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Handball-EM

Das Warten auf den scharfen Wurf

Ernüchterung war nach dem 23:27 gegen Kroatien zwar zu verspüren, doch im Lager des ÖHB-Teams herrscht weiterhin Freude. Nächster Gegner: Spanien.

Wien. So groß die Hoffnung auf eine weitere Sensation auch war, Österreichs Handball-Herren wurden bei der EM in der Wiener Stadthalle auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das 23:27 zum Auftakt der Hauptrunde gegen Kroatien zeigte, dass zu den Topnationen in dieser Sportart doch noch ein größerer Abstand besteht. Die erste Niederlage bei diesem Turnier warf die ÖHB-Equipe freilich nicht aus der Bahn. Bereits am Samstag will man sich gegen Spanien (18.15 Uhr, live ORF1) beweisen.

Chancenlos war die ÖHB-Mannschaft nicht, manch Chance wurde auch leichtfertig vergeben. Dazu gesellten sich Ballverluste, die in die Kategorie „unnötig“ einzuordnen sind. „Ich glaube nicht, dass das die Stimmung dämpft. Das Turnier ist für uns noch nicht vorbei“, relativiert Kapitän Nikola Bilyk alle Eindrücke. Dass Kroatien, immerhin 2004 Olympiasieger und zuletzt mehrfach erst in Endspielen unterlegen, mehr zu bieten hatte, musste der Kiel-Legionär neidlos anerkennen. Trotz des respektablen Resultats war es vor allem die Offensivschwäche der ersten Hälfte, die den Unterschied ausmachte. Da arbeitete man sich an der von Ex-Welthandballer Domagoj Duvnjak organisierten 5:1-Abwehr ab. „Gegen solche Gegner musst du jede Chance verwerten“, sagt Bilyk, der mit nur drei Toren nicht an seine ersten Partien (12, 10, sechs) herankam. „Wir waren nicht konsequent genug. Das, was sie mit der 5:1-Deckung erreichen wollten, haben sie geschafft.“ Man hat Österreich am Kreis förmlich zermürbt.

Ähnlich vernahm sich Teamchef Aleš Pajovič. „Ich habe gewusst, dass es gegen diese Abwehr Probleme geben würde. Wir haben versucht, Chancen zu finden und das manchmal gut gemacht, aber auch zu wenig Glück im Abschluss gehabt“, sagte der Slowene. Er versuchte im Hinblick auf das Spiel gegen Spanien vor allem das Positive mitzunehmen. „Wir haben in der zweiten Hälfte gesehen, dass alles möglich ist, wenn wir kämpfen“, betonte der einstige Weltklassespieler und hoffte, „dass wir nicht mit so viel Respekt starten.“

Flügel Robert Weber, mit sechs Toren bester ÖHB-Werfer, wünschte sich mehr Lockerheit: „Die Körpersprache war eine andere als in den ersten drei Partien. Wir müssen das Ganze genießen. Solche Spiele kommen nicht wieder.“ Daheim, vor eigenem Publikum, bei einer EM – es wird wieder Jahre, wenn nicht ein Jahrzehnt dauern, ehe wieder so ein Turnier in Österreich stattfinden könnte. Wenn, dann in der neuen Halle in St. Marx, die ab 2024 ihren Betrieb aufnehmen soll. (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2020)