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Luftfahrt

Preiskampf färbt Lauda tiefrot

Sparen auf der ganzen Linie: Auch eine Ersatzuniform müssen Lauda-Mitarbeiter selbst zahlen.
Sparen auf der ganzen Linie: Auch eine Ersatzuniform müssen Lauda-Mitarbeiter selbst zahlen.(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Die Airline verkauft Tickets billiger als geplant, um gegen die Konkurrenz zu bestehen und erwartet 90 Mio. Euro Verlust. Ryanair erhöht indes die Gewinnprognose .

Wien. Ryanair-Boss Michael O'Leary, eigentlich nie um forsche Kommentare verlegen, tat sich bei seinem letzten Besuch in Wien im Dezember ziemlich schwer, seine permanent zur Schau gestellte gute Laune zu bewahren. Es ging um die alles andere denn erfreuliche Ertragssituation der österreichischen Tochter Lauda. 80 Mio. Euro Verlust würden es im laufenden Geschäftsjahr 2019/20 werden, meinte O'Leary damals und revidierte die ursprüngliche Prognose vom Sommer von 50 Mio. Euro, die er im Herbst auf 70 Mio. Euro korrigiert hatte, noch einmal nach oben. Jetzt, nach den Weihnachtsferien, muss O'Leary erneut nachschärfen: Der Verlust werde sich auf 90 Mio. Euro belaufen, verlautete am Freitag.

Schuld an den tiefroten Zahlen sind natürlich die anderen: Der Verlust sei „ein direktes Resultat des intensiven Preiskampfes mit den Lufthansa-Töchtern in Deutschland und Österreich, die unter den Kosten verkaufen“, hieß es in dem Statement der größten europäischen Billig-Airline, die vor einem Jahr die „Niki“-Nachfolge-Airline Lauda zur Gänze übernommen hatte. Auch über Weihnachten, eine für die Luftfahrt traditionell starke Zeit, mussten die Tickets billiger als geplant verkauft werden. Im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr dürfte die Passagierzahl zwar von vier auf 6,5 Millionen steigen und die Auslastung hoch sein, die Ticketpreise im Schnitt aber um 15 Prozent unter Plan liegen.

Was O'Leary nicht dazu sagt: Lauda liefert sich in Wien mit der Billig-Konkurrenz EasyJet, Wizz Air, Level und der Lufthansa-Tochter Eurowings wie auch gegen die AUA seit 2018 einen extremen Verdrängungswettbewerb und heizt diesen mit Ticket-preisen ab 9,99 selbst an. Aber nur mit günstigen Tickets lässt sich die auch permanent steigende Zahl an Flugzeugen füllen.

Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber zieht deshalb die Zügel stärker an: Neue Mitarbeiter werden wie berichtet seit Monatsbeginn nicht mehr nach dem Lauda-Kollektivvertrag angestellt, sondern über die Österreich-Tochter der irischen Leiharbeitsfirma Crewlink. In einem dem Onlineportal Aviation Net vorliegenden Schreiben an die Mitarbeiter betont Gruber, dass es dadurch zu keinen Gehaltseinbußen kommen soll. Ab April müssen zudem Parkplatz, ID-Karte, medizinische Checks und Ersatzuniform selbst bezahlt werden. Dafür gibt es eine jährliche Sonderzahlung von 360 Euro.

Sollte Lauda profitabel werden, stellt Gruber Gehaltserhöhungen in Aussicht. Das wird allerdings noch dauern – so, wie es jetzt aussieht, dürfte Lauda auch 2020/21 Verluste machen. Wie Gruber betont, werde der Verlust derzeit vollständig durch die Muttergesellschaft abgedeckt. Dies soll jedoch kein Dauerzustand sein, so Gruber.

 

Aktie legt deutlich zu

Bei der Mutter Ryanair läuft es hingegen rund: Das Weihnachtsgeschäft sei besser als erwartet gelaufen, man habe mehr Tickets verkauft und höhere Erträge erzielt, hieß es. Die Vorausbuchungen von Jänner bis April lägen um ein Prozent über Vorjahresniveau. Weshalb die Airline nun die Gewinnprognose auf 900 bis 1,05 Mrd. Euro anhebt. Das kam an der Börse gut an, Ryanair-Titel legten um mehr als sieben Prozent zu. Die Passagierzahl soll 154 Millionen erreichen, eine Million mehr als prognostiziert. Im ersten Halbjahr stagnierte der Nettogewinn bei 1,15 Mrd. Euro. Das war mehr als das nun angepeilte Jahresergebnis, aber im Winter ist das Geschäft traditionell schwächer.

Im November hat Ryanair noch die Jahresprognose auf 800 bis 900 Mio. Euro gesenkt. Der Grund war vor allem die nicht absehbare Verschiebung der Auslieferung des Boeing-Mittelstreckenjets 737 MAX, der nach zwei Abstürzen mit einem weltweiten Flugverbot belegt ist. Mit 210 Bestellungen für die 737 MAX ist Ryanair, die ausschließlich mit Boeings fliegt, ein Großkunde. 2018/19 hatte der Arbeitskampf mit vielen Streiks Spuren in den Geschäftszahlen hinterlassen. Mit 885 Mio. Euro hatte Ryanair das niedrigste Nettoergebnis in vier Jahren erzielt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2020)