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Literatur

Der Sturz des pädophilen Autors

Gabriel Matzneff in den 1970er-Jahren – da traf seine Pädophilie den links-intellektuellen Zeitgeist. Doch noch vor wenigen Jahren erhielt er einige der wichtigsten französischen Literaturpreise.
Gabriel Matzneff in den 1970er-Jahren – da traf seine Pädophilie den links-intellektuellen Zeitgeist. Doch noch vor wenigen Jahren erhielt er einige der wichtigsten französischen Literaturpreise.(c) Imago
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Obwohl er jahrzehntelang von seiner Jagd auf unter 16-Jährige erzählte, genoss der Franzose Gabriel Matzneff den Rückhalt literarischer Eliten. Jetzt ist es damit vorbei.

Wird eine Schandtat weniger schändlich, wenn der Täter daraus schöne Sätze drechselt? Jahrzehntelang hat der französische Schriftsteller Gabriel Matzneff kein Hehl aus seiner Vorliebe für unter 16-jährige Buben und Mädchen gemacht, im Gegenteil, er bekannte sich in Essays dazu, schilderte in Tagebüchern seine unaufhörliche Jagd auf Teenager – bis hin zur Vergewaltigung von Zwölfjährigen. Lange stützte ihn dabei ein links-intellektueller Zeitgeist. 1977 etwa, zwei Jahre nachdem Daniel Cohn-Bendit in einem Buch seine sexuellen Spielchen mit Kindern geschildert hatte, erschien in der Zeitung „Le Monde“ ein Aufruf, Pädophilie zu entkriminalisieren – von der Crème de la Crème der Intellektuellen, darunter Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, Roland Barthes, Gilles Deleuze, Louis Aragon, André Glucksmann − und natürlich: G. M.