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Tot sein hilft auch nicht

Neuentdeckung aus den 1930ern: Maria Lazars „Leben verboten!“. Ein Roman, der im Kleid der Kolportage einherspaziert, zu einer Zeit, als die Realität den Erfindungsgeist des Genres bereits überholte. Exzellent!

Betteln verboten, Eintritt verboten, Flanieren verboten, Menschlichkeit verboten, Leben verboten – warnend zieht sich dieses Verb durch den grandiosen Roman der beeindruckenden österreichischen Literatin, welcher erst jetzt Leserinnen und Lesern zugänglich wurde. Eine Publikation lehnte man hierzulande aus vorauseilendem Gehorsam ab, und auch in der Schweiz scheute man einen Vertrag. Zu hellsichtig und eindringlich stellt „Leben verboten!“ das Kommende dar, welches in der Aussage kulminiert, wer heute noch als Mörder gelte, sei morgen schon ein Beamter, aber das interessiere sowieso keinen, heute seien eben „die Juden dran“ und morgen alle anderen, die aufmucken, denn die Welt sei zum Kolportageroman verkommen. Wer dies nicht sehen wolle, so eine der Protagonistinnen, mache sich der Feigheit schuldig, der „Gleichgiltigkeit des Herzens“.

Im Vordergrund steht die Kolportage-Handlung: Der Berliner Bankier Ernst von Ufermann besteigt aufgrund des Verlusts seiner Brieftasche nicht den Flieger nach Frankfurt, wo er für sein marodes Unternehmen neue Kredite hätte aushandeln sollen, da die Wirtschaftskrise auch seine Firma in Bedrängnis brachte. Statt jedoch ob dieses Verlusts nach Hause zu eilen, zügig andere Schritte zu setzen, stockt Ernst, fällt aus seinem gewohnten Seinstrott. Ziellos wandert er durch die Stadt, erfährt zufällig, dass das Flugzeug abgestürzt sei, alle Passagiere verbrannt, darunter der bekannte Bankier.