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Frauen im Aufsichtsrat: Die Quote wirkt

Frauen in deutschen Unternehmen
APA/dpa/Rolf Vennenbernd
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Der Frauenanteil in den Kontrollgremien großer Börsenfirmen hat sich in den vergangenen zwei Jahren signifikant erhöht. Es zeigt sich jedoch: Die Quote strahlt nicht, wie erhofft, auf das Management aus.

Österreich hat eine Frauenquote: Seit 2018 müssen börsennotierte Unternehmen und Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern 30 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen. In zehn europäischen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, gibt es nun solche Gesetze. Und die Quote zeigt Wirkung. Die Repräsentanz von Frauen in den Aufsichtsratsgremien habe sich erhöht, heißt es im aktuellen Frauen.Management.Report der Arbeiterkammer. Und zwar signifikant: Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der von der Quote betroffenen Börsenfirmen ist in den zwei Jahren seit der Einführung von 22,4 Prozent auf 31,7 Prozent gestiegen. Fast zwei Drittel der Konzerne erfüllen die Vorgaben bereits, sieben kommen sogar schon auf einen Frauenanteil von 40 Prozent.

Womit die Jubelmeldung aber schon beendet wäre. Denn aus der Studie lässt sich noch eine andere Tendenz heraus lesen: Die Quote strahlt nicht, wie erhofft, auf das Management aus. An der Praxis der Vorstandsbestellung habe sich nichts geändert, heißt es in dem Bericht. In den Vorständen der quotenpflichtigen Börsenfirmen beträgt der Frauenanteil nur 5,8 Prozent. Und in allen an der Wiener Börse notierten Betriebe sind lediglich 15 von 222 Vorstandsposten in weiblicher Hand. Ähnlich sieht es in den 200 umsatzstärksten österreichischen Firmen aus. Dort beträgt der Anteil an Geschäftsführerinnen vernachlässigbare acht Prozent und sinkt sogar.

Die Arbeiterkammer führt das darauf zurück, dass mit steigender Hierarchiestufe objektive Auswahlmethoden an Bedeutung verlieren. Stattdessen werde das „Ähnlichkeitsprinzip“ angewandt: Also Bewerber ausgesucht, die der aktuellen Führungsmannschaft möglichst gleichen sollen. Und weil das zum Großteil Männer seien, folgen eben auch viele Männer nach.

Experten kritisieren die vielen Ausnahmen

Vorbild für die Frauenquote im Aufsichtsrat war die öffentliche Hand: 2011 einigte man sich in Österreich auf eine „Selbstverpflichtung“ für Aufsichtsräte in staatsnahen Betrieben. Im türkis-grünen Regierungsprogramm heißt es, der Bund solle „mit gutem Beispiel für die Privatwirtschaft voran“ gehen. In den Aufsichtsräten von Unternehmen, an denen die öffentliche Hand zu mehr als 50 Prozent beteiligt ist, wird als Ziel eine Frauenquote von 40 Prozent ausgegeben.

2018 folgte die Quote für die Privatwirtschaft. Wenn auch mit vielen Ausnahmen, wie Experten kritisierten. Für Unternehmen, in denen weniger als ein Fünftel der Belegschaft Frauen sind, gilt sie nicht. Ebensowenig für Aufsichtsräte, in denen weniger als sechs Kapitalvertreter sitzen. Das führt dazu, dass Schätzungen zufolge lediglich 80 Unternehmen von der Quote erfasst sind. Die Arbeiterkammer fordert die Anhebung der Quote von 30 auf 40 Prozent. Außerdem soll sie auf alle großen und börsennotierten Unternehmen ausgeweitet werden. Sie will auch eine Quote für das Management. In Vorständen mit drei oder mehr Köpfen soll ein Drittel der Posten für Frauen reserviert werden.

Frauenquoten im Vorstand sind aber sehr umstritten – weitaus mehr als Quoten im Aufsichtsrat. Denn eine Quote im Management würde einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit bedeuten, lautet ein häufiges Argument dagegen. Firmeneigentümer müssen selbst entscheiden dürfen, wen sie mit der Unternehmensführung betrauen. Im Aufsichtsrat sei das weniger schlimm, weil es sich dabei um ein Kontrollorgan handelt.