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Anleger kaufen Immobilien in Skandinavien en masse

Abgelegenes Haus in der norwegischen Region Lofoten.
Abgelegenes Haus in der norwegischen Region Lofoten.Getty Images/Westend61
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Die nordischen Länder haben es den Renditejägern angetan. Kein Wunder, locken sie doch mit besonderen Qualitäten.

Kopenhagen/Stockholm/Wien. Der skandinavische Immobilienmarkt hat vergangenes Jahr mehr Investorengelder angezogen als je zuvor. Und obwohl der Markt schon heiß ist, wird er jetzt noch heißer.

Laut Linus Ericsson, Geschäftsführer der schwedischen Tochter der Immobilienberatung Jones Lang LaSalle, kommt ein Großteil der Nachfrage von außerhalb der Region, wo Käufer nach Volumeneffekten suchen. „Sie haben massive Geldsummen zur Verfügung, und je größer, desto besser”, sagte er in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. Um Schritt zu halten, hat Jones Lang LaSalle nun das Skandinavien-Geschäft ausgebaut und drei neue Berater hereingebracht.

 

Transparenz und Leichtigkeit

Nach Jahren mit negativen Zinsen in den meisten skandinavischen Ländern haben sich Immobilien als ultimatives Ziel für institutionelle Anleger herauskristallisiert, die verzweifelt auf der Jagd nach Renditen sind. Im Vorjahr wurde laut Immobilienberater Pangea Property Partners ein Transaktionsrekord von 44 Milliarden Euro für die Länder Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland verzeichnet.

Die Aktien von skandinavischen Immobiliengesellschaften schlagen bei der Wertentwicklung ihre europäischen Pendants, und selbst ihre risikoreichsten Anleihen sind bei den Anlegern begehrt. Das Angebot der Immobilienbranche an so genannten Hybridanleihen habe sich 2019 nahezu vervierfacht, berichtet Alexander Stiris, Leiter des skandinavischen Firmenkundengeschäfts von Citigroup. Anleger locke die Transparenz in Skandinavien und die relative Leichtigkeit, mit der die Vermögenswerte gehandelt werden können, erläutert er.

Hybride können so konzipiert werden, dass sie in Eigenkapital umgewandelt werden oder Verluste absorbieren können. Rating-Unternehmen betrachten Wertpapiere, die von Nichtfinanz-Unternehmen begeben wurden, in der Regel zu 50 Prozent als Eigenkapital. Die Emissionen von europäischen Nichtfinanz-Unternehmen erreichten 2019 einen Rekordwert von 30,2 Mrd. Euro, wobei das schwedische Immobilienunternehmen Heimstaden Bostad AB laut Scope Ratings zu den größten Emittenten zählt.

Die Danske Bank schätzt, dass angesichts der schwachen schwedischen Krone selbst bei rekordhohen Bewertungen für ausländische Käufer noch Spielraum für Transaktionen besteht.

Gemessen am Wert entfiel im Vorjahr fast ein Drittel der Transaktionen in dem Land auf ausländische Investoren, sagt die schwedische Finanzaufsichtsbehörde.

 

Neue Player

Immer wieder schielen neue Player auf den Markt. So hat der 339 Milliarden Dollar schwere US-Vermögensverwalter Neuberger Berman bei der Expansion die skandinavische Region im Visier, sagte er am Dienstag. Die luxemburgische Bank KBL European Private Bankers sagte im Oktober, dass ein Büro in Kopenhagen eröffnet werde. Hinter ihr steht die Königsfamilie Katars. Seinerzeit kündigte auch Goldman Sachs Pläne für eine Niederlassung an.

 

Aufsichtsbehörden beunruhigt

Der starke Zustrom ausländischer Gelder hat inzwischen einige lokale Aufsichtsbehörden beunruhigt. Die Region hat eine Geschichte von Immobilienbooms, die plötzlich zusammenbrechen, und Finanzaufseher wollen vermeiden, dass sich so etwas wiederholt. Die schwedische Finanzaufsicht hat die Banken daher angewiesen, mehr Kapital für mögliche Verluste vorzuhalten. In Dänemark ermahnt die Aufsichtsbehörde die Geldinstitute, die Kreditstandards nicht zu lockern.

Laut Stiris von der Citigroup haben die Anleger diese Bedenken immerhin zur Kenntnis genommen. (Bloomberg/est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2020)