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Vandalismus

Vergeltung für Hagia Sophia: Historische Moscheen in Griechenland beschädigt

Friedlichen Protest wie hier in Thessaloniki gab es die letzten Wochen viel. In Griechenland gab es nun vereinzelte Vandalenakte gegen Moscheen.
Friedlichen Protest wie hier in Thessaloniki gab es die letzten Wochen viel. In Griechenland gab es nun vereinzelte Vandalenakte gegen Moscheen.APA/AFP/SAKIS MITROLIDIS
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Die „Blei-Moschee" in Trikala wurde schwer beschädigt. Lokalpolitiker fordern außerdem einen Stopp von Renovierungsarbeiten an der ältesten Moschee auf Lesbos.

Die Rückverwandlung der Istanbuler Hagia Sophia zur Moschee durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat in Griechenland Vergeltungs-Vandalismus gegen dort noch bestehende islamische Heiligtümer ausgelöst. So wurden im mittelgriechischen Trikala die Überreste der "Blei-Moschee" von einem Mob "gesteinigt" und dabei noch weiter zerstört, wie Kathpress am Montag berichtete.

Die "Blei-Moschee" Kursun Camii war bis zur Übergabe von Thessalien an die Griechen 1882 eines der schönsten osmanischen Gotteshäuser im türkischen Südosteuropa. Als "Gegenmaßnahme" nach der Umwidmung der Hagia Sophia verlangte der Regionalgouverneur der Nordägäis, Kostas Moutzouris, etwa die Renovierung der ältesten Moschee auf der Insel Lesbos - die Valide Camii in Mytilini - zu stoppen und den Geldhahn abzudrehen.

Die dem Ökumenischen Patriarchat nahestehende Blogsite "Phos Phanariou" warnte indes vor solchen und weiteren Gegenmaßnahmen zur Hagia Sophia in Griechenland. Bezeichnend sei auch, dass die "Vergeltung" von genau denselben extrem griechisch-nationalistischen und ultraorthodoxen Kreisen ausgingen, die auch den Ökumenismus von Patriarch Bartholomaios I. bekämpften.

„Osman-Schah-Moschee"

Die "Blei-Moschee" verdankt ihren Namen einer bleiernen Kuppel. Sie wurde zur Mitte des 16. Jahrhunderts vom berühmten Architekten Mimar Sinan erbaut, ist eine der 79 von ihm geschaffenen Moscheen und hat im modernen Griechenland als einzige von ihnen fast zur Gänze überlebt. Bauherr war Osman Schah, ein Enkel von Sultan Selim I. (1512-20), Statthalter im osmanischen "Tirhala": Nach ihm wird die bleierne Moschee auch "Osman-Schah-Moschee" genannt. Von ihr sind heute nur das viereckige Hauptgebäude, ein Teil des Minaretts und das Grab (Türbe) von Osman Schah erhalten; Moscheeschule, Armenhaus und Karawanserei wurden abgerissen. Am Eingang (revak) fanden kürzlich Reparaturarbeiten statt.

Die "Moschee der Sultansmutter" auf Lesbos wurde 1615 erbaut und ist die älteste der Insel. Seit einem Umbau 1791 trägt sie auch den Namen "Neue Moschee" (Yeni Camii). Sie befindet sich in der Mitte des ehemaligen Basars im alten türkischen Viertel nördlich des modernen Stadtzentrums. Lesbos (türkisch Midilli) stand zwischen 1462 und 1912 unter osmanischer Herrschaft und hatte eine beträchtliche muslimische Bevölkerung.

(APA)