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Leitartikel

Die Politik hat aus der Weltwirtschafts­krise gelernt

Eine schnelle Erholung hängt am Konsum.
Eine schnelle Erholung hängt am Konsum.REUTERS
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Die unfassbare Größe der staatlichen Hilfspakete zeigt, dass uns eine richtig fette Rezession droht. Eine Depression wird daraus aber wohl nicht.

In den USA haben sie das (in absoluten Zahlen) größte Konjunkturhilfspaket der Geschichte auf den Weg gebracht: 2000 Milliarden Dollar an Krediten, Garantien, Zuschüssen und Direkthilfen an die Bevölkerung (Helikoptergeld) sollen dafür sorgen, dass aus der gerade startenden Corona-Rezession nicht eine lang anhaltende Corona-Depression im Stil der Dreißigerjahre wird.

Um das Ganze einzuordnen: Zwei Billionen sind in etwa zehn Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung. In Relation zum BIP wollen die Amerikaner also ungefähr so viel zur Rettung der Wirtschaft ausgeben wie Österreich. Aber deutlich weniger als etwa Spanier oder Briten. Vom gestern in Deutschland beschlossenen Paket (das freilich überwiegend aus Garantien besteht, die nicht unbedingt zu hundert Prozent schlagend werden müssen) ganz zu schweigen: Das umfasst etwas mehr als 20 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Was sagt uns das, wenn Regierungen so tief in die Tasche greifen und selbst die „schwäbische Hausfrau“ alle Finanzdämme brechen lässt? Richtig: Die Politik rechnet mit einem wirklich fetten Weltwirtschaftsabsturz und baut vor. Wer jetzt noch von einer sehr schnell wieder endenden Rezession im Stil der Finanzkrise von 2009 träumt, wird böse erwachen.

Das Interessante an der derzeitigen Situation ist, dass man für eine Grobabschätzung der volkswirtschaftlichen Folgen nicht unbedingt komplizierte ökonometrische Modelle heranziehen muss. Es reichen zehn Finger und die Grundrechnungsarten: Während des „Shutdown“ ist der volkswirtschaftliche Beitrag wichtiger Branchen (Tourismus, Gastgewerbe, Handel außer Lebensmittel) praktisch null, der weiterer wichtiger Branchen (Personenbeförderung, Bau) sehr weit gesenkt.

Wenn wir freundlicherweise annehmen, dass dadurch annähernd die Hälfte des BIPs wegfällt, dann heißt das bei einem Monat Stillstand rund vier Prozent BIP-Schrumpfung im Gesamtjahr, bei zwei Monaten acht und bei drei Monaten zwölf. Freundlicherweise deshalb, weil es auch Experten gibt, die das für zu optimistisch halten: Das Münchener Ifo-Institut, nicht gerade für Panikmache und Verschwörungstheorien bekannt, kommt in diesem Szenario für Deutschland auf Werte zwischen sieben und 21 (!) Prozent BIP-Schrumpfung. Das fühlt sich eher nach den Dreißigern an als nach der Finanzkrise von 2009.

Dass viele Konjunkturforscher, etwa die deutschen Wirtschaftsweisen, optimistischer sind, liegt daran, dass sie erstens von deutlich weniger als drei Monaten „Shutdown“ ausgehen und zweitens von einem V-förmigen Verlauf der Krise. Also einer schnellen Erholung. Das ist aber eine recht kühne These: Eine schnelle Erholung hängt nämlich am Konsum. Und es ist eher unwahrscheinlich, dass die von Arbeitslosigkeit und Zukunftsängsten geplagten Menschen nach Ende der Ausgangsbeschränkungen als Erstes in großer Zahl Reisebüros und Autosalons stürmen.