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Schlafcoach

Den Schlaf ins Bewusstsein rücken

Die Zahl der von Schlafstörungen Betroffenen nimmt zu. Schlafcoaches sollen hier ohne Einsatz von Medikamenten helfen.
Die Zahl der von Schlafstörungen Betroffenen nimmt zu. Schlafcoaches sollen hier ohne Einsatz von Medikamenten helfen.(c) Getty Images/iStockphoto (OcusFocus)
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Eine erholsame Nachtruhe hängt von vielen Faktoren ab. Einschlägig qualifizierte Berater helfen bei Problemen. Im Fokus steht die nicht medikamentöse Behandlung.

Wir schlafen etwa ein Drittel unseres Lebens. Schlaf ist ein komplexer, hochaktiver Prozess. Bereits jeder Fünfte hierzulande hatte schon einmal Probleme damit. Die Zahl der Betroffenen ist in den letzten Jahren rapid gestiegen – Stress, Belastungen und Herausforderungen wie Schichtarbeit sind Gründe dafür und führen zu Müdigkeit, Unkonzentriertheit und Verlust von Leistungsfähigkeit. Vielfach wird Schlafstörungen mit einer rein medikamentösen Behandlung begegnet. Die Ausbildung zum Schlafcoach stellt alternative Lösungsansätze in den Mittelpunkt. Schlafcoaching unterstützt darin, entsprechende Probleme zu bewältigen und einen entspannteren Schlaf zu finden, sofern keine medizinische Indikation vorliegt.

Die Psychologin und Lehrtherapeutin für integrative Gestalttherapie Brigitte Holzinger, Leiterin des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung, hat mit Gerhard Klösch, der in der Schlaf- und Traumforschung an der Uniklinik für Neurologie in Wien tätig ist, den Zertifikatskurs Schlafcoaching konzipiert. Das Weiterbildungsangebot an der Med-Uni Wien richtet sich an Mediziner, Psychologen und Psychotherapeuten, aber auch an jene, die in Schlaflaboren arbeiten oder helfende Berufe ausüben und sich mit den Themen Schlaf und Schlafstörungen befassen.

 

Psychologie im Vordergrund

„Das Thema Schlaf wird noch in vielen medizinischen Bereichen vernachlässigt“, sagt Holzinger. Die Methodik dieses Schlafcoachings basiert auf gestalttherapeutischen Ansätzen. „Studien zur Albtraumbewältigung mittels nicht medikamentöser Behandlung sowie zur Effektivität psychologischer Maßnahmen bei Durchschlafstörungen haben uns in der Entwicklung diese Kurses beflügelt“, sagt Holzinger. Die Ausbildung zum zertifizierten Schlafcoach gibt es seit 2014, der nächste Lehrgang soll im Herbst 2020 starten. Schlafedukation vermittelt in diesem Rahmen Wissen rund um den Schlaf in allen Altersstufen, in Unterrichtseinheiten zur Kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie werden Verhaltensänderungen thematisiert, die effektives Schlafen fördern. Gelehrt werden auch Entspannungs- und Hypnosetechniken sowie Methoden zur Albtraumbewältigung auf Basis der sogenannten Image Rehearsal Therapy sowie des luziden Träumens, um einen Traum bewusst verändern zu können. Der dreisemestrige Kurs qualifiziert für Beratungstätigkeiten im Bereich Schlaf.

Eine der Absolventinnen ist Eva Wieser, die an der Innsbrucker Uniklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen als Klinische und Gesundheitspsychologin tätig ist und häufig mit Tinnitus-Patienten arbeitet. „Der Kurs hat ein Bewusstsein für die Komplexität des Themas Schlaf geschaffen, etwa auch, was neurologische oder pulmologische Aspekte bei Schlafstörungen betrifft. Ein Fragebogen zu Schlafgewohnheiten ist seitdem Usus bei uns, auch meine Kollegen sind diesbezüglich sensibilisiert.“ Absolventin Andrea Mikulits – die Allgemeinmedizinerin ist in einer Wiener Stressambulanz tätig – widmet sich als Schlafcoach nun verstärkt den Schlafgewohnheiten der Patienten, „wir thematisieren wichtige Parameter wie Tagesmüdigkeit und Schlafhygiene“. Wieser: „Das Thema Schlaf ist zu häufig nur in Medizinerhand, es braucht beides: Mediziner und Therapeuten.“

Fortbildungen im Bereich der Kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie bietet die Österreichische Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin an. Ihre Jahrestagung zum Thema Schlaf und Umwelt findet im Mai in Graz statt. Seminare zur Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen sind auch im Verein für psychosoziale und psychotherapeutische Aus-, Fort-, Weiterbildung in Wien ein Thema. Im Mai referiert die Somnologin Gerda Maria Saletu-Zyhlarz, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, über das Thema. Prinzipiell sind die Zielgruppe Psychologen, Psychotherapeuten oder beratende Personen. Es können aber alle Interessierte teilnehmen.

 

Schlaf und Wellness

Ebenfalls der Schlafoptimierung widmet sich Günther Amann-Jennson. Er leitet das Institut für Schlafpsychologie und Schlafcoaching in Frastanz in Vorarlberg und bietet eine Ausbildung zum Schlaf-Gesund-Coach an, die sich unter anderem an Gesundheits-, Fitness- und Wellnesstrainer, Personal Coaches und Fachkräfte der Gesundheitsberufe richtet. Der Kurs dauert zwei Tage inklusive Praktikum in einem Wellnesshotel. Vermittelt werden elementare Voraussetzungen für einen gesunden Schlaf, um Klienten entsprechend beraten zu können. Amann-Jennsons Schlaf-Gesund-Konzept beinhaltet eigene Produkte, er berät auch die gehobene Wellness-Hotellerie.

LINKS

► Med-Uni: www.schlafcoaching.org und www.meduniwien.ac.at/zk-schlafcoaching

► VPA - Verein für psychosoziale und psychotherapeutische Aus-, Fort- und Weiterbildung: www.vpa.at

► Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung: www.schlafmedizin.at

► Institut für Schlafcoaching, Schlafpsychologie: www.schlafcoaching.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2020)