Stresstests: Banken brauchen 85 Milliarden Euro

Banken brauchen Milliarden
(c) Reuters (AndreaComas)

Spanische und deutsche Banken werden laut einer Studie bei den Stresstests durchfallen. In der Eurozone werden 91 Großbanken unter die Lupe genommen. In den USA glänzen große Institute dagegen mit Gewinnen.

Wien (höll).Nächste Woche folgt der Offenbarungseid: Am 23. Juli werden die europäischen Aufsichtsbehörden die Ergebnisse der Banken-Stresstests veröffentlichen. Dabei wird untersucht, welche Auswirkungen ein erneuter Wirtschaftseinbruch und ein Crash von Anleihen südeuropäischer Schuldenstaaten haben. Die britische Barclays-Bank hat laut einem Bloomberg-Bericht berechnet, dass die europäische Finanzbranche laut Stresstest voraussichtlich 85 Mrd. Euro bräuchte. Den größten Kapitalbedarf hätten spanische Sparkassen mit 36 Mrd. Euro. Auf Platz zwei lägen die deutschen Landesbanken mit 34,5Mrd. Euro. Die griechischen Kreditinstitute benötigten 8,6Mrd. und die portugiesischen Geldhäuser 5,9 Mrd. Euro. Zu einer ähnlichen Einschätzung wie Barclays kommt Analyst Matt Spick von der Deutschen Bank. Seinen Schätzungen zufolge dürfte sich der Kapitalbedarf auf etwas weniger als 100 Mrd. Euro belaufen.

Viele europäische Länder haben daher in den vergangenen Tagen vorsorglich die Rettungsmaßnahmen für die Finanzbranche verlängert.

 

Kritik an Stresstests

In der Eurozone werden 91 Großbanken unter die Lupe genommen. Von Österreich werden Bank Austria, Raiffeisen Zentralbank und Erste Bank teilnehmen. Sie dürften das Verfahren zwar bestehen. Im internationalen Vergleich verfügen die heimischen Banken aber über geringe Eigenkapitalquoten. Sie werden daher beim Test vermutlich nicht besonders gut abschneiden. Ziel der Kontrollen ist es, das erschütterte Vertrauen in die Finanzbranche wiederherzustellen. Zuletzt wurden allerdings Stimmen laut, dass die Annahmen zu weich seien. Denn der Großteil der Institute dürfte mit den Tests kein Problem haben. Die Resultate sollen nächsten Freitag nach Börsenschluss publiziert werden. Banken, die durchgefallen sind, können sich dann das ganze Wochenende überlegen, welche Kapitalmaßnahmen sie planen.

Die EU-Kommission erklärte dazu, dass es für die betroffenen Institute am besten sei, wenn sie selbst Geld auf dem Markt oder über die Aktionäre aufnehmen. In letzter Instanz können sie auch einen EU-Rettungsschirm in Anspruch nehmen.

Während Europa gespannt auf die Stresstests blickt, überraschen die US-Großbanken mit Milliardengewinnen. JP Morgan Chase gab am Donnerstag bekannt, im zweiten Quartal 2010 das Ergebnis um 77 Prozent auf 4,8 Mrd. Dollar gesteigert zu haben. Die Zahlen wurden mit Spannung erwartet, weil JP Morgan die erste US-Großbank ist, die Details über den Geschäftsverlauf der vergangenen Monate vorlegte. Am heutigen Freitag folgen die Bank of America und die Citigroup.

Eigentlich wäre bei JP Morgan das Ergebnis noch besser ausgefallen, hätte das Institut nicht 550 Mio. Dollar für Steuern auf Bonus-Zahlungen an seine Banker in Großbritannien zahlen müssen.

Als Grund für den Gewinnsprung nannte Vorstandschef Jamie Dimon, dass Rückstellungen für potenzielle Verluste bei Verbraucherkrediten, im Kreditkartengeschäft und bei anderen Darlehen aufgelöst wurden. Im Investmentbanking sei das Geschäft dagegen eher schwach gewesen.

 

Bilanztrick bei US-Banken

Analysten zufolge kommt den US-Großbanken auch ein Bilanztrick zugute. Nach US-Bilanzierungsstandards ist es möglich, dass die Institute ihre eigenen Anleihen neu bewerten können, wenn deren Marktwert gesunken ist. Dies hilft den Instituten zumindest theoretisch: Würden sie nach dem Kursverfall eigene Anleihen zurückkaufen, könnten sie das günstiger tun als bei Fälligkeit. Diesen fiktiven Gewinn können sie in der Bilanz darstellen. Experten vermuten, dass allein die Bank of America davon mit einer Mrd. Euro profitiert. Bei der Citigroup sollen es 400 Mio. Euro und bei JP Morgan 300 Mio. Euro sein.

Im Gegensatz zu den Großbanken drohen hunderte kleine US-Banken an den Zinslasten der ihr gewährten Staatshilfen zu ersticken. Davor warnt ein Bericht des US-Kongresses. Anders als die großen Player haben bislang erst zehn Prozent der 690 kleinen US-Institute die im Zuge der Finanzkrise erhaltenen Staatszuschüsse zurückgezahlt. Denn die kleinen Banken betreiben keinerlei Investmentbanking, Sie sind viel stärker vom US-Häusermarkt abhängig.