Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Serie

„Tales from the Loop“: Wenn Roboter einsam sind

Die Serie basiert auf den retrofuturistischen Bildern von Simon Stålenhag.
Die Serie basiert auf den retrofuturistischen Bildern von Simon Stålenhag.Amazon
  • Drucken

Die neue Mystery-Serie „Tales from the Loop“ findet berückende und bedrückende Bilder, lässt sich Zeit, zu erzählen – aber sie weiß mit der Zeit nicht immer etwas anzufangen. Die letzte, beste Folge hat Jodie Foster inszeniert.

Da will eine Serie wirklich ganz hoch hinaus. Nimmt sich das Werk eines retrofuturistischen Künstlers (Simon Stålenhag) zum ästhetischen Vorbild und besticht mit befremdlichen Landschaften, in denen Roboter durch die Wälder streifen oder brutale Betonblöcke aus der Wüstenei ragen. Bittet Minimal-Music-Star Philip Glass um den Soundtrack. Engagiert Jodie Foster als Regisseurin der letzten Folge. Bedient Mystery-Fans, indem Schnee nach oben fällt und Häuser sich in Nichts auflösen. Siedelt die Geschichte, dem Trend der Zeit folgend, in den Achtzigerjahren an. Und handelt dann, Folge für Folge, die großen Menschheitsthemen ab: Freundschaft, die Vergänglichkeit der Liebe, Mutterschaft.

Die vierte Folge handelt vom Tod. Ein alter Mann, Gründer des rätselhaften Forschungszentrums „The Loop“, zeigt seinem Enkel eine geheimnisvolle, mehr als mannshohe metallene Kugel, die mitten in der Steppe liegt, als hätte eine fremde Macht sie hier zurückgelassen. Man kann in sie hineinrufen und es ertönt ein Echo; es ertönt umso öfter, je länger man noch zu leben hat. „Hallo, Hallo, Hallo, Hallo, Hallo“, antwortet das Echo dem Enkel. Als der Großvater das Orakel befragt, bleibt es stumm.

So erfährt das Kind, dass sein heiß geliebter Opa bald sterben wird.

Rätsel über Rätsel

Die Serie nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Und die Regisseure achten auf die Details, arbeiten Szenen liebevoll aus: Da klingelt etwa das Telefon, der Vater geht an den Apparat, es ist der Anruf vom Krankenhaus, der irgendwann kommen musste. Er wirkt unschlüssig, die Mutter steht auf, sie will ihn trösten, doch er sagt nur: „Danke! Das ist nicht nötig“. Und so wie er das sagt, mit dieser ganz leisen Schärfe, wird allen klar: Nein, er hat diesen Mann, der jetzt tot ist, nicht geliebt.

Es gibt einige solcher Highlights, doch nicht immer kann die Serie mit der Zeit, die sie sich nimmt, etwas anfangen. Das liegt vor allem am Buch von Nathaniel Halpern, der Geschichten erzählt, die man zu oft gehört hat: Die von der beliebten Highschool-Schülerin, die sich dann doch in den klumpfüßigen Außenseiter verliebt, den alle verlachen, weil er nämlich so viel Fantasie hat. Von den beiden halbstarken Buben, die zusammenhalten wie Pech und Schwefel, gerade weil sie so verschieden sind, schüchtern und künstlerisch und mit Lockenkopf der eine, mutig, praktisch und mit Kurzhaarfrisur der andere. Es wird – natürlich – ein Mädchen sein, das die beiden entzweit. Genauso natürlich, wie der Enkel auf die Nachricht des baldigen Todes seines Großvaters zunächst mit Trotz reagiert und davonläuft – und dann von ihm in ein tiefes Gespräch über das Jenseits verstrickt wird. Das dann auch in Plattitüden mündet.

Wie in Zeitlupe

In „Tales from the Loop“ ist enorm viel an Kreativität geflossen. Man hat sich bemüht, einen eigenen Stil zu kreieren, eine Stimmung durchzuhalten. Hier ist alles leise und bedrückt, die Farben sind gedämpft, die Figuren bewegen sich wie in Zeitlupe. Es sei die Serie zur Zeit, meinen manche, sie spiegle unser Gefühl der Einsamkeit, der Entschleunigung, der Unsicherheit wider. Und stehen wir nicht wirklich alle, wie die Bewohner dieses Dorfes im amerikanischen Irgendwo, vor Rätseln, die sich nicht lösen lassen, müssen wir nicht alle lernen, zu akzeptieren, dass wir auf manches keine Antwort haben, jedenfalls nicht jetzt und sofort?

Die Rätselhaftigkeit ist eine Stärke dieser Serie. Die Figuren sind es nicht. Und so kann es sein, dass uns der Tod des Großvaters weniger berührt als das Sterben eines Roboters, der aussieht, als hätte ein Kind ihn aus Ersatzteilen alter Autos und Rasenmäher zusammengeschweißt. Wobei, diese Folge hat auch Jodie Foster inszeniert, ihr Engagement hat sich rentiert: Es ist die mit Abstand beste.

„Tales from the Loop“, auf Amazon Prime, acht Folgen, jede ist rund 50 Minuten lang. Mit Rebecca Hall, Jonathan Pryce und Abby Ryder Fortson.