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Markos Masterplan: Formel-1-Saisonstart in Spielberg

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Notfall-Kalender der FIA könnte Österreich als WM-Startschuss vorsehen, RB-berater Helut Marko sagt, Spielberg wäre binnen dreier Wochen bereit. Die Königsklasse wäre dann jedoch als "geschlossene Gesellschaft" unterwegs.

Wien. Die Formel-1-WM könnte der letzten Voraussicht zum Trotz im Juli in Europa beginnen - und zwar ohne Zuschauer. Dieses Notfall-Szenario, das den Grand Prix von Österreich am 5. Juli zum Saisonstart machen würde, haben die Spitzen der Rennserie laut Formel-1-Sportchef Ross Brawn im Kopf. Ein weiterer Lösungsansatz, um noch möglichst viele Rennen zu schaffen: gleich zwei auf dem gleichen Kurs.

Nach der Verschiebung des Großen Preises von Kanada ist aktuell Frankreich in Le Castellet (28. Juni) der Auftakt, doch auch dieser wackelt bedenklich. Laut dem Fachportal "auto motor und sport" steht daher ein Beginn in Spielberg zur Diskussion - mit zwei Rennen. Denkbar wären zwei an einem Wochenende oder an zwei Wochenenden hintereinander, da zwischen Spielberg und Silverstone am 19. Juli ein "freies" Wochenende ist.

Derzeit sind in Österreich Veranstaltungen bis Ende Juni untersagt, möglicherweise früher stattfindende Fußball-Geisterspiele sind vom Sportministerium aber nicht ausgeschlossen worden. Vorausgesetzt die Covid-19-Situation spitzt sich bis dahin nicht zu, scheint für Juli auch die Durchführbarkeit von Geisterrennen auf dem weitläufigen Kurs nahe Zeltweg möglich.

Streckenbetreiber Projekt Spielberg gab sich wortkarg. "Bitte um Verständnis, dass bei der Vielzahl an Aspekten, die in der aktuellen Lage zu berücksichtigen sind, täglich neue Spekulationen seitens des Projekt Spielberg medial nicht kommentiert werden können", hieß es auf APA-Anfrage. Die Austragung hänge von der weiteren Entwicklung und den rechtlichen Grundlagen seitens des Gesetzgebers ab. "Auf Basis der vorhandenen behördlich-rechtlichen Verordnungen dürfen wir weiter von einer plangemäßen Veranstaltung ausgehen."

Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko merkte zuletzt an, dass sich "täglich alles ändert", betonte aber: "Der Red-Bull-Ring hat den Vorteil, dass wir aufgrund der super Infrastruktur keine große Vorbereitung brauchen. Drei bis vier Wochen würden uns schon genügen." Heißt: Die Entscheidung eilt aus Veranstaltersicht noch nicht. Zudem würden die sonstigen Rahmenveranstaltungen wohl nicht stattfinden.

Tritt die Formel 1 erst wieder aufs Gas, müsse aber auch weitergefahren werden. "Es ist nichts, wenn wir beginnen und dann wieder für eine Weile stoppen müssen", sagte Brawn dem britischen Sender Sky Sports. Ein Grand Prix ohne Zuschauer sei nicht toll, "aber es ist besser, als gar nicht zu fahren". Für Millionen Fans sei es in diesen schweren Zeiten auch Abwechslung und Unterhaltung. Panem et circenses - Brot und Spiele für die Menschen vor den TV-Bildschirmen. Und wie einst Gladiatoren im antiken Rom könnten auch die Benzin-Helden dieser Tage vom Rest der Gesellschaft isoliert werden.

"Wir könnten eine sehr geschlossene Gesellschaft haben, die Teams kämen mit Charterflügen, wir könnten sie zur Strecke bringen und sicherstellen, dass jeder getestet wird und kein Risiko für irgendjemanden besteht", erläuterte Brawn. Zu den größten Herausforderungen wird das Reisen gehören. Das Equipment könnte per Flugtransport bewegt werden, dem Personal droht danach mancherorts Selbst-Isolation. Eventuell müssten Reisebeschränkungen aufgehoben werden. "Wir werden niemanden in Gefahr bringen, nur um die Meisterschaft fortzusetzen", versprach FIA-Präsident Jean Todt gegenüber "L'Equipe". "Wir werden nur unter der Garantie weitermachen, dass das Risiko der Kontaminierung bei null liegt."

Laut aktuellem Stand müsste die Königsklasse spätestens im Oktober wieder fahren, sonst dürfte auch die Mindestanzahl von acht Rennen für eine Weltmeisterschafts-Wertung in diesem Jahr nicht mehr erfüllbar sein. Eine mögliche Verlängerung der Saison bis ins kommende Jahr hinein wird Brawn zufolge aber geprüft - so sei eine Saison zwischen 8 und 19 Rennen noch immer möglich.

Möglichst viele Rennen sind für die Finanzen der Branche wichtig: Laut Vertrag mit den TV-Anstalten müssen mindestens 15 Grands Prix gefahren werden, um die vollen TV-Einnahmen zu bekommen. Aktuell stehen nur noch 13 im Kalender. Die Rennställe verlieren anteilig Sponsoren-Einnahmen. "Wenn wir einen Grand Prix nicht fahren, kostet das gleich mal eineinhalb bis zwei Millionen", erklärte etwa Franz Tost, der Teamchef des kleineren Red-Bull-Zweitteams AlphaTauri gegenüber "Motorsport-Total.com".

Günstig für Ferrari: Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Kalender- und Verlust-Debatte überlagert jene um die Schummelvorwürfe in Bezug auf den Antrieb beim Vorjahresauto der Scuderia. "Wenn Sie mich fragen, wäre ich liebend gerne in der Lage, Ihnen alle Details der Situation zu geben", sagte FIA-Chef Todt. Ferrari stelle sich dem entgegen. Der Rennstall sei sanktioniert worden, "wir können aber nicht das Detail der Ahndung preisgeben".