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Was in Moskau auf den Teller kommt

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Eine kurze Erläuterung der russischen Kantine – und ihrer neumodischen Konkurrenz.

Was für den Wiener der Würstelstand, ist für den Russen die Stolowaja. Das ist eine Kantine, in der man günstig zu Mittag essen kann. Große Unternehmen leisten sich eigene für ihre Mitarbeiter; andere befinden sich gut versteckt im Kellergeschoß unscheinbarer Wohnhäuser. Die rundherum Werktätigen wissen, wo sie zu finden sind. Ihnen muss man um die Mittagszeit folgen.

Die Etablissements locken mit ansprechenden Namen wie „Sönnchen“, „Regenbogen“ oder „Tellerchen“. Im Inneren sind sie nur zweckdienlich. An der Theke schmoren in verschiedenen Gefäßen typische Gerichte. Eine gute Stolowaja ist folglich eine, die gut besucht ist.

Man reiht sich also ein in die Schlange. Und man sollte möglichst bald wissen, was man will, um nicht den Unmut anderer Gäste oder – schlimmer – der Essensausteilerin zu erregen. Keine Sorge, die Gerichte sind von Kaliningrad bis Krasnojarsk ähnlich. Ein beliebtes Speisekonzept sind „kotlety“: verschiedene Arten von Fleischlaibchen, in die Verschiedenes gemischt ist. Begehrt ist auch Überbackenes: mit Mayonnaise-Käse-Sahne-Soße gratiniertes Fleisch oder – seltener – Gemüse. Wie gesagt, das Essen ist preisgünstig. Experimente sind keine zu erwarten.

In Moskau machen in den letzten Jahren sogenannte „Kulinarii“ den Kantinen Konkurrenz. Das sind aufgemascherlte Imbisslokal-Ketten, in die sich ein paar internationale Gerichte (Lasagne statt Hörnchenauflauf) und grüne Salatblätter verirrt haben. Sie mögen modisch wirken, besser sind sie keinesfalls. Halten Sie Ausschau nach den echten Kantinen! Ein Würstel verzehrt man schließlich auch im Stehen und nicht im Sitzen. ?

jutta.sommerbauer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2020)