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Stahlindustrie

IG Metall pocht auf deutsche Mehrheit bei Thyssen-Stahl

Thyssenkrupp spricht angesichts der hohen Verluste seiner Stahlsparte auch mit ausländischen Konkurrenten über eine Konsolidierung der Branche.

Die deutsche Gewerkschaft IG Metall ist grundsätzlich offen für Gespräche von Thyssenkrupp mit potenziellen Fusionspartnern im Stahlgeschäft. "Es ist klar, dass man die Suche nach strategischen Partnern auf alle Bereiche des Konzerns ausweitet", sagte der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Stahlunternehmen seien durch die Coronakrise zusätzlich unter Druck gekommen. Zugleich stünden Milliardeninvestitionen in eine CO2-freie Produktion an. "Das kann kein Unternehmen alleine stemmen." Daher sei es sinnvoll, Gespräche zu führen. "Wir würden eine deutsche Lösung mit Salzgitter und den Saar-Unternehmen bevorzugen. Wenn man sich mit einem ausländischen Partner zusammen tut, dann muss die Mehrheit in Deutschland bleiben", machte Giesler deutlich.

Baosteel, SSAB, Tata

Reuters hatte zuvor von einem Insider erfahren, dass Thyssenkrupp angesichts der hohen Verluste seiner Stahlsparte auch mit ausländischen Konkurrenten über eine Konsolidierung der Branche spricht. Dies gehöre zum neuen Kurs von Vorstandschefin Martina Merz, die darüber am Montag den Aufsichtsrat informieren wollte. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass der Konzern mit Baosteel aus China, der schwedischen SSAB und erneut Tata Steel im Gespräch sei. Baosteel und SSAB bevorzugten eine Mehrheitsübernahme. Die Aktienkurse von Thyssenkrupp und Salzgitter legten am Montag deutlich zu.

Gegen die Arbeitnehmervertreter könnte das Management eine Stahlhochzeit kaum durchsetzen. Die IG Metall hat unter den Stahlkochern von Thyssenkrupp nach eigenen Angaben einen Organisationsgrad von über 90 Prozent. Betriebsräte und Gewerkschafter stellen die Hälfte der Mitglieder im Konzern- und im Stahlaufsichtsrat.

Entscheidend sei, dass mit dem Partner Investitionen in eine moderne Technologie getätigt werden könnten, betonte Giesler. "Wir wollen ein innovatives Stahlunternehmen haben. Nur so können die Arbeitsplätze gesichert werden." Ob das bei einem chinesischen Konzern möglich sei, müsse man sich sehr genau ansehen. "Klar ist für uns, dass bei jeder Lösung die Arbeitsplätze und Standorte in Deutschland gesichert werden müssen. Ein zusätzlicher Stellenabbau bei Thyssenkrupp Steel Europe ist mit uns nicht zu machen. Verträge müssen eingehalten werden."

Eine Fusion mit Tata Steel Europe war im vergangenen Jahr am Widerstand der EU-Kommission gescheitert. Völlig abgerissen ist der Gesprächsfaden aber Insidern zufolge nie. Thyssenkrupp halte eine Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie nach wie vor für richtig, hatte auch das Management seitdem immer wieder betont. Zudem gerät das konjunkturanfällige Geschäft von Thyssenkrupp Steel Europe weiter unter Druck: Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2019/20 fuhr die Sparte einen operativen Verlust von 372 Millionen Euro ein.

(APA/Reuters)