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Neue Übersetzung

"Vom Winde verweht" fehlt jetzt ein "e"

Der Film mit Vivien Leigh und Clark Gable war ein großer Erfolg.
Der Film mit Vivien Leigh und Clark Gable war ein großer Erfolg.
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Margaret Mitchells Roman wurde 1937 auf Deutsch veröffentlicht und nie überarbeitet. Nun gibt es eine neue Fassung, bei der textlich einiges passiert ist.

Scarlett O'Hara ist wieder da, ebenso wie all die anderen Figuren aus dem berühmten Roman von Margaret Mitchell. Dieser ist in einer neuen deutschen Übersetzung erschienen und heißt nun "Vom Wind verweht". Das fehlende "e" im Vergleich zum altbekannten Titel "Vom Winde verweht" deutet schon an, dass sich in der Übersetzung von Liat Himmelheber und Andreas Nohl einiges getan hat.

Die Sprache ist direkter, weniger verschnörkelt und freier von Klischees, die im englischen Original oft gar nicht vorhanden waren. Und es wurden viele problematische Formulierungen neu übertragen. Man habe den Roman damit aus der „Zone einer rassistischen Verdächtigung" holen wollen, sagt Andreas Nohl im Interview mit dem Schweizer SRF. „Der Begriff 'Nigger' ist nur im Sprachgebrauch von Rassisten im Text vorhanden. Das ist genau das, was Mitchell gewollt hat. Die Erzählstimme hingegen sollte niemanden stigmatisieren und niemanden verletzen. Wenn jedoch Rassisten rassistisch reden, dann sollte das dokumentiert sein." Mitchell hätte den Begriff „negro“ nicht verwendet, wenn es zu ihrer Zeit ein rassistischer Begriff gewesen wäre, so die Autoren.

Der Bestseller aus dem Jahr 1936 lag bisher nur in einer einzigen deutschen Fassung vor: 1937 wurde das Buch veröffentlicht - in alter Sprache, die das Buch wie aus dem 19. Jahrhundert erscheinen ließ. Dabei war Mitchells Roman bei seiner Veröffentlichung mit seiner eigenständigen und durchsetzungsstarken weiblichen Hauptfigur durchaus modern.

Übrigens gibt es auch negative Stimmen zur Modernisierung der Sprache. Mitchell würde etwa die Haussklaven in ihrer Familienideologie irgendwo zwischen Kindern und Haustieren einordnen. Ganz selbstverständlich. Hier, müsste man sagen, werde also eine historische Distanz des Lesers gegenüber dem Buch angenommen. „Eine fürsorgliche Reinigung von anstößigen Wörtern, wie sie allenfalls bei Kinderbüchern angezeigt sein mag, tilgt dagegen die historische Distanz und nimmt der aufgeklärten Leserschaft Gelegenheit, den eigenen Verstand zu gebrauchen“, schreibt die FAZ.

„Ein enorm komplexer Roman"

Wenig bekannt ist, dass der Roman 1937 mit dem Pulitzer-Preis für Literatur ausgezeichnet wurde. Im Nachwort zitiert Nohl den Kritiker Malcolm Cowley: "Sie schreibt mit einer blendenden Unbekümmertheit und wagt sich an große Szenen, vor denen ein erfahrener Schriftsteller zurückscheuen würde." Die öffentliche Wahrnehmung der Geschichte wurde entscheidend durch die Verfilmung von 1939 beeinflusst. Vivien Leigh und Clark Gable waren nicht mehr von den Figuren zu trennen. Die Festlegung, dass es sich bei dem weit über 1000 Seiten langen Roman um einen Liebesschmöker handelte, damit unvermeidlich.

Warum nun eine neue Übersetzung? Im Interview mit der "Frankfurter Rundschau" begründete Andreas Nohl das Projekt so: "Es ist ein enorm komplexer Roman, der sehr viele Themen und Bereiche abdeckt. Ich nenne das Weltunterhaltungsliteratur."

Der einzige Roman der 1949 tödlich verunglückten Margaret Mitchell enthält zahlreiche Bilder und Legenden über das Leben im amerikanischen Süden vor über 150 Jahren, die teilweise in die Folklore übergegangen sind und Erklärungen bieten für das schwierige Verhältnis der Regionen in den USA untereinander. Mit ihrer Übersetzung haben Himmelheber und Nohl den Roman "Vom Wind verweht" und seine Autorin Margaret Mitchell für eine deutschsprachige Leserschaft sprachlich in die Moderne geholt und ihnen so eine angemessene Würdigung ermöglicht.

Margaret Mitchell: "Vom Wind verweht", Neu übersetzt von Liat Himmelheber und Andreas Nohl. Verlag Antje Kunstmann, 1284 Seiten, 39,10 Euro.

 

(Ag./red)