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Rüstung

Chinas erster selbstgebauter Flugzeugträger in Dienst gestellt

Die ShandongPL Navy/AFP
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Mit der „Shandong" besitzt Chinas Marine nun einen zweiten Träger und wird zugleich zur zweitgrößten Trägermacht nach den USA. China streitet mit Nachbarn um Inseln und Riffe und hat weitere solcher Einheiten in Bau.

Chinas Marine hat am Dienstag (Ortszeit) im Rahmen eines großen Festakts ihren zweiten Flugzeugträger in Dienst gestellt. Die Zeremonie in Anwesenheit der Staatsspitze fand am Dienstag auf dem großen Marinestützpunkt Sanya auf der südchinesischen Insel Hainan statt, unweit der von China beanspruchten Seegebiete im Südchinesischen Meer. Zuvor war das Schiff namens „Shandong" durch die Meerenge von Taiwan gefahren, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. Beides wurde als Machtdemonstration gewertet.

Der rund 315 Meter lange Träger mit einer Verdrängung von (voll) 70.000 Tonnen ist zugleich das erste Schiff dieser Art, das seit dem Zweiten Weltkrieg in Asien gebaut worden ist. Es wurde 2015 auf Kiel gelegt und ist im Kern eine etwas vergrößerte, vor allem aber moderne Variante des ersten Trägers der Chinesen, der „Liaoning".

Wurzeln in der Sowjetunion

Der wiederum wurde auf Basis eines nie fertiggebauten sowjetischen Flugzeugträgers der Admiral-Kusnezow-Klasse gebaut, den die Chinesen unter fragwürdigen Umständen Ende der 1990er-Jahre in der Ukraine gekauft und nach China geschleppt hatten. 2012 wurde die Liaoning in Dienst gestellt und dient seither mit ihren zwei Dutzend Kampfjets und bis zu 12 Hubschraubern primär als Übungsschiff, obwohl sie bereits auch als vollwertiges Kampfschiff bezeichnet wird.

Die Indienststellung der Shandong, benannt nach einer chinesischen Provinz, war eigentlich heuer im April erwartet worden, hatte sich laut Presseberichten aber wegen technischer Probleme verzögert. Dafür bietet die Shandong im Vergleich zur Liaoning unter anderem ein breiteres Flugdeck, eine neu designte, kleinere Insel (das ist der turmhafte Aufbau auf dem Flugdeck u. a. mit der Brücke), stärkere Radars, mehr Flugabwehrwaffen und mehr Volumen: Nun sollen bis zu 32 Kampfjets Typ Shenyang J-15 und acht bis 12 Hubschrauber Platz haben.

Vom Grunddesign sind Shandong und Liaoning STOBAR-Carrier (Short Take Off But Arrested Recovery), bei ihnen starten Flugzeuge mithilfe einer Sprungschanze am Bug, aber ohne Katapult, und werden bei der Landung durch Seile gebremst.

Vergleich von Liaoning und Shandong von oben, durch die kleinere Insel gibt es mehr Platz.Flickr

Chinesische Medien und internationale Marinebeobachter deuten auch darauf hin, dass die Volksrepublik mit diesen zwei Schiffen nun die zweitgrößte Trägerflotte der Welt besitzt. Zwar betreiben auch Großbritannien und Italien aktuell je zwei Flugzeugträger - allerdings ist deren kombinierte Tonnage kleiner als die fast 140.000 Tonnen der chinesischen Trägerflotte.

Grafik der Shandong (Type 001A)SCMP

Auf den italienischen Trägern Cavour und Giuseppe Garibaldi sind außerdem viel weniger Fluggeräte; und der zweite neue Träger der Royal Navy, die Prince of Wales, wurde erst vor einer Woche in Dienst gestellt und hat ebenso wie ihr Schwesterschiff Queen Elizabeth (seit 2017) noch keine komplette Flugzeugbestückung.

Ein großes Bauprogramm

Im Endeffekt sollen die Briten auf ihren zwei Trägern in einigen Jahren mehr Flugzeuge und Hubschrauber als die Chinesen auf den beiden Genannten; allerdings haben die Chinesen noch mehr Flugzeugträger geplant: Mindestens zwei sind in Bau, sie sollen strukturell ganz anders sein, größer, und einer davon wohl nuklear betrieben. Einer Quelle zufolge könnten bis 2025 sogar insgesamt sieben Träger im aktiven Dienst, in Erprobung und in Bau sein. Zum Vergleich: Die US Navy besitzt aktuell elf große Träger mit Atomantrieb (Nimitz- und Ford-Klasse) sowie neun kleinere konventionelle Träger der Wasp- und America-Klasse.

Shenyang J-15 auf dem Ski-jump der LiaoningChina News/PLA Navy

"Peking hat Sanya (für die Indienststellung) ausgesucht, weil die Militärführung die geostrategische Bedeutung der Basis des zweiten Flugzeugträgers hervorheben wollte", sagte der Pekinger Marineexperte Li Jie der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Der Marinestützpunkt, wo auch strategische Atom-U-Boote beheimatet sind, bietet leichten Zugang zum Südchinesischen Meer.

Das begehrte Südchinesische Meer

In dem Seegebiet streitet China mit Vietnam, Malaysia, Brunei, den Philippinen und Indonesien um Inseln und Riffe und beansprucht große Seegebiete mit bedeutenden Fischgründen, Rohstoffvorkommen und Schifffahrtsstraßen. Auch baut es seine Militärpräsenz aus und baut Riffe und Sandbänke zu künstlichen Inseln mit Garnisonen aus. Der internationale Schiedsgerichtshof in Den Haag wies 2016 Chinas  Gebietsansprüche zurück, die es primär historisch begründet.

Luftaufnahme der philippinischen Luftwaffe: Ein Riff der Spratly Islands wird von Chinesen zu einer Insel ausgebaut, Bild von 2015.APA/ARMED FORCES OF THE PHIL

Immer wieder kommt es im Südchinesischen Meer auch zu Zwischenfällen zwischen chinesischen und westlichen Marineschiffen. Die USA, Großbritannien und Australien wollen mit demonstrativen Einsätzen nahe der umstrittenen Inseln für die Freiheit der Seefahrt eintreten. Auch Taiwan ist ein Konfliktherd, da China mit einer Eroberung der Insel droht. Die USA haben sich 1979 gesetzlich verpflichtet, die Verteidigungsfähigkeit Taiwans zu sichern und zu verhindern, dass die Zukunft Taiwans anders als mit friedlichen Mitteln bestimmt wird.

(AFP)