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Nachruf

Asterix, Obelix und die Adelung des Comic

Albert Uderzo im Jahr 2005.(c) REUTERS (Yves Herman)
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Albert Uderzo, der in den 1950er Jahren mit René Goscinny den Welthit „Asterix“ erfand, starb mit 92 Jahren. Der Clou der Reihe war und ist, dass sie Bildungsgut verbreitet und Heldentum mit Eigen-und Edelsinn natürlich sowieso.

„Ich wollte keinen Superhelden, sondern eine Persönlichkeit mit menschlichen Zügen“, erklärte Albert Uderzo 2010 im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. 1959 kam die erste Asterix-Geschichte im französischen Jugendmagazin Pilote heraus. Uderzo und sein bereits 1977 verstorbener Partner René Goscinny tranken Pastis, in 15 Minuten waren die Hauptfiguren fertig. So stellt man sich die Herstellung eines Welthits vor.

Bildgeschichten gibt es seit der Antike in Ägypten, in Rom, in Japan. Doch der „Comic“ in neuerer Zeit bot Konfliktstoff zwischen den Generationen: „Gib doch endlich die Schundheftln weg“, sagten die Alten zu ihren langhaarigen Söhnen. Der „Schund“ ist längst eine Kunstform.

Kinder lachten über Asterix und Obelix

An der Wiege dieser Entwicklung standen Uderzo und Goscinny. Sie erzählten vom Weltreich Rom und vom Widerstand eines kleinen Dorfes in der Bretagne gegen die „spinnenden“ Großmachtherren. Die Bretagne ist auch das „Land der Menhire und der Dolmen“ (Uderzo), drum wurde dem Obelix ein Hinkelstein aufgeladen. Den kann man natürlich nur schleppen, wenn man entsprechend stämmig ist. Die Kinder lachten über Obelix (der in den Zaubertrank gefallen war) und seine Wildschwein-Schlemmereien mehr als über den irgendwie immer verkniffen-ehrgeizigen kleinen Asterix: Doch ach, was hätte mancher kleine Mensch dafür gegeben, wenn er sich mit Zaubertrankkräften auf hundsgemeine Schulkollegen (und Kolleginnen) hätte stürzen können.

(c) imago images/Mary Evans (Rights Managed via www.imago-images.de)

„Wir haben viel recherchiert“, trotz Pastis, berichtete Uderzo. Wie das bewerkstelligt wurde in einer Wohnung in Paris, wo Asterix & Co das Licht der Welt erblickten, hat er nicht verraten. In den neuartigen Bildungs-Comics erfuhr man über Druiden und Stammeskultur, römische Organisation und das Militär (diese herrlichen Legionen, die auf Straßen aus Steinquadern mit sturem Blick dahin traben!). Sogar Bruchstücke von Latein wurden übermittelt, das als eine „tote Sprache“ galt und gilt. Wer weiß. Es stimmt ja gar nicht. Ohne Latein kein Wortschatz. Mancher nahm vielleicht gar nach der Lektüre von „Asterix“ das Vokabelheft zur Hand.

Immer ein Happy End

Asterix und Obelix waren Weltenbummler, Leser (und Zuschauer der Verfilmungen) sahen wie Amerika vor dem Einmarsch der Kolonialisten ausgesehen hatte, es war ein unberührtes Paradies, sie erfuhren wie Pyramiden gebaut wurden, lernten Kleopatra kennen - und die immer schon etwas exzentrischen Briten. „Dieser hauchzarte Duft von Thymian und Mandeln, Feigen und Kastanien“, das Zitat aus „Asterix in Korsika“ stammt vom Korsen Napoleon. Und schon war die Dreikaiserschlacht von Austerlitz dem Schüler kein spanisches Dorf mehr.

Gewährleistet war stets das Happy End, wenn die Helden nach mancher Keilerei in ihren Heimatort zurückkehrten. Auch wenn der Barde gefesselt und auf den Baum verfrachtet wurde und der Fischhändler nicht immer frische Ware lieferte, so wurde gesungen und fröhlich getafelt. Asterix und Obelix, der Schlaukopf und der Bruder Simpel mit den Bärenkräften, eine uralte Heroen-Konstellation, irgendwie gehören sogar noch der Gscheite und der Blöde von Farkas & Waldbrunn zu diesem Genre, hier wurden die schlichten Fragen gestellt und das Bodenständige auf eine nicht provinzielle oder gar rabiate Weise gefeiert.

Mission der Weltverbesserung

Denn wie es in einem berühmten Spruch heißt: „Die große Weltpolitik ist genauso wie der kleine Maxi sie sich vorstellt.“ Bei „Asterix und Obelix“ ist das auf jeden Fall, trotzdem sind diese Figuren nicht unpolitisch und kommerziell wie die in etwa zur gleichen Zeit populär gewordenen Disney-Geschöpfe, Micky, Donald, Goofy und der Geldsack Dagobert, der alles kaufen kann und immer recht hat (eine näher betrachtet ziemlich US-amerikanische Figur).

Inzwischen hat sich Disney längst seiner Marktmacht als Ideologie-Verbreiter besonnen und schafft global wirkungsvolle Prototypen mit nationaler Verwurzelung in Mexiko, Hawaii oder China. Seine Schwarzweißmalerei hat der Comic längst abgestreift und sich über die Trivialliteratur erhoben, auch dank des Internets, der Computer, die wie in der Musikproduktion Herstellung und Verbreitung erleichtern. Geblieben ist die Mission der Weltverbesserung und hier haben Asterix & Co auf breiter Basis viel geleistet.

Albert UDERZO, Frankreich, Comic-Zeichner, Erfinder der Comicfigur Asterix, sitzt an seinem Schreibtisch Zeichentisch u
Albert Uderzo, an seinem Zeichentisch, 1986.(c) imago images/Sven Simon (imago stock&people via www.imago-images.de)

Uderzo liebte Ferraris

Wer sind überhaupt die Schöpfer, die diesen Geniestreich ausführten? Goscinny wurde in Paris geboren, wuchs in Buenos Aires auf, er zeichnete für Disney und textete die Cowboy-Comics über „Lucky Luke“. Uderzo stammte aus Fisme im französischen Departement Marne. Sein zeichnerisches Talent machte sich bereits im Kindergartenalter bemerkbar. Disney inspirierte ihn, aber er war überwiegend Autodidakt. Der Belgier Hergé, Schöpfer von „Tim und Struppi“, kannte Uderzos frühe Figuren, den Reporter Luc Junior und seinen Hund. Uderzo liebte schnelle Autos, speziell Ferraris.

Er und sein Partner Goscinny unterscheiden sich von vielen anderen Comic-Erfindern dadurch, dass auch ihre Namen allgemein präsent sind, nicht nur ihre Geschichten. Mit dem Graffiti verbindet die Comics, dass die Zeichner oft kaum bekannt sind. Nach dem Tod Goscinnys setzte Uderzo die Asterix-Reihe alleine fort, was von Fans nicht immer positiv aufgenommen wurde. Uderzo, Sohn italienischer Einwanderer,  war seit 1953 mit Ada Milani verheiratet, mit ihr hat er eine Tochter. Mit 92 Jahren ist er in einem Vorort von Paris gestorben.