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Nachruf

Ernst Dunshirn, Langzeit-Chorchef der Staatsoper, ist tot

Ein Kirchenmusiker, der auch Bayreuther Mannen-Chöre befehligte.

Am Dienstag, dem 17. März, ist nach langer Krankheit Ernst Dunshirn im Alter von 85 Jahren in Wien verstorben. Wiener Musikfreunde haben ihn nicht oft – in der Regel nur nach Opernpremieren beim Verbeugen – zu sehen bekommen. Aber seinen Namen lasen sie über viele Jahre hin regelmäßig auf den Abendplakaten, recht weit oben, gleich nach dem Dirigenten und dem Regieteam. Wann immer der Staatsopernchor in einer Produktion beschäftigt war, wurde Dunshirn als Chorleiter genannt.

Geboren im Februar 1935 in der Nähe von Wien, hatte er in Wien und Frankreich das Kapellmeisterhandwerk erlernt und Kirchenmusik studiert. Als Leiter des Wiener Kammerchors bereiste er mit seinem Ensemble ganz Europa.

Auf Dunshirns Qualitäten als Chorleiter vertraute man bei den Festspielen in Salzburg, Verona und Bregenz. Auch in Bayreuth war er engagiert. Des Öfteren wechselte Dunshirn als Dirigent von Chorkonzerten aufs Konzertpodium oder in den Orchestergraben von Opernhäusern. An der Wiener Staatsoper, wo er in der Ära Holender viele Jahre Erster Chordirektor war, dirigierte er von 1998 bis 2001 insgesamt 15 Vorstellungen von Richard Wagners „Rienzi“.

Dem Staatsopern-Ensemble war Dunshirn übrigens nicht nur als Chormeister verbunden. Aus dem Haus am Ring, das wegen der Coronakrise gerade geschlossen halten muss, kam am Mittwoch die folgende Trauerbotschaft: „Die Staatsopernfamilie drückt seiner Ehefrau, Donna Ellen, die seit vielen Jahren Ensemblemitglied des Hauses ist, sowie den beiden Töchtern, Katharina und Christina, ihre tiefste Anteilnahme aus.“ (sin)

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2020)