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USA

Gefallene als „Verlierer“: Wirbel um Trump-Sager

Abfällige Bemerkungen des Präsidenten über gefallene US-Soldaten im Ersten Weltkrieg sind die jüngste Aufregung im Wahlkampf. Er forciert auch die Kampagne gegen die Briefwahl.

Wien/Washington. „Loser“ (Verlierer) und „Sucker“ (Trottel) zählen zum Stammvokabular Donald Trumps, der sich selbst für einen geborenen „Winner“ hält. Davon zeugen Berichte von Mitarbeitern, Freunden und Familienangehörigen. Diese Weltsicht bringt den Präsidenten nun in Verlegenheit. Denn laut einer Enthüllung des Magazins „The Atlantic“ bedachte Trump die gefallenen US-Soldaten im Ersten Weltkrieg mit ebenjenen Attributen.

„Warum sollte ich diesen Friedhof besuchen? Er ist voll mit Verlierern.“ So schildert Chefredakteur Jeffrey Goldberg die einstweilige Absage eines Besuchs des US-Militärfriedhofs Aisne-Marne nahe Paris anlässlich der Gedenkfeiern zum 100-jährigen Ende des Ersten Weltkriegs im November 2018. Bei Dauerregen könne der Hubschrauber Marine One nicht starten, lautete damals die offizielle Erklärung. Regen und Wind könnten seine Frisur zerzausen, soll der US-Präsident angeblich als Grund angegeben haben. Währenddessen brachen Emmanuel Macron, Angela Merkel und Justin Trudeau gleichwohl zur Ehrung gefallener Soldaten ihrer Länder auf.

 

Kritik am „Kriegshelden“ McCain

Das Weiße Haus ließ von Vizepräsident Mike Pence über Stabschef Mark Meadows bis zur Pressesprecherin Kayleigh McEnany hochrangige Mitarbeiter für ein Dementi auffahren. Ein Indiz für die Korrektheit der Zuschreibung ist freilich eine Äußerung Trumps über seinen republikanischen Intimfeind John McCain im Vorwahlkampf vor fünf Jahren. McCain sei kein „Kriegsheld“, ätzte Trump. „Ich mag keine Leute, die gefangen genommen werden.“ McCain war als Kampfpilot im Vietnamkrieg abgeschossen worden und fünf Jahre im „Hanoi Hilton“, dem berüchtigten Gefängnis, der Folter ausgesetzt gewesen, wo ihn Selbstmordgedanken quälten. Einen Gefangenenaustausch lehnte McCain ab. Die Bemerkung löste damals einen Sturm der Entrüstung aus, blieb für den vom Kriegsdienst befreiten Trump jedoch folgenlos. Ebenso wie seine Aussage, er habe sein „persönliches Vietnam“ gekämpft – den Kampf gegen sexuell übertragbare Krankheiten.

Die Affäre, die dem Präsidenten bei Patrioten und Militärfamilien Sympathien kosten könnte, ist die jüngste Aufregung in einem Wahlkampf, der an Intensität zunimmt. Donald Trump liebt den Wirbel, und er lebt von ihm. Bei einer Kundgebung im Swing State Pennsylvania wiederholte er die Aufforderung zur doppelten Stimmabgabe. Wer prüfen wolle, ob seine Briefwahlstimme gezählt werde, solle im Wahllokal erscheinen. Es führte zu einem Aufschrei bei Justizministern und Wahlleitern im Land. Twitter versah die Aufforderung mit einem Warnhinweis.

Es ist der jüngste Versuch in seiner Kampagne, Misstrauen gegen die Briefwahl zu säen. Umfragen zufolge wollen weit mehr Demokraten die Briefwahl nutzen als Republikaner. Trump stimmte zuletzt selbst per Briefwahl in Florida ab. (vier)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2020)