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Trumps Kleinkrieg mit der WHO

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Der Präsident droht mit dem Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation, einer „Marionette Chinas“.

Die zweitägige Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf nahm US-Präsident Donald Trump zum Anlass für schrille Wahlkampftöne und neue Drohungen. In einem Brief an den umstrittenen WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, den er auszugsweise via Twitter publik machte, warf er der UN-Organisation vor, eine „Marionette Chinas“ zu sein.

„Es ist klar, dass die wiederholten Fehltritte, die Sie und Ihre Organisation sich bei der Reaktion auf die Pandemie geleistet haben, die Welt extrem teuer zu stehen gekommen sind.“ Die WHO agiere nicht im nationalen Interesse“ der USA, weshalb Trump neuerlich mit dem Stopp der Beitragszahlungen drohte – und gar mit dem Austritt aus der WHO. Als Frist nannte er 30 Tage.

Miserable Corona-Bilanz

Zugleich forderte er eine Aufstockung der Mitgliedsbeiträge Pekings. Die USA haben zuletzt jährlich 117 Millionen Dollar in den WHO-Topf eingezahlt, mehr als das Doppelte des Beitrags Chinas. Die WHO sagte eine Untersuchung der Vorgänge zu.

Mit seiner Kritik inmitten der Pandemie am Fundament der global führenden Institution im Anti-Corona-Kampf zu rütteln, kümmert den US-Präsidenten wenig. Längst hat Trump die WHO – wahlweise neben China, den Demokraten, den Gouverneuren oder Vorgänger Barack Obama – zu den Sündenböcken für die miserable Corona-Bilanz der USA auserkoren. Die Vereinigten Staaten führen die Statistik mit mehr als 1,5 Millionen Infizierten an, und noch in dieser Woche könnten sie die Marke von 100.000 Toten überschreiten.

Trump nimmt Malaria-Mittel

Für Aufsehen sorgte Trump zudem mit der Enthüllung, dass er seit zehn Tagen prophylaktisch ein Malaria-Medikament einnehme, das er seit Wochen als Wundermittel anpreist und das auf US-Intensivstationen dosiert zum Einsatz kommt. (vier)