Schnellauswahl
Währung

Der Franken bleibt auch 2020 heiß

Starker Franken.
Starker Franken.(c) imago/Christian Ohde
  • Drucken
  • Kommentieren

Der Franken hat zuletzt deutlich zugelegt. Das liegt auch an der Stabilität der Wirtschaft.

Frankfurt/Wien. Der in der Regel seriöse Schweizer Franken ist eine der heißesten Währungen des Jahres 2020. Die Währung im österreichischen Nachbarland hat zuletzt gegenüber fast allen wichtigen Pendants zugelegt. Gegenüber dem Euro erreichte sie am Freitag überhaupt den stärksten Wert seit April 2017. Seit Mitte 2018 hat sie gegenüber dem Euro von 1,20 auf 1,07 aufgewertet.

Gegenüber dem US-Dollar wiederum ist der Schweizer Franken mittlerweile sieben Wochen in Folge gestiegen – das ist die längste Aufwärtsbewegung seit 2006.

Der Franken-Anstieg unterstreicht die Wahrscheinlichkeit, dass Händler, die die Währung verkauft haben, um mit dem Geld andere Vermögenswerte zu erwerben, zunehmend ihre Carry-Trade-Positionen auflösen. In der Zwischenzeit hat der Franken-Anstieg die realisierte Volatilität zu einem Zeitpunkt erhöht, wo sich die impliziten globalen Volatilitäten auf Rekordtiefs befinden.

 

USA beobachten die Schweiz

Der Franken profitiert auch von den wachsenden Erwartungen, dass die Schweizerische Nationalbank die Interventionen reduzieren könnte, sollte die Inflation anziehen und sich die Fremdwährungs-Reservesalden einem Schwellenwert nähern. Beschwerden aus den USA – das Finanzministerium des Landes hat die Schweiz in diesem Monat wieder in die Devisenbeobachtungsliste aufgenommen – könnten auch die Zentralbank veranlassen, sensibler bezüglich Interventionsaktivität zu werden.

Obwohl Wetten auf den Franken in diesem Jahr bisher auf der Gewinnerseite standen, sollte erwähnt werden, dass die Währung in der Regel im Jänner steigt, der auch einer der turbulenteren Monate in den letzten zehn Jahren gewesen ist.

 

Schwächer als vor fünf Jahren

Die kurzfristige Aufwertung des Frankens sei übertrieben, und die Schweizer Nationalbank werde weiterhin selektiv eingreifen, um die Landeswährung zu schwächen, erklärte am Montag der Chief Investment Officer der St. Galler Kantonalbank, Thomas Stucki, in Notiz an die Kunden des Hauses. Die Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro seit Mitte 2018 von 1,20 auf 1,07 sei kaum mehr als eine Korrektur der Schwäche, die in den Jahren nach der Aufhebung der Währungsobergrenze im Jahr 2015 zu verzeichnen war. In Anbetracht der niedrigeren Inflationsrate in der Schweiz im Vergleich zur Eurozone und den USA sei der Franken immer noch schwächer als vor fünf Jahren, so Stucki.

Die niedrige Inflation in Kombination mit der wirtschaftlichen und politischen Stabilität in der Schweiz sei seines Erachtens Haupttreiber der Franken-Stärke, eine durchschnittliche Aufwertung von 1,5 bis zwei Prozent pro Jahr sei beherrschbar. (Bloomberg/est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2020)