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Digitale Modenschau

Blick für das Wesentliche

Prada
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Die Krise schärft den Blick: Auch jenen von Miuccia Prada, die ihre Kollektionen für die Zeit nach Corona als schnörkellos und funktional anlegt.

Eine Aussage lässt sich mit relativ großer Sicherheit treffen: Miuccia Prada stand in den Monaten des Coronalockdowns nicht der Sinn nach Farbe. Und da die Ready-to-Wear-Kollektionen nun einmal mit einem halben bis dreiviertel Jahr Vorsprung zum eigentlichen Verkaufsstart präsentiert werden, wirkt sich dies markant auf die Sommermode für 2021 aus. Zumindest jene für Herren, die Kollektion wurde soeben als Teil der ersten „digitalen Modewoche“ Mailands gezeigt – gleichzeitig mit der Zwischenkollektion für Damen.

Sogenannte „Urban Warriors“, Kleidung als Schutz, die Reduktion auf das Wesentliche (einer Garderobe): Das sind wiederkehrende Motive in Miuccia Pradas Arbeit als Kreativchefin ihrer Marke seit den Neunzigerjahren. Diesmal aber trieb die Designerin die Reduziertheit ihrer Mode zu neuen Extremen – die Farbpalette war verhalten in Schwarz, Weiß, Grau. Vereinzelt durfte es, und nur bei Modellen für Damen, Ausreißer in leicht Gemustertes geben, ansonsten war die Prada-Kollektion fast gänzlich schmucklos. Auch Accessoires waren nur wenige zu sehen, bei einzelnen Modellen fungierte ein metallenes Logo, direkt am Solarplexus angebracht, als einziger Blickfang.

Prada
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Der große Innovationsgrad dieser Marke gründet freilich in der Bereitschaft, mit neuen, technisch anmutenden Materialien zu arbeiten: Auch hier war, wie häufig zuletzt, Nylon ein wichtiges Thema. In den Linea-Rossa-Modellen gab es betont Sportliches zu sehen, auch geschichtete Transparenzen in Weiß und mit technoiden Farbverläufen.

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Herrenhosen, die aus Jerseystoff gefertigt zu sein schienen, sind vielleicht eine Nachwirkung der Homeoffice-Periode (die ja vielerorts noch nicht an ihr Ende gekommen ist). Abgesehen davon schickt Frau Prada die Träger ihrer Mode aber wieder auf die Straße hinaus, wenn auch gut gewappnet gegen die Widrigkeiten des Alltags. Man wird wenig Haut zeigen wollen, lautet eine der Modeprognosen, die hier getroffen werden.

 

Für die Präsentation der Kollektion ließ sich Prada ein (digitales) Gustostück einfallen. Wie derzeit üblich, die Pariser Couturemaisons haben sich gerade ausufernd in dieser Art von Kreativität gefallen, wurde die Mode in Kombination mit Modekurzfilmen gezeigt. „Multiple Views“ war das Motto, Kreative wie Juergen Teller, Willy Vanderperre und Martine Syms legten in kurzen Videos ihre Interpretation von fünf Unterabschnitten der Kollektion vor. Auch hier gilt: Eine, oder besser: fünf gelungene Übungen, die es auf Prada.com zu sehen gibt.

Auf die Mode, die nicht von ungefähr an das englische Wort „Performancewear“ denken lässt, muss man freilich noch einige Monate warten.