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Bildungswissenschaft

Anstrengendes Lehrerdasein im Home-Office

APA/GEORG HOCHMUTH
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Das Home-Teaching belastet die Mehrheit der Lehrkräfte stark. Trotz allem sehen viele Pädagoginnen und Pädagogen auch Chancen in der Krise, etwa was den Umgang mit digitalen Medien betriff. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Wien.

Die Sechs- bis 14-Jährigen sind wieder zurück in den Schulen. Zwei Monate Home-Schooling liegen hinter ihnen – eine strapaziöse Zeit, nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte. Das zeigt eine Untersuchung der Bildungswissenschaftlerinnen Susanne Schwab, Katharina-Theresa Lindner und Julia Kast von der Universität Wien.

Sie haben 3467 Lehrkräfte unterschiedlichster Schultypen in ganz Österreich befragt. Das Fazit: Die Mehrheit (60,8%) fühlt sich durch das Home-Teaching stark belastet. Die Betroffenen klagen über weniger Energie und Motivation sowie über mehr Sorgen und Stress.

Gutes Zeugnis

Die meisten Pädagoginnen und Pädagogen glauben, dass es den Kindern und Jugendlichen ähnlich geht. Lediglich 16,5 Prozent von ihnen stimmten der Aussage (eher) zu, dass diese der Meinung zu sein scheinen, Ferien zu haben. Viele Lehrkräfte setzen sich in der aktuellen Situation mehr mit den privaten Lebenslagen ihrer Schützlinge auseinander und berücksichtigen diese stärker. Gerade Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischen Status bergen ein hohes Entwicklungsrisiko im Home-Schooling.

Die Lehrkräfte sehen sich mit Herausforderungen wie unterschiedlicher technischer Ausrüstung, fehlender Unterstützung durch die Eltern und dem hohen Aufwand durch vermehrtes Korrigieren konfrontiert. Den Schülerinnen und Schülern stellen sie aber ein durchwegs gutes Zeugnis aus: 87,8 Prozent finden, dass diese zu Hause aktiv an ihren Aufgaben arbeiten.

Trotz allem sehen viele auch Chancen in der Krise, etwa was den Umgang mit digitalen Medien betrifft oder die Möglichkeit, den Unterricht mehr zu individualisieren.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2020)