran

Amerikas Verband lehnte die Einladung zum internationalen Turnier in Bodschnurd ab.

Teheran. Der Sport soll an sich nicht politisch sein, doch immer wieder gibt es politische Fußnoten, die nachdenklich stimmen. Iranische Judoka treten nie gegen Israelis an, Ukraine-Fußballer dürfen nicht in Russland spielen, auch Vertreter des Kosovo nicht. Es gab Boykottspiele 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles – und jetzt treten US-Ringer nicht bei einem im Iran organisierten internationalen Wettbewerb an.

Ein Vertreter der US-Mannschaft erklärte der iranischen Nachrichtenagentur ISNA am Montag, sein Team wolle sich stattdessen voll und ganz auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereiten und könne daher der Einladung nicht folgen. Außerdem sei die Einladung zu spät zugestellt worden.

Die Einladung zu dem Turnier des internationalen Ringerverbands (UWW) erfolgte inmitten politischer Spannungen zwischen den USA und Iran. Das Turnier soll vom 17. bis 21. Dezember im nordöstlich gelegenen Bodschnurd stattfinden. Neben den USA wurden auch Ringer aus Deutschland, Aserbaidschan, Russland, Georgien, Kuba und der Türkei eingeladen. Von ihnen sind keine Absagen bislang publik.

 

2017 waren die USA dabei

Der für Teheran geplante Ringer-Weltcup der Nationalmannschaften war kürzlich ob landesweiter Proteste im Iran wegen Sicherheitsbedenken vom UWW abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Das Turnier in Bodschnurd soll dennoch stattfinden. In den Sportveranstaltungen sieht der Iran auch wie in der Vergangenheit einen Weg der diplomatischen Annäherung.

In diesem Zusammenhang war ein US-Ringerteam schon im Februar 2017 zum Weltcup in Kermānschāh erschienen. Die Amerikaner, allen voran Olympiasieger Jordan Burroughs, wurden von den iranischen Fans mit „USA, USA“-Rufen gefeiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2019)