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Austria zahlte Spielerberatern am meisten

Austria-Spieler Christoph Monschein und Benedikt Pichler
Austria-Spieler Christoph Monschein und Benedikt PichlerAPA/EXPA/THOMAS HAUMER
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Die Veilchen sind in Österreich die Nummer eins. International verdienten Vermittler 2019 den Rekordwert von 653,9 Millionen Dollar.

Zürich/Wien. Mit 17.896 internationalen Spielerwechseln im laufenden Jahr 2019 herrscht auf dem Fußball-Transfermarkt reger Handel wie nie und die Beraterriege verdient kräftig daran: An fast einem Fünftel, nämlich exakt 3558 Transfers, fielen Vermittlungsgebühren auf zumindest einer Seite (einkaufender, abgebender Klub oder Spieler) an und diese beliefen sich auf den neuen Rekordwert von 653,9 Millionen Dollar. Das ist eine Steigerung von 19,3 Prozent, wie aus dem jüngsten Bericht des International Transfer Matching System (ITMS) des Weltverbands hervorgeht.

Am meisten wird mit großem Abstand in Europa transferiert und auch gezahlt, hier ist Italien mit 130,5 Millionen Dollar noch vor England (103,6) für Manager am lukrativsten. Wenig überraschend sind ein oder mehrere Vermittler auf Spielerseite umso eher involviert, desto höher die Ablösesumme ist. Zugleich gehen aber immer noch mehr als die Hälfte der Transfers über fünf Millionen Dollar ohne Berater auf Spielerseite über die Bühne. Interessant ist auch, dass der Anteil der Zahlungen an solche Manager bei Jungprofis unter 18 Jahren mit 17 Prozent zwar knapp, aber doch am höchsten ist (15,9 Prozent bei 18 – 23-Jährigen). Die Berater haben das Werben der Klubs um immer jüngere Spieler, die später gewinnbringend verkauft werden sollen, offenbar für sich entdeckt und dürften sich Rohdiamanten deshalb bereits früh sichern.

 

Austria zahlt Vermittlern am meisten

Zeitgleich veröffentlichte die Bundesliga die Jahresabschlussdaten für die Saison 2018/19. Demnach zahlten die zwölf Klubs der höchsten Spielklasse 6,143 Millionen Euro an Agenten und Spielervermittler. Mit 1,502 Millionen war die Wiener Austria und nicht wie vielleicht erwartet Salzburg (0,967) oder Rapid (1,391) die Nummer eins in diesem Ranking. Dabei kam der Großteil der 15 Neuzugänge ablösefrei (fünf davon Leihgeschäfte) in der Vorsaison zum Klub, sie hatten anderweitig ihren Preis. Das stellt der finalen Phase von Franz Wohlfahrt (einige Transfers dürften wohl noch unter seiner Ägide bis Mitte Juni 2018 in die Wege geleitet worden sein) sowie Ralf Muhr als Austria-Sportdirektor kein gutes Zeugnis aus. Zumal sich auch die Transferbilanz der Vorsaison inklusive diesem Sommer mit einem Plus von 150.000 Euro laut Transfermarkt bescheiden liest. Nachfolger Peter Stöger übte nicht ohne Grund zuletzt auch öffentlich Kritik am unausgewogenen Kader.

Im Frauen-Fußball fielen dem ITMS-Bericht zufolge übrigens in 242 Transfers oder weniger als einem Drittel der Fälle Vermittlungsgebühren an, keine dieser Zahlungen betrug über 20.000 Dollar (Gesamt 216.000). Bemerkenswert ist, dass bei einem Viertel der Wechsel die Spielerinnen Berater involvierten. Das sind zehn Prozent mehr als bei den Männern. (swi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2019)