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Immo-Aktien

"Ausgangslage unverändert gut"

Was österreichische Immobilienwerte betrifft, sind die Analysten weiterhin guter Dinge.
Was österreichische Immobilienwerte betrifft, sind die Analysten weiterhin guter Dinge.(c) cirquedesprit - Fotolia
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Experten konzedieren heimischen Immo-Aktien trotz der starken Entwicklung der letzten Jahre noch Potenzial.

„Das generelle Umfeld für Immobilienwerte bleibt positiv – weiterhin unterstützt vom Niedrigzinsumfeld“, sagt Erste-Group-Analyst Christoph Schultes. Das gelte vor allem für die Assetklassen Büro- und Wohnimmobilien. Im Einzelhandelsbereich – etwa bei Einkaufszentren – mache sich hingegen die Konkurrenz von E-Commerce nun doch deutlich bemerkbar.

Die großen heimischen Immobiliengesellschaften decken gemeinsam ein breites Marktspektrum ab. Der Fokus der CA Immo liegt etwa in der Entwicklung und Bewirtschaftung von Büroimmobilien im Kernmarkt Zentral- und Osteuropa. Während das Unternehmen in Deutschland überwiegend in Berlin, Frankfurt und München aktiv ist, konzentriert man sich im CEE-Raum auf die Hauptstädte. Auch die Immofinanz ist im Bürobereich (Portfolioanteil: 63 Prozent) ausschließlich auf den großen deutschen Märkten sowie in ausgewählten zentral- und osteuropäischen Hauptstädten aktiv, im zweiten Geschäftsfeld, Einzelhandel (34 Prozent), hingegen überwiegend in Sekundär- und Drittstädten. Das Immobilienportfolio der S Immo wiederum setzt sich zu 70 Prozent aus Büros, Einkaufszentren und Hotels sowie zu einem ergänzenden Teil aus Wohnimmobilien zusammen. Der regionale Fokus liegt dabei auf den großen Städten in Österreich, Deutschland und der CEE-Region.

 

Attraktive Vermögenswerte

Martin Rupp, Fondsmanager bei der 3 Banken Generali Investment, spricht wie sein Kollege von der Erste Group von einer unverändert guten fundamentalen Ausgangslage für Immobilienunternehmen. „Wir fühlen uns mit den langfristigen Beteiligungen an CA Immo, S Immo und Immofinanz derzeit noch recht wohl“, meint er. Er geht davon aus, dass die Nettovermögenswerte (NAV für Net Asset Value) und FFOs (Funds from Operations, Kennzahl mit der sich bei Immobilienunternehmen die Ertragskraft aus der operativen Geschäftstätigkeit einschätzen lässt) der drei Unternehmen weiter steigen werden. Bei der CA Immo etwa streicht er die großen Grundstücksreserven des Unternehmens hervor: „Hier kann man noch attraktive Renditen auf die Herstellungskosten bei Developments erzielen, während viele andere Mitbewerber auf sehr teure Zukäufe angewiesen sind, wenn sie wachsen wollen“, so der Fondsmanager. Ähnlich positiv äußert sich Schultes: „Die Aktie der CA Immo sollte sich unspektakulär weiterentwickeln – nach den letzten starken Kursanstiegen jedoch etwas schwächer.“

 

Entwicklungspipeline gefüllt

Bei der stark auf die Hotelentwicklung fokussierten UBM würden zahlreiche Forward-Verkäufe die Visibilität erhöhen, betont Schultes. Gleichzeitig verweist er auf Andeutungen des UBM-Managements, dass 2020 ein weiteres Rekordjahr für das Unternehmen werden könnte. Stefan Scharff, Analyst bei SRC Research, hebt neben dem positiven Ausblick zur Gewinnsituation und zur Dividende vor allem die finanzielle Flexibilität des Unternehmens hervor. Diese bilde die Grundlage für Investments in weitere Großprojekte. „Die Entwicklungspipeline sollte mindestens auf dem derzeitigen Niveau von zwei Milliarden Euro gehalten werden können, was auch weitere Ergebnissteigerungen erlauben wird“, betont der Experte.

Ebenfalls guter Dinge ist Scharff für die Warimpex. Die Aktie des Unternehmens, das auf die Errichtung und den Betrieb von Hotel- und Büroimmobilien in der CEE-Region spezialisiert ist, empfiehlt er ebenso zum Kauf wie jene der UBM. „Die Warimpex hat einige gute Entwicklungen in der Pipeline und sollte das Portfolio durch lukrative Zukäufe weiter ausbauen können“, gibt sich Scharff überzeugt.

 

Übernahmefantasie

Spannend könnte es 2020 bei der S Immo werden. Erst vergangene Woche schloss sie eine Kapitalerhöhung ab, mit der sie knapp 150 Millionen Euro an frischem Kapital lukrieren konnte. Dieses soll nun in weiteres Wachstum investiert werden. Zuvor waren die schon länger im Raum stehenden Fusionspläne mit der Immofinanz endgültig begraben worden, nachdem man sich nicht über den Wert der gegenseitigen Beteiligungen hatte einigen können.

Während die Immofinanz bei der Kapitalerhöhung nicht mitzog und ihr bisheriger Anteil von rund 29 Prozent dadurch verwässert wurde, soll der Investor Ronny Pecik seinen Anteil an der S Immo um weitere fünf Prozent aufgestockt haben. Erst im Vorjahr hatte er ein Aktienpaket an der S Immo von zehn Prozent von der Vienna Insurance Group erworben. „Die S Immo bleibt ein Übernahmekandidat“, bringt es Schultes auf den Punkt. Bislang habe die in der Satzung der S Immo festgeschriebene Stimmrechtsbeschränkung von 15 Prozent es Investoren erschwert, Kontrolle über die S Immo zu erlangen. Das könnte sich nun ändern.

Auf einen Blick

Mit österreichischen Immobilienwerten sind Anleger zuletzt gut gefahren. Wer in Warimpex oder UBM investiert war, konnte sein eingesetztes Kapital in den vergangenen fünf Jahren verdoppeln, die CA Immo legte um 123 Prozent zu, die S Immo sogar um 230 Prozent. Einzig die Immofinanz mit ihrem starken Retail-Engagement in Osteuropa konnte ihre Aktionäre nicht begeistern. Bei ihr steht unterm Strich ein Kursplus von rund 19 Prozent. Beachtlich waren auch die Dividendenrenditen, die 2018 zwischen 3,25 (CA Immo) und 6,58 Prozent lagen (UBM). In diesem Tempo wird es laut Analysten aber nicht weitergehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2020)