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Home Staging

Die Inszenierung der Verkaufsbühne

Besonders schwierige Räume profitieren von der inszenierten Möblierung.
Besonders schwierige Räume profitieren von der inszenierten Möblierung.(c) wohnpsychologin
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Gute Möblierung soll das Vorstellungsvermögen von Wohnungskäufern anregen und für gute Atmosphäre sorgen. Eine Gratwanderung zwischen Wohnlichkeit und neutralem Stil.

„Home Staging basiert im Wesentlichen auf drei Grundsätzen“, erklärt Barbara Perfahl, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Home Staging und Redesign: „Man kauft nicht nur ein Produkt, sondern ein Gefühl.“ Ein Haus oder eine Wohnung sei ein Lebensentwurf und stark emotional besetzt. „Zweitens fallen zwei von drei Kaufentscheidungen in der Immobilie selbst. Und wir wissen – drittens – dass sich 80 Prozent der Menschen einen Raum nicht anders vorstellen können, als er gerade aussieht.“ Es handle sich also um eine Entscheidung mit großer Auswirkung an einem Point of Sale, der oft leer und damit eher unattraktiv ist, so Perfahl. Ziel des Home Staging ist es, den Käufer emotional „andocken“ zu lassen, die Räume in ihrer Funktion zu erleben und damit auch schneller eine Entscheidung treffen zu können.

 

Moden und Zurückhaltung

Die Gratwanderung des Home Stagers sei es, möglichst viele Besucher anzusprechen, ohne die Wohnung zu generisch wirken zu lassen, erklärt Perfahl. Deshalb werde zumeist vorab mit dem Makler eine genaue Zielgruppe festgelegt und dann die Wohnung Raum für Raum geplant, schildert Jutta Wallner, Geschäftsführerin der Wohn.Fee: „Wir schauen uns an, wo der Interessent Unterstützung bei seiner Vorstellungskraft brauchen kann.“

Wichtig sei es, so die beiden Stagerinnen, dass die Immobilie im Vordergrund stehe. „Wir richten nach den Kriterien ein, die vom Raum vorgegeben sind“, erklärt Perfahl, „Das Sofa steht also nicht dort, wo man am besten zum Fernseher sieht, wie man das privat oft macht, sondern so, dass die Proportionen des Raums am besten zur Geltung kommen.“ Ein Komplettstaging der Wohn.Fee beinhalte – je nach Größe der Wohnung – 150 bis 200 Teile, vom Sofa bis zu den Accessoires. „Stagen kommt ja vom Wort Bühne – und es wird inszeniert“, erklärt Wallner. Kleine Alltagsszenerien, wie das aufgeschlagene Magazin am Beistelltisch oder der gedeckte Esstisch, sollen Authentizität verleihen. Starke stilistische Aussagen seien im Home Staging eher selten, auch wenn man sich den aktuellen Trends nicht entziehen könne: „Die Grundtrends sind immer dabei. Sie spiegeln sich schon im Möbelangebot, in dem, was wir einkaufen.“

Bereits seit einigen Jahren gehe der Trend zum Natürlichen, zu reduziertem Design und Minimalismus, was dem Home Staging generell entgegenkomme. Gleichzeitig beobachtet Perfahl eine Vorliebe für Opulenz und Barock. Auch Wallner sieht diese Entwicklung: „Der Trend geht zu natürlichen Materialien und zu mehr Farbe. Wir haben 2019 viel Messing, Schwarz, Samt und Rattan eingesetzt.“ Der klassische skandinavische Stil – hell, modern, reduziert – hat aber eine konstante Fangemeinde und bleibt beliebt. Farblich werden vermehrt Blau- und Meerestöne kommen, die sich auch im Home Staging gut einsetzen lassen.

Harmonie durch Ausgleich – so beschreibt Barbara Perfahl den Grundsatz der Stagings: „In einem barocken Gebäude würde man eher mit klaren Linien arbeiten und über Accessoires Bezüge zum Barock herstellen. In einem modernen Penthouse kann man vielleicht plüschiger werden. Der Grundstil bleibt immer neutral, Ausgleich und Bezug zur Umgebung schaffen die Accessoires.“

 

Eigene Disziplin: Gartenstaging

Viele Außenbereiche gelten ebenso als Wohnbereiche – Home Staging umfasst also auch die Gestaltung von Freiflächen. Je nach Größe arbeitet man dafür mit Spezialisten zusammen, im Fall der Wohn.Fee mit dem Gartenarchitekten Clemens Lutz. Generell habe Garten- und Terrassen-Staging einen höheren Aufwand als Staging in Innenräumen, da Bewässerung nötig sein kann. Oft werde deshalb nur ausschnittweise für Fotos gestaged, erklärt Lutz, „es soll gezeigt werden, was Terrasse können kann“. Der Fokus liege natürlich oft auf jenen Bereichen, die vom Inneren aus sichtbar sind. Trendiges sei hier generell schwieriger, weil ein Garten Zeit brauche, modische Akzente könne man am besten mit Gartenmöbeln setzen. Allerdings könne man sich beim Staging mehr auf Saisonales konzentrieren, da man die anderen Jahreszeiten nicht so mitdenken muss, so Lutz. Wie beim Home Staging gehe es darum, ein Wohn- und Lebensgefühl zu erzeugen – sei es mit Frühlingsknospen oder Weihnachtslichtern.

Was Sie beachten sollten beim . . . . . . Homestaging.

Tipp 1

Auf Qualität achten. Experten raten dazu, bei der Auswahl eines Home Stagers auf Referenzprojekte und den Umfang des Angebots zu achten. Nur so könne sich die psychologische Wirkung gut entfalten. Immer häufiger kämen Stager zum Beispiel mit Sofas aus Karton, das passe in einer hochwertigen Immobilie nicht. Außerdem sollte man eine Wohnung immer komplett stagen.

 

Tipp 2

Home-Stager-Ausbildung. Seit 2018 bietet die ÖGHR (Österreichische Gesellschaft für Homestaging und Redesign) in Zusammenarbeit mit dem Wifi in Linz die Ausbildung zum „ÖGHR Home Staging Professional“ an – ab Juli 2019 wird die gleiche Ausbildung auch in Salzburg angeboten. Sie besteht aus zwei Modulen und dauert insgesamt eine Woche.

 

Tipp 3

Für Selbermacher. Statt einen gesamten Auftrag zu vergeben, kann man sich von Profis auch Tipps zum Selbermachen holen. Was immer gilt: Rechtzeitig ausmisten, Persönliches wegpacken und eine gründliche Reinigung machen einen guten Eindruck. Kleinere Reparaturen vorab zu erledigen und frische Wandanstriche anzubringen erhöhen die Verkaufschancen.

Mehr Tipps für Ihre persönlichen Finanzen: www.diepresse.com/meingeld

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2020)