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Landesrechnungshof

Strom in Kärnten wegen Zersiedelung am teuersten

(c) Clemens Fabry
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Je weiter Gebäude voneinander entfernt liegen, umso mehr Trafostationen und Leitungen sind nötig, um die einzelnen Gebäude zu versorgen.

Auf Antrag der Kärntner ÖVP hat der Landesrechnungshof die Umstände untersucht, weswegen die Kärntner beim Strom den mit Abstand höchsten Netztarif in Österreich zahlen müssen. Hauptgrund dürfte die Zersiedelung sein, geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Bericht hervor. Die gelte es zu mindern. Ein rascher wirksames Mittel gegen die hohen Kosten wäre ein bundesweit einheitlicher Netztarif.

Ein Kärntner Durchschnittshaushalt zahlte für Strom (laut Berechnung September 2019) 730 bis 959 Euro im Jahr, gut ein Drittel davon (35,7 %) machte der Netztarif aus. Je weiter Gebäude voneinander entfernt liegen, umso mehr Trafostationen und Leitungen sind nötig, um die einzelnen Gebäude zu versorgen. Das Kärntner Netz hat die geringste Anzahl an Zählpunkten pro Trafostation, Tirol hat rund ein Drittel mehr, der Netztarif ist um ein Drittel günstiger. Der Netztarif in Klagenfurt, wo wegen der städtischen Struktur deutlich mehr Haushalte auf eine Trafostation kommen, liegt im Österreichschnitt.

Betrieben wird das Stromnetz in Kärnten (außerhalb des Netzbereichs Klagenfurt) von der Kärnten Netz GmbH, einer Tochter des Landesenergieversorgers Kelag. Sie hat den Großteil des Netzes von der Kelag gepachtet. Die Stromnetztarife setzt die E-Control als zuständige Regulationsbehörde fest. Basis sind Kosten, welche die Netzbetreiber melden.

Netztarife stiegen deutlich

Die Netztarife in den Bereichen Kärnten und Klagenfurt stiegen von 2018 auf 2019 um sieben bzw. 8,1 Prozent, im Österreichschnitt sanken sie um 1,3 Prozent. Hauptverantwortlich für das massive Plus in Kärnten waren überdurchschnittlich hohe kollektivvertragliche Gehaltserhöhungen in Vorjahren. Die Prüfer pochen hier auf Kostendämpfung. Der Personalstand in der Kärnten Netz ist von 2014 bis 2019 zwar gesunken, hauptsächlich aber, weil Abteilungen intern verlagert und Leistungen dann verrechnet wurden. Signifikante Einsparungen ergaben dabei sich nicht.

Ein anderer Kostentreiber waren in der Regelzone Ost (Österreich ohne Tirol und Vorarlberg) die sogenannten vorgelagerten Netzkosten. Wegen Kapazitätsengpässen infolge der Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone stieg in Österreich der benötigte Kraftwerkseinsatz, um Überlastungen und Engpässe zu beheben. Fielen für das Engpassmanagement im Jahr 2012 noch 1,1 Mio. Euro an, kostete es 2019 bereits 319 Mio. Euro. Die Rechnungshofprüfer empfehlen, die vorgelagerten Netzkosten im Sinne der Solidarität auf alle Netzbereiche in Österreich, also auch Tirol und Vorarlberg, aufzuteilen.

Mit den Klimabemühungen kommen auf die Netzinfrastruktur in Österreich neue Probleme zu. Ein massiver Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und E-Ladestationen werde Netzbelastung sowie Netzinvestitionskosten und damit die Netztarife weiter in die Höhe treiben, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf die Kärnten Netz GmbH. Bei der E-Control werde eine neue, gerechter auf Verursacher verteilte Tarifstruktur überlegt.

(APA)