Schnellauswahl
Wort der Woche

Wie geht es nach der Coronakrise weiter?

Forscher haben ergründet, wie man einen erneuten starken Anstieg der CO2-Emissionen nach der Coronakrise vermeiden könnte. Ihr Ergebnis stimmt pessimistisch.

Wir stecken zwar noch mitten in der Coronakrise, aber immer mehr Menschen fragen sich: Wie geht es nachher weiter? Die veröffentlichte Meinung postuliert mehrheitlich, dass die Post-Corona-Welt eine völlig andere sein wird: Demnach werden wir die Art unseres Zusammenlebens überdenken, die Wirtschaft neu organisieren und anders mit unserer Umwelt umgehen.

Man hört aber auch die gegenteilige Ansicht: Wenn wir die Pandemie dereinst im Griff haben werden (etwa durch eine wirksame Impfung), werden wir binnen kürzester Zeit wieder in unseren alten Trott verfallen und so weitermachen wie bisher.

Das wäre freilich schade. Denn dadurch würden z. B. alle derzeitigen Verbesserungen in Sachen Umweltschutz wieder verpuffen. So hat sich insbesondere der Ausstoß von Luftschadstoffen (inkl. CO2) wegen der reduzierten Wirtschaftstätigkeit und des gesunkenen Verkehrs deutlich verringert.

Dieser Zustand wird zwar sicher nicht von Dauer sein: Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, werden auch die Emissionen wieder steigen. Doch es gilt nun zu überlegen, worauf wir auf dem Weg in die Post-Corona-Zeit besonders achten sollten. Die chinesischen Ökonomen Qiang Wang und Shasha Wang haben dazu die Entwicklung rund um die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 analysiert: Auch damals kam es zu einem Einbruch der CO2-Emissionen, der unmittelbar danach durch einen ebenso starken Boom wieder wettgemacht wurde. Die Forscher haben nun untersucht, welche Faktoren für diesen Bumerangeffekt verantwortlich waren (Science of the Total Environment, 21. 7.).

Einer ihrer zentralen Schlüsse war zu erwarten: Um einen starken Anstieg der Emissionen nach der Krise zu vermeiden, muss die Energieeffizienz konsequent verbessert werden. Der zweite Schluss ist indes überraschend: Für ein Einbremsen des globalen CO2-Ausstoßes erwies sich ein möglichst freier Welthandel als günstig. Das gilt besonders für Industrieländer, aber langfristig auch für Schwellenländer – und zwar durch Investitionen in neue, effizientere Technologien.

Dieses Ergebnis stimmt die beiden Forscher pessimistisch: Denn zum einen werde das Thema Energieeffizienz in den meisten Corona-Konjunkturpaketen vernachlässigt, und zum anderen („noch schlimmer“) nimmt der Protektionismus im Welthandel derzeit deutlich zu.

Es deutet also wenig darauf hin, dass die Post-Corona-Zeit so viel anders sein wird . . .

Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Wissenschaftskommunikator am AIT.

meinung@diepresse.com

www.diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2020)