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Festspiele

Hoffnung aus der Melancholie: Sokolov begeisterte in Salzburg

Fantastischer Pianist: Grigory Sokolov.
Fantastischer Pianist: Grigory Sokolov.Salzburger Festspiele (c) ©MarcoBorrelliwww.marcoborrelli.com
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Standing Ovations für Grigory Sokolov, der Mozart und Schumann gemeinsam grübeln ließ – und ganze sechs Zugaben gab.

Brahms, Chopin, Bach! ... Doch wer bei Grigory Sokolov von den Zugaben zu reden anfängt, vermittelt einen falschen Eindruck. Als wäre dieser fantastische Pianist ein unbedarfter Opernsänger, der sich erst durch ein mühsam erlerntes Liedprogramm frettet, um endlich hinterher mit dem Geschmetter altbekannter Arien beim Publikum abzuräumen. Dabei ist bei Sokolov alles Zusammenhang, alles Spontane wirkt wohl durchdacht – ja, er vermittelt das Gefühl, seine Interpretationen würden nur im jeweiligen, aktuellen Kontext und durch die Querverbindungen des Programms ihre Gestalt annehmen.

Der ganze Mozart-Block im ersten Teil des pausenlosen Abends zum Beispiel, dem das Publikum im Großen Festspielhaus dankenswerterweise ohne Zwischenapplaus gelauscht hat, hatte eine Logik des Schmerzlichen, Abgetönten, des grüblerischen Tiefsinns – auch und gerade an seinem populären Höhepunkt, dem „Alla turca“-Finale aus der Sonate KV 331. So wehmütig, ja melancholisch trottete dieser türkische Marsch daher, nur ein, zwei musikalische Herzschläge von einem Schubert'schen „Moment musical“ entfernt. Freilich, die massigen und doch außerordentlich sonoren Arpeggi der linken Hand ließen gleich darauf beim Forte an den Schellenbaum der Janitscharen denken – aber darüber war alles kantable Delikatesse. Und so, wie Sokolov die Schlussakkorde bedeutungsvoll abdämpfte, schien danach gar kein anderer Fortgang möglich als mit dem a-Moll-Rondo KV 511, einem sanft klagenden, chromatischen Siciliano, das die etablierte Stimmung noch vertieft und in hingetupften Pianissimoakkorden endet.