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Verkehrsknoten

Neue Ideen, um Autofahrer für Bahnfahrten zu motivieren

Das Pilotsystem des AIT soll mehr Menschen überzeugen, weniger Kilometer im Individualverkehr zurückzulegen und mehr im öffentlichen Verkehrssystem
Das Pilotsystem des AIT soll mehr Menschen überzeugen, weniger Kilometer im Individualverkehr zurückzulegen und mehr im öffentlichen Verkehrssystemsippakorn yamkasikorn / Unsplash
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In Stockerau wird ein Park&Ride-System getestet, das die Nutzer direkt informiert, wie viel Zeit sie durch den Umstieg auf die Bahn gewinnen können, wie viele Parkplätze gerade frei sind und wann der nächste Zug geht. Das erleichtert den Umstieg auf emissionsarmen Transport.

Als im Februar die Pilotanlage eröffnet wurde, war alles noch normal: Das neue kleine Park&Ride-Gelände beim Bahnhof Stockerau war gut besucht. Doch dann kam im März quasi eine Mobilitätswende durch die Coronamaßnahmen und die Parkanlagen blieben leer. „Ein paar treue Nutzer sind durchgehend geblieben“, sagt Martin Zach vom Center for Mobility Systems des Austrian Institute of Technology (AIT). Er leitet das Projekt MultimoOpt, das von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, der Infrastrukturgesellschaft Asfinag und der ÖBB-Infrastruktur finanziert wird, in dem neue Managementlösungen für Park&Ride-Möglichkeiten getestet werden.

Ziel ist, die Menschen von der monomodalen Fahrweise (nur mit dem Auto) weg zu bekommen und multimodale Fahrten (mit Auto und Bahn, Bus oder Rad) attraktiver zu machen. Dazu entwickelte das AIT-Team mit den heimischen Firmen Swarco Traffic Austria, Bluesource mobile solutions, sowie dem Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz ein Pilotsystem für die Modellregion im nördlichen Niederösterreich: Wer mit dem Auto in Richtung Wien fährt, kann in Stockerau sein Auto am Bahnhof abstellen und mit dem Zug weiter fahren. Das konnten die Pendler bisher schon, die öffentlich zugängliche Park&Ride-Anlage in Stockerau ist bekannt. Doch das Pilotsystem soll noch mehr Leute überzeugen, weniger Kilometer im Individualverkehr zurückzulegen und mehr im öffentlichen Verkehrssystem – klimaneutral und stressfrei.

Schranken öffnet automatisch

Die MultimoOpt-Anlage bietet ein Reservierungssystem, bei dem sich die Autofahrer ihren Stellplatz sichern können: Der Schranken öffnet automatisch mit Kennzeichenerfassung, die Abfahrtszeiten der Züge werden im Informationssystem angezeigt, sodass stets klar ist, wie viel Zeitersparnis ein Umstieg vom Auto auf den Zug bringt. Bei den zwei Befragungen, die in diesem Projekt mit etwa 500 Leuten durchgeführt wurden, war die Zeitersparnis der Hauptbeweggrund, das Auto abzustellen.

Neu ist nun, dass die Infos in Echtzeit an die Nutzer geliefert werden: Aktuell noch per App, aber in Zukunft soll das auch über Wechseltext-Anzeigen auf Autobahnen und Schnellstraßen klappen. So wird jeder Autofahrer sehen, ohne aufs Handy zu schauen, wie viel Zeitverlust auf der Straße zu erwarten ist, wenn ein Stau bevorsteht, bei welcher Abfahrt man eine Park&Ride-Anlage erreichen kann, wie viele Stellplätze dort frei sind und ob man den nächsten Zug nach Floridsdorf oder Mödling erwischen kann.

Sechs Typen mit anderen Bedürfnissen

„Die befragten Personen konnten sechs Nutzertypen zugeordnet werden, die man mit jeweils unterschiedlichen Informationskanälen erreichen kann“, erklärt Zach. So wird eine 70-jährige Autofahrerin, die nur ab und zu nach Wien fährt, andere Infos und Medien brauchen, als ein junger Lehrling oder eine 40-jährige Managerin, die von Termin zu Termin hetzt. Von „Digital Illiterates“, die wenig mobil sind und aufs Geld schauen, über den Typ „Interessiert-Konservativ“, der auf traditionelle Art bequem verschiedene Verkehrsmittel nutzt, zu Typen der „Hochinformierten Nachhaltigkeit“, die ökologisch auf geringe Emissionen achten, bis zum städtischen, flexiblen Typ ist alles dabei.

Jede Zielgruppe hat andere Bedürfnisse, wie sie zu einem Umstieg bereit wäre bzw. ob sie für eine fixe Reservierung im Park&Ride ein paar Euro zahlen würde. Die Daten aus der Testregion fließen jetzt in Potenzialanalysen ein, die quantitativ darstellen, wo in Österreich ähnliche Konzepte gut funktionieren würden.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2020)