Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Bischöfe nächstes Jahr beim Papst „zum Rapport“

PK BISCHOFSKONFERENZ: LACKNER / SCHOeNBORN
Es brauche angesichts der Coronakrise eine "Theologie des Digitalen". An die neuen Begrüßungsformen hat sich der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz Franz Lackner schon gewöhnt.APA/ROLAND SCHLAGER
  • Drucken

Das Episkopat appellierte dafür, Flüchtlinge aufzunehmen und das Klimavolksbegehren zu unterschreiben. Indirekte Kritik gab es an Norbert Hofers Aussagen zum Koran.

Der neue Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der Erzbischof von Salzburg Franz Lackner hat am Freitag gemeinsam mit seinem Vorgänger Kardinal Christoph Schönborn über die Ergebnisse der in Mariazell tagenden Vollversammlung berichtet. Unter anderem richteten die Bischöfe einen Appell an die Bundesregierung, Flüchtlinge aufzunehmen, auch forderten sie Respekt gegenüber Religionen. Beim Papst zum Rapport erscheinen wird das Episkopat erst nächstes Jahr. Der bischöfliche Besuch beim Kirchenoberhaupt findet traditionell alle fünf Jahre statt.

"Wir distanzieren uns deutlich vom Missbrauch der Religion für politische Zwecke", sagte Lackner in einer Pressekonferenz. Statt einem "permanenten Ungeist der Empörung und der Vernaderung" brauche es eine neue Kooperation der besten Ideen für unser Land. Auch Kardinal Schönborn mahnte, dass andere nicht in der Öffentlichkeit diskriminiert oder beschimpft werden dürfen. Im Interesse der Menschen und des Landes dürfe keine Religion öffentlich schlecht gemacht werden. "Mehr muss ich nicht zur Entgleisungen der letzten Woche sagen", so die indirekte Kritik Schönborns an FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer, der gemeint hat, der Koran sei "gefährlicher als Corona". Auch das Oberhaupt der evangelisch-lutherischen Christen, Michael Chalupka zeigte sich in einer Aussendung am Freitag ob des Sagers "zutiefst betroffen". Der Versuch der Verächtlichmachung einer der großen Weltreligionen und ihrer Heiligen Schrift sei "schändlich", so Chalupka.

Solidarität und „Lebensschutz"

Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz appelliert zudem an die Bundesregierung, wieder Flüchtlinge aufzunehmen. Es brauche wieder einen "Geist der Aufmerksamkeit und der Solidarität", um sich von den Sorgen und Nöten der Menschen berühren zu lassen, erklärte Lackner. Diese Anteilnahme dürfe aber nicht an den Landesgrenzen halt machen. "Wir erachten es als dringend notwendig, ein faires Kontingent an Asylsuchenden und Vertriebenen in absehbarer Zeit aufzunehmen und zu versorgen", berichtete Lackner über die Erklärung des heimischen Episkopats nach der Vollversammlung in Mariazell. Auch wolle man entsprechende Initiativen in der Zivilgesellschaft unterstützen.

Zudem werden die Bischöfe weiter "vehement" für einen "umfassenden Lebensschutz" eintreten. Das Leben müsse von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende geschützt sein. Das werde die Kirche weiter "laut sagen", so Lackner. Zudem betonte Lackner, dass die österreichischen Bischöfe das anstehende Klimavolksbegehren unterstützen werden, wie sich auch in der Abschluss-Erklärung festhielten. Die Folgen des globalen Klimawandels würden, langfristig gesehen, weitaus "verheerender" ausfallen als jene der aktuellen Pandemie, so Lackner.

„Theologie des Digitalen"

Im Lichte der Corona-Pandemie rufen die österreichischen Bischöfe zu einer "geistvoll erneuerte Normalität" auf. Die Pandemie habe die Verletzlichkeit unserer Lebenswelt bewusst gemacht. Dankbar sei man, dass die Schutzmaßnahmen, mit denen auch starke Einschränkungen des kirchlichen und religiösen Lebens verbunden waren, gewirkt haben. Angesprochen auf Online-Gottesdienste und den Erfahrungen damit, meinte Lackner: Es werde künftig wohl so etwas wie eine "Theologie des Digitalen" brauchen.

Für Kardinal Schönborn habe die Krise zwei Dinge gezeigt, nämlich dass die "maßlose Globalisierung" große Gefahren berge. Zum anderen aber auch, dass wir uns unbedingt "vor einem neuen Nationalismus und neuer Abschottung" hüten müssen. Vielmehr brauche es die europäische Gemeinsamkeit und die internationale Vernetzung. Österreich habe hierbei schon seine Begabung gezeigt, so Schönborn. Zudem verwies der Kardinal auf den "großen Wert der Sozialpartnerschaft", die er als "Erbe der Aufbaugeneration" bezeichnete. Der "Geist, aus dem heraus sie erfolgreich war", solle weiter gepflegt werden.

Lackner war am Dienstag bei der Vollversammlung des Gremiums in Mariazell zum Nachfolger von Kardinal Christoph Schönborn gewählt worden, der das Amt nach 22 Jahren aus Altersgründen zurückgelegt hatte. In welchem Wahlgang mit wie viel Stimmen er gewählt wurde, wollte Lackner nicht preisgeben, nur soviel: "Es war nicht der erste, aber weit weg auch nicht."