Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Virtuelles Treffen

Online-Dating ohne das eigentliche Date

Das Coronavirus hat den Partnermarkt „aufgemischt und verändert“ (Symbolbild).
Das Coronavirus hat den Partnermarkt „aufgemischt und verändert“ (Symbolbild).(c) APA/AFP/ANTHONY WALLACE
  • Drucken

Wenn Ausgangsbeschränkungen und Mindestabstand konventionelle Treffen unmöglich machen, schlägt die Stunde des virtuellen Kennenlernens.

Online-Partnerbörsen wie Parship, Tinder, Elitepartner, Once oder Lovoo versprechen täglich Millionen von Menschen, ihnen bei ihrer Suche nach Intimität und Zuneigung helfen zu können. Wie dieser „Erfolg“ im Detail aussieht, ist selbstredend unterschiedlich. Ob feste Beziehung, lockere Sexualkontakte oder Freundschaft: Angebot und Nachfrage gibt es genug – und das nicht erst, seit das Coronavirus dem konventionellen Rendezvous von Angesicht zu Angesicht eine Absage erteilte.

Lang vor Corona, schon seit der Jahrtausendwende, hat sich das Internet zu einem (inzwischen) gesellschaftlich akzeptierten Instrument zur Partnerwahl entwickelt. Mehr als 700.000 Österreicher haben einer Parship-Umfrage zufolge ihren aktuellen Partner online „getroffen“. Doch wer aktuell auf der Suche ist, trifft auf Hindernisse, da Mindestabstand und Ausgangsbeschränkungen auch die digitale Partnervermittlung erheblich limitieren.

Tinder ist unter den Dating-Apps mit weltweit rund sechs Millionen Nutzern gerade bei Jüngeren beliebt, nicht zuletzt, weil die App, im Gegensatz zu Parship oder Elitepartner, kostenlos ist. Wobei Parship durch die Krise einen Nutzerzuwachs verzeichnet (siehe Artikel links).
Der 30-jährige Willi nutzt Tinder seit knapp zwei Jahren, wo er auch schon vor Coronazeiten aktiv war, wie er der „Presse am Sonntag“ erzählt. Ausprobiert habe der Linzer auch Ok Cupid und Lovoo, doch nur Tinder verwende er regelmäßig. Grundsätzlich sei er auf der Suche nach etwas Ernsthaftem. Dass es auf Tinder nur um Sex gehe, sei „absolut nicht meine Erfahrung, aber es kann sein, dass es da anderen anders geht“. Die Viruskrise habe sein Nutzungsverhalten bereits verändert, da er normalerweise schnelle Treffen bevorzuge. Das sei nun „völlig weggefallen“.

Konsolidierung der Paarbeziehung. Dass das Coronavirus den Partnermarkt „aufmischt und verändert“, dient Barbara Rothmüller aktuell als Forschungsgrundlage. Die Soziologin und Sexualpädagogin beschäftigt sich an der Wiener Sigmund Freud Universität mit Sexualität und Geschlecht und leitet nun eine Studie zum Thema „Liebe, Intimität und Sexualität in Zeiten von Corona“.

Für jene Dating-Gruppe, die auf der Suche nach einer ernsthaften Beziehung sei, bringe die Pandemie gewisse Vorteile, da für diese „die Betonung der Verbindlichkeit passend“ sei, sagt Rothmüller. Für jene, die nach Sex und Aufregung suchen, sei es derzeit jedoch „schwierig“.
Vertreterin der ersten Gruppe, also auf der Suche nach einer Paarbeziehung, ist die 28-jährige Ina, für die die App-Anbahnung die „zweite Wahl“ sei, da sie einen „altmodischen Begriff von Romantik“ vertrete. „Meine Wunschvorstellung, wie es sein sollte, ist einfach eine andere“, sagt die Lehrerin. „Je länger ich Tinder verwende, desto sicherer bin ich mir, dass man dort in den seltensten Fällen die wahre Liebe findet.“ Obwohl sie selbst ein „Beziehungsmensch“ sei, bedeute Tinder für sie „Ablenkung“ und „Spaß“, sie benutze es weniger als ernsthafte Partnersuche, denn als Beschäftigung aus „Langeweile“. Auch deshalb, weil sie allein wohne und keine andere Möglichkeit habe, jemanden kennenzulernen.

In einer Zeit, in der nur noch der Haushalt als „legitime Beziehungsgruppe“ gelte, erscheine „alles andere als überflüssig“, sagt Rothmüller. Dass sexuelle und romantische Kontakte derzeit durch Ausgangsbeschränkungen „moralisiert werden“, ist für die Soziologin deshalb ein Problem. Körperkontakt und Berührung seien wichtig für den Stressabbau und ein „wesentlicher Teil des Menschseins“. Letztlich bringe die Reduktion des Ansteckungsrisikos andere, „unintendierte Sekundärfolgen“, wie Depressionen oder chronischen Stress. „Das macht auch krank“, sagt Rothmüller.