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Rassismus: Das Ende von Anna Wintour bei "Vogue"?

(c) REUTERS (Lucas Jackson)
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Aufruhr im Verlag Condé Nast: Zwei Mitarbeiter verließen bereits das Unternehmen aufgrund einer rassistischen Firmenpolitik.

2020 scheint mit dem Coronavirus und nun auch mit der Black-Lives-Matter-Bewegung kein Stein auf dem anderen zu bleiben. Nun soll Gerüchten zufolge auch die Position von Anna Wintour, Chefredakteurin der US-"Vogue", wackeln. Eine Position, die sie immerhin bereits seit 1988 innehat.

Der Hintergrund: Der Verlag Condé Nast, der nicht nur "Vogue", sondern auch zahlreiche andere Lifestylemagazine herausgibt, wurde heftig kritisiert. In vielen Publikationen herrsche ein toxisches Arbeitsumfeld und eine Firmenpolitik, die wenig Wert auf Diversität und Gleichbehandlung setze. Ehemalige Angestellte gaben etwa an, dass im New Yorker Büro der Modebibel Angst und Diskriminierung sowie ein ungleiches Lohnniveau herrsche.

Zwei leitende Redakteure der Condé Nast Publikationen traten daraufhin in der Vorwoche zurück. So etwa Bon Appétit-Chefredakteur Adam Rapoport, als ein Instagram-Foto aus dem Jahr 2013 auftauchte, dass ihn und seine Ehefrau bei einer Halloween-Party in einer Art Latino-Blackface-Aufmachung zeigte. Außerdem trat auch Matt Duckor, verantwortlich für die Lifestylevideos bei Condé Nast zurück, nachdem rassistische und homophobe Tweets von ihm entdeckt wurden. Zudem berichteten Mitarbeiter, dass sie quasi als Requisiten in Videos zum Einsatz kamen, um den Anschein von mehr Diversität zu geben, dafür aber nicht bezahlt wurden.

„Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Fehler"

Anna Wintours Position scheint trotz allem Trubel einstweilen dennoch gesichert zu sein. In einer Mitarbeiterversammlung wurde klargestellt, dass Wintour nicht zurücktreten werden, schreibt etwa der "Guardian".
"Der Grund, warum sie hier ist, ist, dass sie dazu beitragen kann, die Veränderungen zu beeinflussen, die wir vornehmen müssen, und ich weiß, dass sie sich dafür einsetzten wird“, sagte Roger Lynch, CEO von Condé Nast. Die Chefredakteurin habe so viel Einfluss auf die Welt, wie nur sehr wenige Menschen, so Lynch weiter.

Zuvor hatte Wintour in einem Memo geschrieben. „Ich möchte klar sagen, dass ich weiß, dass Vogue nicht genügend Möglichkeiten gefunden hat, schwarzen Redakteuren, Schriftstellern, Fotografen, Designern und anderen Kreativen Raum zu geben. Wir haben auch Fehler gemacht und Bilder oder Geschichten veröffentlicht, die verletzend oder intolerant waren. Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Fehler. “

„Wir müssen es besser machen“

Auch bei dem Lifestyle-Magazin „Refinery29", das Teil der Vice Media Group ist, rollten Köpfe. Christine Barbereich, Mitgründerin und globale Chefredakteurin der Medienmarke, trat ebenfalls von ihrer Position zurück, nachdem immer mehr Angestellte von ihren Rassismuserfahrungen im Job berichtet hatten.

"Ich möchte zunächst sagen, dass ich die ehrlichen und persönlichen Berichte von schwarzen und farbigen Frauen über ihre Erfahrungen in unserem Unternehmen bei Refinery29 gelesen und aufgenommen habe", schrieb Barberich auf Instagram. „Und aus diesen Erfahrungen geht hervor, dass sich R29 ändern muss. Wir müssen es besser machen, und das beginnt damit, Platz zu schaffen."

„Haprer's Bzaar“ wiederum hat Samira Nasr als erste farbige Chefredakteurin ernannt. "Als stolze Tochter eines libanesischen Vaters und einer Mutter aus Trinidad ist mein Weltbild weitreichend und in der Überzeugung verankert, dass Repräsentation wichtig ist“, ließ sie verlauten.

Auch die britische „Vogue“ hat mit Edward Enninful einen dunkelhäutigen Chefredakteur, der viel tut, um die Modebibel diverser zu machen. In der aktuellen Ausgabe hat er etwa Frauen, die im Gesundheitssystem arbeiten, porträtieren lassen. Viele von ihnen gehören ebenfalls Minderheiten an.

>>> „Guardian“ 

(chrile)