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Eklat

Estlands Innenminister nennt Finnlands Premierministerin ein "Mädchen aus dem Verkauf"

Sanna Marin ist seit wenigen Tagen Premierministerin von Finnland.
Sanna Marin ist seit wenigen Tagen Premierministerin von Finnland.REUTERS

Estlands Präsidentin fühlte sich verpflichten, sich für die Aussagen des 70-Jährigen Parteichefs der Rechtspopulisten über die neue 34-jährige finnische Premierministerin zu entschuldigen.

Es sind Weltanschauungen und Generationen, die hier aufeinander prallen. Estlands Innenminister Mart Helme ist 70 Jahre alt, Chef einer rechtspopulistischen Partei (Ekre). Finnlands neue Premierministerin Sanna Marin ist 34 Jahre alt und designierte Parteivorsitzende der finnischen Sozialdemokraten. Marin ist die derzeit jüngste Regierungschefin weltweit. Eine Aussage des estnischen Ministers in einer Radio-Sendung seiner Partei sorgte nun für Aufsehen in beiden Ländern.

„Jetzt sehen wir wie ein Mädchen aus dem Verkauf Premierministerin wird und wie andere Straßenaktivisten und ungebildete Leute ebenfalls dem Kabinett beigetreten sind“, sprach Helme. Für die Präsidentin Estlands Grund genug, sich bei Marin zu entschuldigen. Kersti Kaljulaid (50) sei die Aussage ihres Landsmanns „peinlich“. Sie habe den finnischen Präsidenten Sauli Niinistö angerufen und ihn gebeten, ihre Entschuldigung an Marin weiterzuleiten, berichtet die britische BBC online.

Helme darf in der Regierung vorerst weitermachen. Er überstand am Mittwoch im Parlament in Tallinn ein Misstrauensvotum der Oppositionsparteien. Bei der Abstimmung sprachen sich 44 der 86 anwesenden Abgeordneten für die Abberufung des Vize-Regierungschefs des baltischen Landes aus.

Mart Helme, estnischer Innenminister und Parteichef der Rechtspopulisten.
Mart Helme, estnischer Innenminister und Parteichef der Rechtspopulisten.REUTERS

Helme selbst fühlte sich falsch verstanden in seiner Aussage über Marin. „Wenn das jemand missverstanden haben sollte, dann möchte ich wirklich sagen, dass ich der finnischen Premierministerin meine Entschuldigung anbiete“. Die rechtspopulistische Partei erreichte bei den jüngsten Wahlen Anfang März 2019 17,8 Prozent mit einem Wahlkampf für „eingeborene Esten“.

Marin hatte in der Öffentlichkeit mehrmals darüber gesprochen, in einer benachteiligten Familie aufgewachsen zu sein. Sie hatte als Assistentin im Verkauf gearbeitet, bevor sie an die Universität studierte und eine politische Laufbahn einschlug. Ihren Angaben zufolge ist sie die erste in ihrer Familie mit einem universitären Abschluss. Auf Twitter betonte die junge Regierungschefin, sie sei „extrem stolz auf Finnland“, weil ein Kind aus einer armen Familie eine Ausbildung und viele Dinge im Leben erreichen könne. „Ein Kassier in einem Geschäft kann Premierminister werden“, schrieb sie.

>> Der Artikel der BBC

(Red.)