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Microsoft auf der E3 2010: Kinect-Hüpforgien und neue Xbox 360

Guests try out X-box Kinect games during preview for E3 in Los Angeles
(c) REUTERS (Phil Mccarten)
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Geht es nach Microsoft, wird in Wohnzimmern demnächst geboxt, gehüpft und getanzt. Neben Spielen für Kinect wurde eine neue, schlanke Version der Xbox 360 mit großer Festplatte und WLAN präsentiert.

Den Startschuss für die Electronic Entertainment Expo (E3), die größte Gaming-Messe der Welt, hat Microsoft gesetzt und gleich das "Controller-freie Zeitalter" ausgerufen. Das Unternehmen präsentierte also wie erwartet neue Spiele und Funktionen für seine Bewegungssteuerung Kinect (vormals Project Natal), die ab viertem November in den Handel kommen soll. Preise dafür nannte Microsoft aber immer noch nicht. Die Spielepräsentationen fanden durchaus Anklang beim anwesenden Publikum. Allerdings erntete Microsoft-Manager Don Mattrick den größten Applaus, als er eine neue, schlankere und leisere Version der Xbox 360 vorstellte und versprach, sie allen im Saal Anwesenden gratis zuzuschicken. Die neue Konsole ist deutlich kleiner als die bisherige Version, kommt mit integrierter 250-Gigabyte-Festplatte und flottem WLAN. Eine deutliche Kampfansage an Sonys PlayStation 3, die letztes Jahr auf der Gamescom eine Frischzellenkur spendiert bekam. Ausgeliefert wird die neue Xbox in Europa ab 16. Juli, die Preise bleiben auf bisherigem Niveau.

Familenunterhaltung

In Sachen Spielen für die Kinect-Hardware zeigte Microsoft unterschiedliche Kost. Zuerst wurden familienfreundliche Titel wie Kinectimals gezeigt. Bei letzterem spielte ein Mädchen mit einem kuscheligen Tiger, der ihren Kommandos folgte. Bei Kinect Adventures muss man diverse Hindernisparcours absolvieren. Unter anderem eine Rafting-Fahrt, bei der man stellenweise sogar auf den Wolken entlanggleitet. Hin und wieder sind Kameras platziert, die die Spieler im Sprung oder bei sonstigen Bewegungen aufnehmen. Mehrere Microsoft-Mitarbeiter machten sich vor versammeltem Publikum zum Affen, indem sie sich in die unmöglichsten Posen warfen. "Sieht ermüdend aus", kommentierte ein US-Blogger

während der Pressekonferenz.

Tanz- und Fitnesslehrer

Müde machen sollen auch Your Shape - Fitness Evolved von Ubisoft und Dance Central von Harmonix. Your Shape ist igentlich kein Spiel, sondern mehr wie EA Sports Active für die Wii ein digitaler Fitness-Trainer. Hier muss man aber nicht extra noch einen Controller in der Hand halten. Die Kinect-Kamera misst vor Beginn den Spieler genau ab, um möglichst präzise die Bewegungen erfassen zu können. Mehr Spaß dürfte Dance Central machen. Die Präsentation wurde von einer jungen Mitarbeiterin des Entwickler-Studios eröffnet, die eine regelrechte Tanz-Performance hinlegte. Alles mit Anleitung des Spiels und so, dass ihre Bewegungen auf dem Bildschirm nachgemacht wurden. "Wir wollten immer schon ein Tanzspiel machen, nur bisher gab es die technischen Möglichkeiten nicht", erklärte Harmonix-Chef Alex Rigopulos. Wenig später demonstrierte ein weiterer Mitarbeiter, wie auch weniger tanzaffine Menschen mit Dance Central lernen können, zu Tracks von Lady Gaga oder No Doubt über die Tanzfläche zu fegen. Rythmusgefühl kann man sich damit aber trotzdem nicht einfach so aneignen.

Lichtschwert-Gemetzel

Mehr an klassische Gamer richtet sich ein kommendes Star-Wars-Spiel von Lucas Arts, das für 2011 geplant ist. Details gibt es kaum, man sah nur kurz einen Jedi-Ritter sich durch ein Kampfgebiet mit Sturmtruppen kämpfen. Vermutlich steuert der Spieler komplett frei und ohne Einschränkungen das Lichtschwert des Protagonisten. Für Autofans wird an einem neuen Teil der Serie Forza Motorsport gebastelt. Spieler lenken nur mit ihren Händen und können mit ihrem Kopf sich frei im Auto umsehen oder den Kurvenblick üben. Auch dieser Titel soll 2011 erscheinen.

Metal Gear Hackfleisch

Klassische Games für Controller-Steuerung wurden auch präsentiert. So wurden erstmals Spielsequenzen von Metal Gear Sold: Rising gezeigt. Der Hauptcharakter Raiden wird vornehmlich mit dem Schwert agieren. Um diese Erfahrung möglichst lebensnah zu gestalten, wird man als Spieler komplett frei schneiden können. Egal ob Feinde, Gegenstände oder sogar Gebäude. Demonstriert wurde, wie ein Gegner in etliche Stücke geteilt wurde, später schnitt Raiden zur Erheiterung des Publikums eine Melone auf. Die Einleitung machte aber Call of Duty: Black Ops, das den Spieler in den Vietnamkrieg versetzt. Neben klassischen Baller-Sequenzen wurde auch eine Szene an Bord eines Kampfhubschraubers gezeigt.

Raumschlachten in Halo

Für Fans der Serie Halo hatte Microsoft natürlich auch etwas auf Lager. Zum im September kommenden Halo:

(c) Reuters (PHIL McCARTEN)

Reach wurden neue Szenen gezeigt. Unter anderem wird man als Supersoldat Noble Six sogar an Bord eines Raumgleiters Kämpfe im Weltall absolvieren dürfen. Gefeilt wurde offenbar auch an der Grafik und den Animationen. Geballert werden darf auch in Gears of War 3, das man zu viert gemeinsam im Koop-Modus spielen kann. Weniger konkret war die Ankündigung von Codename: Kingdoms, einem Xbox-Exklusivspiel von Crytek, der Firma die schon für Crysis und Far Cry verantwortlich zeichnete. Neues gab es auch zu Fable III zu sehen, wenn auch nur eher wenig aussagekräftige Spielsequenzen zu sehen waren. Offenbar ist das Spiel zeitlich ein paar hundert Jahre nach den bisherigen Fable-Teilen angesiedelt.

Videochat für Xbox Live

Für die 25 Millionen Teilnehmer des Online-Netzwerks Xbox Live hat Microsoft ebenfalls ein paar Ankündigungen auf Lager gehabt. Für US-Kunden interessant ist die Einbindung des Sportnetzwerks ESPN, das 3500 Live-Spiele bieten will. Wer die Xbox auch als Medienzentrale nutzt, etwa über Zune Video, kann mit Kinect all seine Inhalte ohne Fernbedienung oder Controller steuern. Die Konsole reagiert auf Handgesten und auch Spracheingabe. Per Videochat kann man sich mit anderen Kinect-Besitzern oder auch Windows Live Messenger-Nutzern austauschen. Kinect folgt dabei mittels 3D-Tracking dem Nutzer, wenn er sich aus dem Bild bewegt.

Schöne neue Gaming-Welt?

"Wir wollen die Industrie umwandeln", tönte Don Mattrick selbstbewusst. Für Microsoft heißt das, einen bisher unerschlossenen Markt an Spielen für sich zu gewinnen. Diejenigen nämlich, die bisher von den Einstiegshürden abgeschreckt wurden. Passend zur propagierten Massentauglichkeit übertrug Microsoft seine Pressekonferenz nicht nur per Live-Stream im Internet,

(c) Reuters (PHIL McCARTEN)

sondern auch auf Leinwänden auf dem Times Square in New York. Ob aber jeder wirklich Lust darauf hat, sich vor dem Fernseher bis er schwitzt abzustrampeln, wir man erst sehen. Abgesehen davon wird vielen der nötige Platz im Wohnzimmer fehlen, um ausgefallene Bewegungen durchzuführen. Aber die Kritik gab es auch bei der Veröffentlichung der Wii - sie wurde in kürzester Zeit ein riesiger Erfolg.

(db)