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Kammerspiele

Diva Marlene, knapp verfehlt

Immerhin, die Optik stimmt: er (Martin Niedermair), sie (Sona MacDonald).
Immerhin, die Optik stimmt: er (Martin Niedermair), sie (Sona MacDonald).(c) Moritz Schell
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Sona MacDonald gab sich redlich Mühe mit der Dietrich, was nur teilweise von Erfolg gekrönt war. Trotzdem: eine perfekt gemachte Show.

„Dem hau ich in die Seiten und tret ihm aufs Pedal“, singt die fesche Nachtclubsängerin Lola in Josef von Sternbergs Filmklassiker „Der blaue Engel“ (1929/30), der den Ruhm Marlene Dietrichs begründete. Nur: Was ist wohl mit dem Pedal gemeint? Da ist die Sache mit „Falling in Love Again“ schon einfacher: Stellen Sie sich eine romantisch verbrämte Form von Britney Spears' „Oops! I Did It Again“ vor.

„Engel der Dämmerung“, eine Hommage an Marlene Dietrich (1901–1992) von Torsten Fischer und Herbert Schäfer, ist seit Donnerstagabend in den Wiener Kammerspielen zu erleben, eine Uraufführung, die allerdings hauptsächlich aus Dietrichs eigenen Aussagen besteht – und aus Evergreens.
Die musikalische Qualität der Show wirkt perfekt, aber ist die Protagonistin, Sona MacDonald die ideale Verkörperung der vielschichtigen Diva? Cool, bisexuell, eine Verzehrerin von Männern, die auch Frauen küsste, weil das damals als verrucht galt.
Vor allem in den ersten 20 Minuten des durchaus kurzweiligen zweistündigen Abends mit einer Pause ist es schwer, sich mit diesem Kunstgeschöpf unter dem schwarzen Käppi anzufreunden. Das Dunkle, Gefährliche wirkt aufgepappt und zu dick aufgetragen. Zum Glück sind die Showmaster nicht der Versuchung erlegen, bei der späten, tragischen Dietrich (war sie das überhaupt?) hängen zu bleiben. Erzählt wird ganz konventionell die Geschichte ihrer Karriere von der Berliner Göre zum Weltstar.

Interessant, die Dietrich war keineswegs immer erfolgreich und eine Zeit lang gar als Kassengift verschrien. Zwischen dem Hit mit dem „Blauen Engel“ (Gymnasialprofessor verliebt sich in Varietésängerin – hechel) und den späten Klassikern wie „Zeugin der Anklage“ (nach Agatha Christie) und „Das Urteil von Nürnberg“ klaffen Lücken. Die Marlene-Maschine musste immer wieder angekurbelt werden. Und dass die Dietrich bis in späte Jahre auf Tournee ging, hatte auch mit Geldnöten zu tun.