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Coronakrise

Italien: Das Symposium der Maskengegner

Eine Konferenz in Rom versammelte Kritiker der Maskenpflicht: Starsänger Andrea Bocelli fühlte sich durch Ausgangssperre „gedemütigt". Auch Ex-Innenminister Matteo Salvini weigerte sich, Maske zu tragen.

Bei stark gesunkener Zahl von Coronavirus-Todesopfern wächst der Widerstand gegen die Maskenpflicht in Italien. Angeführt wird der Protest von Ex-Innenminister Matteo Salvini, der sich am Montag bei einem Symposium zum Thema "Covid-19 in Italien zwischen Medien, Wissenschaft und Recht" im Senat in Rom der Maskenpflicht widersetzte.

"Ich habe keinen Mundschutz und ich trage ihn auch nicht", sagte Salvini trotzig bei der Konferenz, an der sich Politiker, Wissenschafter und Intellektuelle beteiligten, die den Coronavirus-Notstand in Italien für überwunden halten und die Vorbeugungsmaßnahmen der Regierung als freiheitsberaubend und übertrieben betrachten. Als ihm ein Mitarbeiter einen Mundschutz mit den Farben der italienischen Flagge überreichte, weigerte sich Salvini, diesen aufzusetzen.

Auch der Veranstalter des Symposiums, der bekannte Parlamentarier und Kunstexperte Vittorio Sgarbi, trug keinen Mundschutz, der in Italien in geschlossenen Räumen Plicht ist, wenn man die Abstandsregeln nicht einhalten kann. Sgarbi zählt zu den schärfsten Kritikern der von der Regierung um Premier Giuseppe Conte ergriffenen Hygiene- und Vorbeugungsmaßnahmen.

Per Skype schaltete sich beim Symposium im Senat der namhafte Virologe und Leiter der Abteilung für Intensivtherapien der San-Raffaele-Klinik in Mailand, Alberto Zangrillo, ein. Seiner Ansicht nach existiere Covid-19 vom klinischen Standpunkt betrachtet in Italien nicht mehr. Aus den Abstrichen, die in den vergangenen Wochen durchgeführt wurden, gehe klar hervor, dass die Virulenz des Covid-19 minimal sei. Der Experte beschuldigte die Regierung um Premier Giuseppe Conte, sich von Virologen beraten zu lassen, "die das Land lahmgelegt und die Italiener terrorisiert" hätten.

„Habe gegen die Ausgangssperre verstoßen"

Der Verfassungsrechtler Sabino Cassese sprach sich gegen die von der Regierung geplante Verlängerung des Ausnahmezustands wegen der Coronavirus-Epidemie vom 31. Juli bis Ende dieses Jahres aus. Damit sichert sich die Regierung weiterhin Mittel und Instrumente, um im Fall einer neuen Epidemiewelle einzugreifen, ohne zuvor die Zustimmung des Parlaments einholen zu müssen. Wegen der Coronavirus-Epidemie und des Lockdowns seien Bürgerrechte stark eingeschränkt worden, kritisierte Cassese.

Am Symposium beteiligte sich auch der italienische Starsänger Andrea Bocelli, der Verstöße gegen die strenge Ausgangssperre gestand, die die Italiener fast zwei Monate lang in ihre Häuser gezwungen hatte. "Ich habe mich gedemütigt und beleidigt gefühlt, weil ich nicht außer Haus gehen konnte. Ich habe gegen die Ausgangssperre verstoßen, weil ich ein gewisses Alter habe und Sonne brauche", sagte Bocelli.

Insgesamt hat Italien die Corona-Pandemie nach Angaben von Experten aktuell gut unter Kontrolle. Die Zahlen der Neuinfektionen liegen häufig unter den Werten anderer EU-Länder. In mehreren Großstädten Italiens hatten Menschen an den vergangenen Wochenenden jedoch auf Plätzen mit Wein und Bier in der Hand ausgelassen zusammengestanden. In Rom ließen die Behörden solche Hotspots räumen. Allgemein muss man in dem Land in Geschäften, Bussen, Bahnen, Museen und Theatern einen Mund-Nasen-Schutz tragen.