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Handball-EM

"Deutschland fehlt ein Weltklasse-Spielmacher"

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Als Sportdirektor des THW Kiel wird Viktor Szilagyi nie fad. Die "Zebras" sind bzw. waren mit zehn Akteuren beid er EM vertreten, drei davon im Duell zwischen Österreich und Deutschland am Montagabend.

Als Sportdirektor des THW Kiel wird Viktor Szilagyi bei der EM nicht fad. Die "Zebras" sind bzw. waren mit zehn Akteuren vertreten, drei davon im Duell zwischen Österreich und Deutschland am (heutigen) Montagabend (20.30 Uhr/live ORF 1). "Zur absoluten Weltspitze fehlt den Deutschen ein echter Spielmacher", sagte Österreichs ehemaliger Ausnahmekönner angesichts der jüngsten deutschen Enttäuschung.

Das De-facto-Aus im Halbfinalrennen durch das 24:25 gegen Kroatien am Samstag mag Österreichs Chancen auf den ersten Sieg über den "Lieblingsnachbarn" in einem Bewerbsspiel erhöht haben. In Deutschland, wo Handball in der Publikumsgunst Teamsport Nummer zwei hinter Fußball ist, empfanden viele die Nachricht aus Wien wohl wie einen Peitschenschlag. "Vielleicht muss man manchmal auch die eigenen Ansprüche korrigieren", meinte Szilagyi. Tatsache ist, dass die Deutschen mit Ausnahme des EM-Titels 2016 in den vergangenen Jahren keine einzige EM- oder WM-Medaille geholt haben.

"In der Vorrunde war man gegen Spanien (26:33, Anm.) weit weg vom eigenen Anspruch. Das war äußerst enttäuschend. Ich hatte aber schon gegen Weißrussland (zum Hauptrundenauftakt, Anm.) das Gefühl, dass man den mentalen Neustart geschafft hat", betonte Szilagyi. Die knappe Niederlage gegen die Kroaten sei sicher bitter, aber kein Beinbruch. "Das absolut hochklassige Spiel gegen einen Titelanwärter kann man auch verlieren. Die Weltspitze liegt inzwischen so eng beisammen. Aber die Enttäuschung ist natürlich riesengroß", erklärte der 41-Jährige.

Das Scheitern sei freilich auch den zahlreichen Ausfällen u.a. auf der Mitte-Position geschuldet. "Deutschland hat viele Ausfälle. Aber was aktuell sicher zur Weltspitze fehlt, ist, dass man keinen echten Weltklasse-Spielmacher hat. Den gibt's auch nicht, den kannst du dir nicht schnitzen", befand Szilagyi. "Man sieht besonders in Spielen gegen eine offensive Abwehr wie gegen Spanien und Kroatien, dass es dann an Spielsteuerung fehlt."

Generell findet Szilagyi, der alle Vor- und Hauptrundenspiele in Wien verfolgt (hat) und auch beim Finalwochenende in Stockholm vertreten sein wird, Gefallen an der 14. EM-Endrunde, bei der erstmals 24 Teams vertreten sind. "Die Qualität und die Breite ist besser geworden. Portugal, Ungarn oder die Slowenen sind sehr stark. Es wäre vor ein paar Jahren undenkbar gewesen, dass ein Favorit in der Vorrunde ausscheidet", sagte der gebürtige Ungar im Hinblick auf das frühe Aus von Frankreich und Dänemark. "Durch die Aufstockung hat die Qualität des Turniers überhaupt nicht gelitten."

In seiner Funktion als Kiel-Sportdirektor hofft Szilagyi nicht zuletzt auf eine EM ohne Verletzungen - im Montagsschlager beobachtet er das Kiel-Trio Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek (Deutschland) und ÖHB-Kapitän Nikola Bilyk. "Dass wir hier so viele dabei haben, zeigt wie stark unser Kader ist. Aber die Belastung für die Schlüsselspieler ist natürlich schon hoch." Und sie lässt auch mit EM-Ende nicht nach: "Sechs Tage nach dem Finale haben wir schon wieder ein schweres Spiel in der Bundesliga."