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Ski alpin

Ski-Tristesse in der Heimat

Matthias Mayer schied im Super-G aus und verlor damit auch die Disziplinenführung an Sieger Aleksander Aamodt Kilde.
Matthias Mayer schied im Super-G aus und verlor damit auch die Disziplinenführung an Sieger Aleksander Aamodt Kilde.(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Saalbach brachte statt des erhofften Heimsiegs den nächsten Rückschlag: Es droht die erste Saison ohne Kristallkugel seit 25 Jahren.

Saalbach/Wien. Ausgerechnet die Heimrennen in Saalbach könnten das unrühmliche Ende der diesjährigen Seuchensaison für den ÖSV eingeleitet haben: Der Norweger Aleksander Aamodt Kilde gewann am Freitag den Super-G, bester Österreicher war Christian Walder als Vierter. Schneefall und Windböen hatten für eine mehrmalige Verschiebung gesorgt, bei suboptimalen Bedingungen auf verkürzter Piste fuhr der wieder genesene Matthias Mayer an einem Tor vorbei – und verlor damit die Führung in der Disziplinenwertung an Sieger Kilde.

Das Ende der 30-jährigen Dominanz im Nationencup scheint angesichts von 643 Punkten Rückstand auf die starke Schweizer Mannschaft bereits besiegelt, dieses Ranking hatte in der allgemeinen Wahrnehmung – vielleicht wegen der Siegesserie – bislang wenig Wert. Abgerechnet wurde in den vergangenen Jahren stets in Kristall – und nun droht erstmals seit 1994/95 eine Saison ohne eine einzige Kugel. Die Nullnummer wäre für den größten und erfolgreichsten Skiverband der Welt ein Armutszeugnis: keine konstant starken Disziplinenfahrer, zu wenig Dichte im Kader.

Die verbliebenen realistischen Hoffnungen für den ÖSV liegen jeweils im Super-G: Mayer und Vincent Kriechmayr haben bei drei noch ausstehenden Rennen 72 bzw. 74 Punkte Rückstand auf Kilde, sonst drohen die ÖSV-Herren erstmals seit 2011 ohne einen Disziplinensieg dazustehen. Bei den Damen muss Nicole Schmidhofer in den beiden abschließenden Bewerben 94 Zähler auf die Schweizerin Corinne Suter aufholen, wollen die ÖSV-Damen nicht zum dritten Mal in den jüngsten vier Jahren ohne Kristall bleiben.

 

Nächste Chance Hinterstoder

„Das zipft mich schon fest“, haderte Mayer mit seinem Ausfall. Mit Startnummer 15 hatte er wie Kriechmayr (13/Platz 10) und Max Franz (10/11) mit der weicher werdenden Piste zu kämpfen. „Aufgrund der Verschiebung ist es sehr warm geworden, und die Piste hat sehr nachgelassen“, sagte der Doppel-Olympiasieger, der noch auf die Kristallkugel hofft. „Es sind noch drei Rennen, man gibt auf keinen Fall auf, es ist für jeden noch alles drinnen.“ In Hinterstoder herrscht nochmals Heimvorteil, ehe es nach Kvitfjell geht, wo die Norweger gern ihre Stärke ausspielen. Es geht um die erste Super-G-Kugel für die ÖSV-Herren seit Hannes Reichelt 2007/08.

Kriechmayr stellte nicht die Rennaustragung infrage, sondern haderte mit der langen Zeitspanne zwischen Besichtigung und Start fast fünf Stunden später. „Die Piste hat sich gescheit verändert. Wir dachten, es ist dann noch einmal eine Rutschrunde, die hätte ich mir erhofft. Aber andere haben es auch geschafft, das darf keine Ausrede sein“, sagte der Oberösterreicher. Im Kampf um die Super-G-Kugel kündigte er an: „Wir werden schon zurückschlagen.“

Als Einziger aus dem hinteren Starterfeld fuhr Thomas Dreßen mit Nummer 19 noch auf Platz drei. Der Abfahrtssieger vom Vortag übte dennoch Kritik: „Verschneiden will man da nicht, sonst wird es gefährlich. Man muss sich überlegen, ob man immer so ein Rennen durchboxen muss.“ (swi)

HERREN-SUPER-G Saalbach

1. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 58,30 Sek.
2. Mauro Caviezel (SUI) +0,15 Sek.
3. Thomas Dreßen (GER) +0,31
4. Walder (AUT) +0,52, 5. Casse (ITA) +0,61, 6. Pinturault (FRA) +0,63, 7. Sander (GER) und Ganong (USA) je +0,64, 9. Jansrud (NOR) +0,65, 10. Kriechmayr (AUT) +0,96. Weiters: 11. Franz +0,97, 15.Danklmaier +1,10, 23. Kröll +1,64.

Super-G-Weltcup: 1.Kilde 336, 2. Caviezel 285, 3. Jansrud 265, 4. Mayer 264, 5. Kriechmayr 262.

Gesamtweltcup:1. Kilde 982, 2. Kristoffersen (NOR) 903, 3. Pinturault 882, 4. Mayer 716.

Damen-Weltcup in Kranjska Gora: RTL (heute 10/13 Uhr), Slalom (Sonntag, 10.15/13.45 Uhr, je live ORF1).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2020)