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Prävalenzstudie

"Eisberg größer als gedacht": 0,33 Prozent der Österreicher infiziert

Günther Ogris (Sora), Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Christoph Hofinger (Sora)
Günther Ogris (Sora), Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Christoph Hofinger (Sora)APA/HERBERT-PFARRHOFER
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Anfang April waren in Österreich zwischen 10.200 und 67.400 Personen mit Sars-CoV-2 infiziert - zusätzlich zu den Erkrankten in Spitälern. Das ergab eine aktuelle Zufallsstichprobe. Weitere sollen folgen.

Wie viele Personen haben sich in Österreich mit dem Coronavirus infiziert? Dieser Frage ist das Sozialforschungsinstitut Sora gemeinsam mit dem Roten Kreuz und der Medizinischen Universität Wien im Rahmen einer Prävalenzstudie nachgegangen. Zwischen dem 1. und dem 6. April wurde dafür 1544 Personen getestet. Das Ergebnis: In der Republik gab es zu Monatsanfang zusätzlich zu den Erkrankten in Spitälern „am wahrscheinlichsten“ 28.500 mit Sars-Cov-2-Infizierte (0,33 Prozent der Bevölkerung), wie Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Freitag gemeinsam mit den Sora-Geschäftsführern Günther Ogris und Christoph Hofinger bekanntgab.

„Uns war klar, dass die Datenbasis verbessert werden muss, damit wir wissen, wo wir uns epidemiologisch befinden“, begründete Faßmann die repräsentative Zufallsstrichprobe. Diese mache Österreich zum „ersten Land Kontinentaleuropas, welches eine Prävalenzstudie zur Verbreitung von Covid-19 vorlegen kann“. Man sei „Vorbild und Pionier“.

„Der Eisberg ist doch größer als gedacht“ 

Um das zu erreichen sollten 2000 Personen getestet werden, allerdings lehnten 23 Prozent der zufällig Ausgewählten eine Testung ab. Letztlich seien 1544 Personen getestet worden, 0,33 Prozent waren Corona-positiv. Das bedeutet auf die Gesamtbevölkerung umgelegt, dass rund 30.000 Menschen infiziert waren. Wird die Schwankungsbreite berücksichtigt, waren in der Periode 1. bis 6. April mit einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit zwischen 0,12 und 0,76 der Österreicher infiziert, bzw. in absoluten Zahlen zwischen 10.200 und 67.400.

Zum Vergleich: Den offiziellen Zahlen zufolge gab es zwischen 1. und 6. April zwischen 10.500 und 12.200 Infizierte.

Anders ausgedrückt: „Der wahre Wert der Infizierten liegt über dem Wert der offiziell Ausgewiesenen", erläuterte Faßmann. „Wir dürfen uns also nicht selbst täuschen, der Eisberg ist doch größer als gedacht. Und: „Wir sind noch nicht auf der anderen Seite“, appellierte er an die Bevölkerung, sich weiterhin an die von der Bundesregierung ausgegebenen Maßnahmen – Masken tragen, Abstand halten, desinfizieren und soziale Kontakte meiden – zu halten. Andernfalls könne die Lage kippen und „dann sind wir sehr schnell bei sehr großen Zahlen“.

Weitere Tests in Planung

Orgis ergänzte: „Wir haben nicht festgestellt, wie viele Menschen immun sind, sondern nur, wie viele Menschen in Österreich derzeit akut infiziert sind.“ Die jüngste Person unter den getesteten sei null Jahre, die älteste 94 Jahre alt gewesen. 250 Gemeinden und Wiener Bezirke seien dafür herangezogen worden. Dann habe man sich des öffentlichen Telefonregisters bedient und zufällig ausgewählt. Die Bereitschaft zum Test sei sehr hoch gewesen, meinte Ogris. Derzeit laufe noch eine telefonische Befragung unter den Getesteten. Sie werden nach ihren Symptomen befragt – die Resultate sollen demnächst präsentiert werden.

„Die Coronakrise ist natürlich ein Ringen um Gesundheit, ein Ringen um Leben und Tod, um verlässliche Zahlen. Dieser Kampf um Gesundheit war immer auch weltweit ein Kampf, Bandbreiten einzuschränken, Parameter zu finden“, ergänzte Hofinger. Man sei froh, hier mit der Studie „einen Mosaikstein“ beitragen zu können, entschuldigte er sich zugleich dafür, dass die Ergebnisse nicht so schnell vorgelegen hätten, wie man es beispielsweise von einem Wahlabend gewohnt sei.

Was aber bedeuten die Resultate nun? „Dass die Maßnahmen die gesetzt worden sind, die richtigen sind", betonte Faßmann. Und dass man die Maßnahmen in den nächsten Wochen und Monaten weiter einhalten müsse, um sicherzustellen, dass es nicht zu etwas „wie einem Re-Import von Coronafällen“ kommt. Denn: „Das ist die Crux des exponentiellen Wachstums", springe dieses wieder an, "sind wir sehr schnell bei großen Zahlen", warnte er.

Die Studie wird übrigens nicht die letzte gewesen sein: Weitere Erhebungen des Infektionsstatus sollen folgen. Diesmal aber nicht durch Sora durchgeführt, sondern von der Statistik Austria, die auf das Melderegister zugreifen könne, um eine Stichrobe durchzuführen. Ende April sollen die nächsten Ergebnisse vorliegen.