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Zahlen

Heuer schon fast 80.000 Grippetote: Was Corona verdeckt

Gewöhnliche Influenza-A-Viren fordern jährlich Hundertausende Todesopfer.CDC
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Weltweit erkranken jedes Jahr Millionen Menschen an Grippe schwer, Hunderttausende davon sterben, zuletzt 2018/19 in Österreich rund 1400. Dennoch riegelt man deswegen keine Städte ab, verschiebt Großveranstaltungen oder macht stundenlange TV-Sondersendungen.

Wichtige Vorbemerkung

Dieser Artikel stammt von Ende Februar und wurde aufgrund der verbreiteten damaligen Wissens- und Zahlenbasis geschrieben. Die Zahlen haben sich seither deutlich verändert und die Ereignisse sind stellenweise aus den Fugen geraten. Mit Stand 23. März (Mittag) schreiben wir demnach schon fast 110.000 Grippe-Tote weltweit, allerdings bei etwa 13.500 Covid-Todesopfern.

Eines der Hauptprobleme ist die längere Infektiosität Corona-infizierter Personen. Bei normaler Grippe beträgt sie wenige Tage, bei Covid-19 mehrere Tage bis zwei Wochen, wobei die meisten Erkrankten (etwa 80%) keine oder nur geringe Symptome zeigen, aber infektiös sind. Dazu gesellt sich eine biochemisch gesehen leichtere Reproduzierbarkeit von Corona in den Zellen im Vergleich zu Influenzaviren.

Letztlich ist Corona ansteckender: Wie man mittlerweile weiß, steckt ein Infizierter etwa drei weitere an. Bei Influenza ist das Verhältnis 1,5 bis 2. Der Unterschied klingt gering, hat aber massive mathematische Folgen: Auf Basis 1,5 entwickelt sich die Zahl der Neuinfizierten ohne Berücksichtigung anderer Umstände im Prinzip so: 1,5/2,25/3,38/5,06/7,6...

Bei Basis 2: 2/4/8/16/32...

Bei Basis 3: 3/9/27/81/243...

Letztlich führt Covid-19 zu einer im Vergleich zu Influenza doch vielfach größeren Welle, bei der die Sterblichkeit, so viel man weiß, ebenfalls erhöht ist, wenngleich in absoluten Zahlen auf der Prozentleiste doch noch in ähnlichem Rahmen (die publizierten Mortalitätszahlen schwanken aktuell von etwa 0,1 bis 1,5 Prozent auf alle Altersgruppen umgelegt, wobei die Dunkelziffer sehr wichtig und nicht ganz klar ist. Und tatsächlich ist die Mortalität in höherem Alter ab etwa 60 doch ganz klar höher als bei normaler Influenza).

Trifft diese Welle, wie im Iran oder in Italien, auf lokal ungünstige Umstände, über die zum Teil noch gerätselt wird, sowie auf überforderte Gesundheitseinrichtungen und zu späte Maßnahmen, kommt es doch zu einem sehr schlimmen Verlauf.

Die folgende Geschichte auf Wissensbasis Stand Ende Februar soll daher die Lage nicht unnötig beschönigen und kein Aufruf sein, von den Behörden verhängte Maßnahmen zu ignorieren und verächtlich zu machen. Vielmehr soll auf die gemeinhin unterschätzte gewöhnliche Grippe und ihre Opfer aufmerksam gemacht werden.

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