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Wort des Jahres

Ibiza: Eine Insel sagt mehr als 1000 Worte

Protest against the government in Vienna
"We're going to Ibiza!": Das Lied der Band Vengaboys wurde zur Melodie des politischen Skandals. Die Vengaboys traten kurz nach Bekanntwerden des Videos auch bei einer Demonstration gegen Türkis-Blau auf dem Wiener Heldenplatz auf. (Archivbild)(c) REUTERS (Lisi Niesner)

Ibiza ist das Wort des Jahres. Aber Strache „gewann“ auch in anderen Kategorien.

Heinz-Christian Strache ist es heuer gelungen, Sebastian Kurz den Rang abzulaufen. Aber nur, was das österreichische Wort des Jahres betrifft. War dieses im Vorjahr noch „Schweigekanzler“, so wurde nun „Ibiza“ in einer Mischung aus Jury- und Publikumswahl zum Sieger gekürt.

Wenngleich das Wort einem eher Spanisch vorkommt, wurde Österreich heuer durch die Insel geprägt. Das Unwort des Jahres („b'soffene G'schicht“) geht ebenfalls auf Strache zurück, der so sein Verhalten rechtfertigte. Der Preis für den Unspruch des Jahres ging auch an Strache für „zack, zack, zack“.

Als Spruch des Jahres wurden die Worte von Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Zuge der Ibiza-Krise gewählt („Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin“). Das Jugendwort des Jahres hat mit einer anderen Insel zu tun; „brexiten“ (sagen, dass man geht, obwohl man bleibt).

Politische Ereignisse spielten bei der Wahl des Wortes stets eine Rolle.

Seit 1999 wird das Wort des Jahres gekürt. Auch im Premierenjahr wurde gerade an einer Regierung gefeilt, es gewann das Wort „Sondierungsgespräche“, aus denen Wolfgang Schüssel als Kanzler hervorging. Apropos Schüssel: Auch zu seinen Zeiten als Regierungschef obsiegte das Wort „Schweigekanzler“ schon einmal (2005).

Politische Ereignisse spielten bei der Wahl des Wortes stets eine Rolle. Auch wenn manche Wörter kreativer als die Wirklichkeit waren. So gewann 2013 das Wort „Frankschämen“ – in Anspielung auf den damaligen Neo-Politiker Frank Stronach. Im Sprachgebrauch verwendet wurde der Begriff aber kaum.

Auch als Indikator für politische Beliebtheiten ist das Wort des Jahres nur bedingt geeignet. So gewann 2015 der Begriff „Willkommenskultur“, während bei der nächsten Wahl 2017 die migrationskritischen Parteien ÖVP und FPÖ siegten. Aber damals konnte man wiederum noch nicht ahnen, welche Bedeutung das Wort Ibiza für die Freiheitlichen bald bekommen sollte.[Q0Y6W]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2019)