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Benefizveranstaltungen

Auktionen im Kampf gegen Corona

Das Festival Burning Man findet jährlich in Nevadas Black- Rock-Wüste statt. Im Zentrum steht „The Man“, hier von 2019. Ein Talk mit dem Direktor wurde jetzt versteigert.
Das Festival Burning Man findet jährlich in Nevadas Black- Rock-Wüste statt. Im Zentrum steht „The Man“, hier von 2019. Ein Talk mit dem Direktor wurde jetzt versteigert.(c) Philipe Meiclar
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Auktionshäuser sind prädestiniert dazu, Geld für den guten Zweck aufzustellen. Sie haben die Infrastruktur, die wohlhabende Klientel und sind gut vernetzt. Vier Beispiele der internationalen Marktführer.

„Die Regel lautet, es gibt keine Regeln“, sagt der berühmte französische Interior Designer Jacques Grange, wenn er nach seinem Geheimnis gefragt wird, wie er für Räume die perfekte Ästhetik kreiert. „Es ist alles Instinkt.“ Zu den Kunden der 73-jährigen Legende zählen Berühmtheiten wie Yves Saint Laurent, dessen komplette Villa in Marokko sie ausstattete, Caroline von Monaco, Filmemacherin Sofia Coppola, die Olsen-Schwestern oder die französische Beauty-Ikone und Kunstsammlerin Terry de Gunzburg. Jetzt stellt Grange sein Know-how im Rahmen der „For MayDay: Covid-19 Charity Auction“, die das Auktionshaus Sotheby's gemeinsam mit Google diese Woche veranstaltet hat, dem Meistbieter zur Verfügung.

Singen mit Sting. Grange ist nur eine von vielen Persönlichkeiten, die diese Wohltätigkeitsauktion unterstützen. Zu den weiteren Höhepunkten zählt ein virtueller Kaffee mit Hillary Clinton, Singen mit Sting, Schauspielunterricht von Schauspieler Sir Patrick Stewart, berühmt für seine Rolle als Jean-Luc Picard in „Star Trek“ und Professor X in „X-Men“, ein Privatgespräch mit einem echten Raumfahrer, dem Apollo-9-Astronauten Russell Schweickart, eine virtuelle Führung durch Highclere Castle, Drehort von „Downton Abbey“, oder eine Diskussion mit Burning Man Project-CEO Marian Goodell und Künstler Leo Villareal über die Rolle von Kunst im öffentlichen Raum. Die außergewöhnlichen Erlebnisse können die erfolgreichen Bieter über Videoanruf einlösen. Die Auktion erlöste 450.000 Dollar, die komplett an die Flüchtlingsorganisation International Rescue Committee (IRC) gehen. Mit der Spendenaktion soll jenen geholfen werden, die am stärksten von Covid-19 betroffen sind. „Sotheby's hat eine lange Tradition in der Unterstützung von Wohltätigkeitsorganisationen in Zeiten der Not. Wir sind stolz darauf, unsere jahrhundertelange Erfahrung und die Kraft unserer Online-Auktionen gegen die Auswirkungen von Covid-19 einzubringen“, sagt Charles F. Stewart, CEO von Sotheby's.

Diese Corona-Wohltätigkeitsauktion ist nur eine von vielen Initiativen. Die Auktionshäuser sind prädestiniert dazu, weil sie über die Infrastruktur und die betuchte Klientel verfügen. Und so gibt es auch bei allen großen Playern solche Charity-Auktionen.

Konkurrent Christie's etwa hat sich mit amfAR, The Foundation for Aids Research, zusammengetan, um Geld für die Coronaforschung aufzutreiben. amfAR ist ein auf Virusinfektionen spezialisiertes Institut und widmet sich jetzt auch der Entwicklung neuer Medikamente und Therapien zur Behandlung von Coronavirus-Erkrankungen. Die alljährliche große amfAR-Spendengala in Cannes, die im Vorjahr 15 Millionen Dollar einspielte, konnte heuer nicht stattfinden. Deshalb hat sich Christie's entschieden, mittels Charity-Auktion die Finanzierung der Coronaforschung zu unterstützen. „From the Studio“ heißt die Auktion, die zeitgenössische Kunst versteigert, die von Sammlern und Künstlern gespendet wird. Darunter werden sich Arbeiten finden, die noch niemals in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Unterstützung in der Akquisition kommt von Michael Nevin, Direktor der New Yorker The Journal Gallery.

Viele zeitgenössische Künstler haben amfAR schon in der Vergangenheit unterstützt, darunter auch berühmte Persönlichkeiten wie Andy Warhol oder Robert Rauschenberg. In der jüngeren Vergangenheit hat beispielsweise Damien Hirst seine Arbeit eines Mammutskeletts „Gone but not Forgotten“ für eine Auktion zur Verfügung gestellt, die 15 Millionen Dollar einbrachte, sie gingen komplett an amfAR. Jeff Koons wiederum spendete sein monumentales „Coloring Book“ für eine Auktion, die 13,5 Millionen Dollar erlöste. Christie's wird laufend über jedes gespendete Kunstwerk separat berichten, samt Videos und Online-Chats. Die Auktion selbst findet im Juni im Rahmen der International 20th Century Week in New York statt.

Moderner Robin Hood. Das Auktionshaus Phillips wiederum kooperiert mit der Robin Hood Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Folgen von Armut in New York City zu lindern. Gerade durch Covid-19 werden die Armen besonders hart getroffen. Das Magazin „Fortune“ hat die Stiftung als „eine der innovativsten, einflussreichsten und menschenfreundlichsten Organisationen unserer Zeit“ bezeichnet. Die „Auction4NYC“ ist eine Online-Auktion, die bis 11. Mai läuft. Die Lose sind Spenden großer Galerien, Sammler und auch Künstler. Zu den Höhepunkten gehört etwa Albert Oehlens Arbeit „Chemical Schmutzli“ aus dem Jahr 2004, das auf 800.000 bis 1,2 Millionen Dollar geschätzt ist, oder Mimi Lauters Werk „Untitled (Devotional Flower Landscape)“ von 2018, das auf 25.000 bis 35.000 Dollar taxiert ist.

Schließlich sei noch das britische Auktionshaus Bonhams erwähnt, das schon im April eine Online-Benefizauktion veranstaltet hat. 405.300 Pfund spielte die Auktion ein. Der Erlös geht an den National Health Service, denn es seien die Ärzte und Pfleger, die in der Covid-19-Pandemie über sich hinauswachsen müssten und für die gesamte Gesellschaft kämpften, wie das Auktionshaus sagt. „The Blue Auction“ bot unter anderem Kunstwerke wie das Porträt einer Krankenschwester von den Connor Brothers oder eine Londoner Spaziergängerin von Julian Opie, aber auch einen Rennanzug des McLaren-Formel-1-Piloten Lando Norris.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2020)