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Die großen Preissprünge sind vorbei

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Ausblick: Am Wiener Wohnungsmarkt ist eine gewisse Entspannung in Sicht. Die Mieten bleiben stabil, Eigentumswohnungen sind weiter gefragt.

Wie werden sich die Immobilienpreise 2020 entwickeln? Diese Frage stellen sich in diesen Tagen viele potenzielle Käufer und Mieter, die in den vergangenen Jahren nicht zum Zuge kamen. Eine Antwort darauf liefern aktuelle Marktstudien wie sie vergangene Woche vom Maklernetzwerk Re/Max - die Presse berichtete - und jetzt vom Beratungsunternehmen EHL präsentiert wurden.

Marktberuhigung

Demnach ist der Markt in eine Beruhigungsphase übergetreten: „Das Angebot kann mit der Nachfrage langsam wieder Schritt halten, Neubauobjekte werden in aller Regel problemlos verwertet und Wohnungssuchende müssen nicht mehr mit übermäßigen Kostensteigerungen rechnen", sagt Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin von EHL Wohnen, mit Bezug auf den Wiener Wohnungsmarkt. In Wien sind im Unterschied zum Eigentumsbereich die durchschnittlichen Mieten im vergangenen Jahr weniger stark gestiegen, als es die öffentliche Berichterstattung vermuten ließe. Laut EHL-Berechnungen steht für 2019 unterm Strich lediglich ein Plus von 1,5 Prozent, was in etwa der Inflationsrate entspricht.

Wohnungspreise steigen weiter

Um durchschnittlich rund drei Prozent fielen hingegen im Vorjahr die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen aus. Zwar ist die Neubautätigkeit in der Bundeshauptstadt – 2020 sollen 19.000 bis 20.000 neue Einheiten fertig gestellt werden – weiterhin sehr hoch, dennoch ist das Angebot für private Käufer eher rückläufig. Bauernfeind verweist in diesem Zusammenhang auf das große Interesse von institutionellen Investoren, die verstärkt neue Objekte im Gesamtpaket kaufen und langfristig im Eigenbestand halten. Das sei auch der Grund dafür, dass der Anteil der Mietwohnungen am Wohnungsneubau zuletzt rasant gestiegen ist. „Mittlerweile werden rund 60 Prozent der neuen Wohnungen zur Miete angeboten, vor drei bis fünf Jahren waren es noch weniger als 40 Prozent", erklärt die Expertin.

Geringes Risiko

Für potenzielle Wohnungskäufer sei dieser Trend dennoch eine gute Nachricht, meint sie: „Die große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird auch in den kommenden Jahren für deutlich über der Inflationsrate liegende Zuwächse sorgen. Wohnungskäufer haben also weiterhin die Chance auf gute Wertsteigerungen und das Risiko, mit einer eigengenutzten Wohnung in Wien ein schlechtes Geschäft zu machen, ist nahezu Null."

Wobei die Wiener im Hinblick auf Wohnen sowieso weit weniger konservativ sind, als es dem Klischee entspräche: „Innovationen werden hier eigentlich sehr gut angenommen. Das gilt für die neuen Wohnlagen in den Stadtentwicklungsgebieten im Norden und Süden ebenso wie für neue Immobilientypen wie die zahlreichen Wohntürme, die jetzt auf den Markt kommen."