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Fahrbericht

Kreuzung aus Crossover und normal

Kia XCeed – wobei das X für eine stilistische Kreuzung der Arten steht, nicht für Allradantrieb.
Kia XCeed – wobei das X für eine stilistische Kreuzung der Arten steht, nicht für Allradantrieb.(c) Skarwan
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Bevor die Gattungen durcheinandergeraten: Der Kia XCeed ist ein Kompakter, in dem man drei Zentimeter höher sitzt. Und Allrad – trotz „Abenteuer“-Looks – vergeblich sucht.

Mit knapp 4,4 Metern Länge gelingt diesem Kandidaten eine Punktlandung im Segment der gerade so ungemein gefragten Cross-over und Kompakt-SUVs. Aber gehört der Kia da wirklich hin?

Besonders hoch ist er nämlich nicht. Zum Standard-Maß der Klasse, nehmen wir den Nissan Qashqai, fehlen ihm fast 15 Zentimeter. Er ist viel näher bei den normalen Kompakten wie Golf oder eben Ceed, von dem er abstammt. Wenn die erhabene Sitzposition also das entscheidende Merkmal der Gattung ist, so kann der Kia XCeed nur um drei Zentimeter höheres Sitzen beitragen, noch kein Thronen über der Straße. Es ist Geschmackssache zu beurteilen, ob das ausreichend oder zu wenig ist.

Wenn es hauptsächlich um die Aufmachung geht, könnte der XCeed in der Crossover-Wertung noch die Kurve kratzen: die weit ausgeschnittenen, mit Kunststoff beplankten Radkästen und die prominente Andeutung eines Unterfahrschutzes am Heck entsprechen dem von der Klientel gesuchten robusten, „abenteuerlichen“ Look. Hinten schoppt es sich allerdings, weil die Dachlinie Coupé-artig stark abfällt, sodass für die Heckscheibe nur noch ein größerer Spalt übrig bleibt. Das Rangieren mit verdrehtem Kopf kann man gleich bleiben lassen, denn man sieht sowieso nichts raus nach hinten, auch der massiven C-Säulen wegen. Die deshalb eigentlich unentbehrliche Rückfahrkamera ist denn auch serienmäßig ab dem zweiten Ausstattungsniveau (von insgesamt vieren) an Bord, bei unserer Top-Variante mit dem starken Turbo-Benziner sowieso.

 

Nix am Hut

Eher irreführend auch das X im Namen. Gemeinhin steht es ja für Allradantrieb, aber damit hat der XCeed nichts am Hut, bauartbedingt: Er ist ein Fronttriebler wie alle anderen aus Kias großer Ceed-Familie.

Große SUV-Gefühle am Steuer kommen somit nicht auf, aber das muss noch kein Nachteil sein. Eine weniger hoch aufbauende Karosserie reduziert den Luftwiderstand, damit Spritverbrauch und Windgeräusche. Der tiefere Schwerpunkt, verglichen mit dem Qashqai etwa, macht sich vorteilhaft im Fahrverhalten bemerkbar. Man merkt auch, dass Kia die Lenkung direkter eingestellt hat, denn der XCeed stürzt sich recht freudvoll in die Kurve – das fühlt sich zunächst schön agil an, bald merkt man freilich: Sportler ist der Xceed keiner. Stattdessen rollt er auch über schlechten Straßenbelag diskret hinweg; weichere Dämpfer als beim normalen Ceed gebieten all zu ambitioniertem Lenkradkurbeln bald einmal Einhalt. Obwohl immerhin 204 PS zu Buche stehen, aber die muss man dem Turbomotor schon mit Nachdruck entlocken – das optionale Doppelkupplungsgetriebe führt sonst ruckzuck, dies allerdings sehr geschmeidig, in den jeweils höchstmöglichen Gang (von insgesamt sieben), um die Drehzahl und damit den Verbrauch niedrig zu halten.

Wobei das nicht so richtig eindrucksvoll gelingt: Unter 8,5 Liter/100 km haben wir es nicht geschafft. Kia hat auch schon eine Plug-in-Variante des Modells für dieses Jahr angekündigt, man wird sehen, wo die preislich landet. Durch den Entfall der NoVA – konkret elf Prozent – könnte sie sich auf Höhe des Top-Benziners einpendeln. Mehrheitsprogramm ist das aber sicher keines. Beeindruckend hingegen die Qualitätsanmutung an Bord, man merkt, dass Kia am Golf Maß genommen hat. Die Geräuschdämmung speziell an der Hinterachse ist vorbildlich, das empfiehlt den Kia, der einen konkurrenzfähig großen Kofferraum vorweist (mit bloß etwas hoher Ladekante), als Reiseauto. Passend die markentypisch überkomplette Ausstattung, bei der bis hin zu Lenkradheizung und Sitzkühlung nichts ausgespart wurde. Assistenzsysteme kümmern sich um Abstand- und Spurhalten.

Wer eine Abgrenzung zu deutschen Fabrikaten sucht, findet sie am ehestens im Fehlen einer langen Aufpreisliste.

KIA XCEED 1.6 T-GDI DCT7

Maße L/B/H 4395/1826/1495 mm. Radstand 2650 mm. Leergewicht 1450 kg. Kofferraum 426 bis 1378 Liter.

Motor R4-Zylinder-Otto-Turbo, 1591 ccm. Leistung max. 150 kW (204 PS) bei 5500/min. Drehmoment max. 265 Nm bei 1500/min.

0–100 km/h in 7,5 sec. Vmax 220 km/h.

Testverbrauch 8,8 l/100 km.

Vorderradantrieb. 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Preis 36.590 Euro („Platin“, Automatik).

Compliance-Hinweis:
Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2020)